Bolheim / Maximilian Haller Im bayrischen Erding wurde ein Ukrainer von drei Männern zu Tode geprügelt. Die Suche nach dem Auftraggeber führt die Ermittler der Kripo zur Bolheimer Firma EVB.

Drei Mitarbeiter einer Bolheimer Firma werden auf einem Parkplatz im bayrischen Erding brutal zusammengeschlagen. Einer der Männer wird dabei so schwer verletzt, dass er drei Wochen später im Krankenhaus stirbt. Wie sich herausstellt, sind die fünf Angreifer bei derselben Bolheimer Firma EVB angestellt wie ihre Opfer.

Der Vorfall ereignet sich im November 2017, nun müssen sich die fünf Angreifer im Alter zwischen 22 und 47 Jahren vor dem Landgericht Landshut wegen Totschlags und Körperverletzung mit Todesfolge verantworten.

Falsche Pässe vom Chef erhalten

Bei der Bolheimer Firma handelt es sich um eine Transport- und Zeitarbeitsfirma. Sie soll Arbeiter aus dem Ausland anheuern, um deren Dienste dann an andere Unternehmen anzubieten. So waren die Beteiligten der Prügel-Attacke für den Paketdienst General Logistics Systems (GLS) im Erdinger Gebiet unterwegs.

Doch schon von Beginn an soll es bei EVB nicht mit rechten Dingen zugegangen sein: Vor Gericht berichten die zwei Zeugen, dass sie mit tadschikischen Papieren nach Deutschland gekommen seien. Vom EVB-Geschäftsführer seien ihnen jedoch gefälschte rumänische Pässe ausgestellt worden.

Um Lohn betrogen

Auch das 52-jährige Todesopfer der Tat, ein Ukrainer, soll einen gefälschten Pass erhalten haben. 1000 Euro Lohn pro Monat seien den Männern versprochen worden, gesehen hätten sie von dem Geld allerdings nur wenig. Immer wieder seien die Arbeiter auf ihren Chef zugegangen, mit der Aufforderung, ihnen das versprochene Gehalt endlich auszuzahlen.

Situation eskaliert auf Parkplatz

Nachdem zwei Monatslöhne in Folge ausblieben, hätten die Arbeiter beschlossen, einen Firmenwagen, mit dem sie unterwegs sind, als Druckmittel zu nutzen. Sie hätten sich geweigert, aus dem Auto auszusteigen, bis sie bezahlt werden.

Weitere Zeugenaussagen ergeben folgendes Bild: Fünf Angestellte der Firma, die im bayrischen Taufkirchen stationiert sind, machen sich auf den Weg, um den Wagen zurückzuholen.

Eines der Opfer stirbt an Verletzungen

Auf einem Kinoparkplatz sei es dann zu dem Treffen gekommen und die Situation sei eskaliert: Mit Gewalt hätten drei der fünf Angreifer versucht, die Männer aus dem Auto herauszuholen. Immer wieder hätten sie auf ihre Opfer eingeschlagen und sie getreten. Vor Gericht berichten die Überlebenden des Vorfalls davon, mit Flaschen und Eisengegenständen geschlagen worden zu sein. Einer der Männer zieht sich bei dem Angriff einen Schädelbasisbruch zu, an dessen Folgen er später stirbt.

Woher kam der Auftrag?

Zusätzlich zur Schuldfrage der Angeklagten steht während der Gerichtsverhandlung vor allem eine Frage im Mittelpunkt: Wer erteilte den Auftrag, den Firmenwagen mit Gewalt zurückzuholen. Laut der Kriminalpolizeiinspektion Erding konnte bislang kein klarer Auftragsgeber ermittelt werden. Die Suche führt die Ermittler der Kripo jedoch zur Bolheimer Firma EVB.

Angebliches Treffen in Giengen

Die Privaträume des EVB-Geschäftsführers seien durchsucht worden, zudem wurden mehrere Datenträger sichergestellt. Tatsache ist auch, dass die Angeklagten vor Gericht aussagten, im Vorfeld der Tat in wiederholtem telefonischem Kontakt mit dem Geschäftsführer gestanden zu haben. Sie gaben außerdem an, sich auf dem Weg zum Erdinger Kinoparkplatz mit dem EVB-Chef an einer Tankstelle bei Giengen getroffen zu haben.

Laut der Pressestelle der Landshuter Staatsanwaltschaft laufe derzeit ein Ermittlungsverfahren wegen Verdachts zur Anstiftung des Totschlags gegen den EVB-Geschäftsführer. Zum Vorfall in Erding sei dieser laut Angaben der Polizei bereits vernommen worden. Am Mittwoch, 12. Dezember, soll der Geschäftsführer der Bolheimer Firma dann als Zeuge vor dem Landgericht Landshut aussagen.