Einen Wecker braucht er nicht. Georg Wiedenmann wacht jeden Tag automatisch um etwa 4 Uhr morgens auf. Bei dem Hausener hat sich diese innere Uhr eingestellt, als er am 1. Januar 1977 – also vor nahezu 45 Jahren – seine Arbeit als Zusteller bei der Heidenheimer Zeitung antrat. Er zögerte damals nicht lang, als seine Vorgängerin ihm diese Aufgabe übergeben wollte. Der junge Familienvater war froh, neben seinem Hauptberuf als Bankkaufmann ein weiteres Einkommen zu haben. „Es ist ein gutes Gefühl, schon etwas Geld verdient zu haben, bevor die anderen überhaupt aufgestanden sind“, so Georg Wiedenmann.

In Herbrechtingens kleinstem Teilort ist er auch unter dem Namen Zeitungs-Schorsch bekannt. Sein unverkennbares Markenzeichen ist das Fahrrad, mit dem er – die Blätter auf den Gepäckträger gespannt – durch das Dorf fährt. Bei Wind und Wetter. Da niemand eine nasse Zeitung möchte, hat er für deren Schutz immer etwas dabei.

Seine erste Anlaufstelle ist das Wartehäuschen an der Bushaltestelle, wo er die Ausgaben abholt. Diesen Platz habe er mit dem Lieferanten vereinbart, damit jener im Winter nicht bis zu seinem Haus fahren müsse und womöglich auf der noch nicht geräumten Straße stecken bleibe.

Weitläufiges Zustellgebiet

Knapp 40 Tageszeitungsexemplare zählt er. Das klinge wenig, doch um diese zuzustellen, müsse er drei Kilometer zurücklegen. Kommen die beiden Wochenzeitungen Neue Woche und Wochenzeitung hinzu, fährt er diese Strecke zweimal am Tag. Es gebe Kollegen, die zwar mehr Zeitungen dafür aber kleinere Gebiete hätten. Seit ein paar Jahren trägt Wiedenmann zudem die Südwest-Mail-Post aus. Ihm, der schon immer gerne Sport getrieben hat, mache das nichts aus. Die Bewegung dürfte ein Grund sein, weshalb er im Alter von 80 Jahren noch so fit ist.

Obwohl die Zeitung seit etwa einem Jahr erst um 6.30 Uhr zugestellt sein muss, ist es Wiedenmann ein großes Anliegen, dass die Hausener die HZ wie gewohnt spätestens um 6 Uhr bekommen. Damit sie noch vor der Arbeit und zum Frühstück lesen können.

Selten Reklamationen

In der rund 130-Seelen-Gemeinde kennt jeder jeden, so Wiedenmann. Demnach kennt er die Leser und sie in der Regel ihn. Wenn nicht, lernen sie ihn kennen. Denn bei neu Hinzugezogenen wird er auch schon mal persönlich vorstellig. Schließlich müsse er doch wissen, wie die Neuen heißen, wo der Briefkasten zu finden ist und ob sie Werbung möchten.

Da wundert es nicht, dass auf seinem privaten Festnetzanschluss angerufen wird, wenn die Zeitung ausnahmsweise doch mal fehlen sollte. Dann habe er schlichtweg ein Haus vergessen. In all den Jahren hat er sich keinen einzigen Tag krankgemeldet. Wenn er mal ausfiel, sprang seine Frau ein. Und wenn sich das Ehepaar ihren jährlichen einwöchigen Urlaub in der Pfalz gönnte, dann verteilte die Schwägerin. Der Arbeitgeber musste sich also nie selbst um eine Vertretung kümmern.

Ein Dankeschön von Lesern

Diese Zuverlässigkeit wird ihm ab und an sogar von den Lesern mit netten Gesten gedankt. So wartete eines Morgens zur Freude des Zustellers schon eine Flasche seines Lieblingsbiers im Bushaltestellenhäuschen.

Seine Kinder würden ihn mittlerweile des Öfteren fragen, ob er nicht lange genug berufstätig war und endlich ein „richtiger“ Rentner sein möchte. Doch er könne sich ein Leben ohne eine Arbeit und ohne Zeitung nicht vorstellen. Seine Frau Gerda hat nach eigener Aussage inzwischen akzeptiert, dass sie die HZ wohl nie aus dem eigenen Zeitungsrohr an der Haustür wird holen müssen, weil ihr Mann diese direkt nach Feierabend mitgebracht und auf den Tisch gelegt hat.

Zahlen aus dem Vertrieb


Das Heidenheimer Pressehaus beschäftigt derzeit zirka 300 Tageszeitungszusteller und zirka 260 Zusteller für Neue Woche und Wochenzeitung. Die Druckauflage für die Heidenheimer Zeitung beziehungsweise Heidenheimer Neue Presse liegt aktuell bei etwa 23.000 Exemplaren. Neue Woche und Wochenzeitung haben eine Auflage von zirka 60.000 Exemplaren.