Herbrechtingen / Karin Greth Sie sind die Bibris-Bomber. So steht es auf der Homepage des TSV Herbrechtingen. Kreisliga A spielen sie, Fußball aus Leidenschaft, Training zweimal pro Woche. In dieser Woche gab es dazu erstmals ein besonderes Fitnessprogramm: Zumba.

Acht Bibris-Bomber stehen verlegen beisammen und es ist offenkundig, was sie gerade denken: Zumba ist Mädchenzeug, denken sie. Hüften kreisen, mit dem Popo wackeln und solche Sachen. Eine Mischung aus Aerobic und lateinamerikanischen Tänzen. Peinlich!

„Meine Freundin wollte mitkommen und Aufnahmen machen“, sagt ein Vertreter des starken Geschlechts und verdreht die Augen. Aufnahmen machen! Das geht ja gar nicht. Sogar zuschauen hat er ihr verboten.

In Peru in einen Voith-Ingenieur verliebt

Veronica Alva de Pramme hatte die Idee für dieses Schnuppertraining. Man kann ihr schwer etwas ausschlagen. Die Zumba-Trainerin stammt aus Südamerika. Vor zehn Jahren kam sie nach Heidenheim. Sie hatte sich in ihrer Heimatstadt Peru in einen Voith-Ingenieur verliebt, folgte ihm in die Kälte, hütete erst als Au-pair-Mädchen fremde, bald darauf dann eigene Kinder – drei sind es inzwischen.

Von ihrem Mann lernte sie Deutsch, inklusive deutsche Geschichte, Gemeinschaftskunde und Geographie. Dann stellte sie sich dem Staatsbürgerschaftstest. 333 Fragen musste sie beantworten. Schwierige Fragen: Wann welcher Präsident oder Bundeskanzler im Amt war, woher und wohin welcher Fluss fließt. Und Fragen, die sie einfach nur merkwürdig fand und über die sie sich heute noch amüsiert. „Wenn draußen Kürbisse vor der Türe stehen und Kinder mit Laternen marschieren – welche Jahreszeit herrscht dann in Deutschland?“, zitiert Veronica ihre Lieblingsfrage. 300 Fragen mussten richtig beantwortet werden, um den Test zu bestehen. 322 richtige Antworten hatte Veronica.

Tanzen war die große Leidenschaft der jungen Frau damals in Peru. Was allerdings nicht allzu ungewöhnlich ist. „Jeder dort tanzt“, schwärmt die Südamerikanerin. Sogar Fußballspieler. In Deutschland hingegen liegt (optimistisch ausgedrückt) noch viel Tanz-Potenzial brach. Das fiel ihr auf. Und so kam ihr die Idee, sich zur Zumba-Trainerin ausbilden zu lassen.

Schade sei nur, dass in den Kursen fast keine Männer sind, findet Veronica. Dabei sei Zumba auch für Männer eine attraktive Fitness-Möglichkeit. Aber im Staatsbürgerschaftstest ist Veronica offenbar nicht nach der Bedeutung des typisch deutschen Wortes Tanzmuffel gefragt worden.

Schwäbischen Bombern Zumba beibringen

Veronica lacht. Sie lacht sehr viel und sie freut sich tatsächlich darauf, den schwäbischen Bombern nun Zumba beizubringen. „Ich finde es toll, wenn die Jungs Spaß haben“, sagt sie. Ob sie weiß, dass schon zahlreiche Frauengenerationen erbärmlich am Versuch gescheitert, deutsche Männer in leidenschaftliche Tänzer zu verwandeln? Und warum müssen es denn ausgerechnet Fußballspieler sein? Vielleicht wären Bodenturner ein leichterer Einstieg für den Anfang. Aber in der Halle nebenan trainieren Ringer.

Da marschiert die Zumba-Trainerin schon in die Turnhalle, lacht die Männer an und dreht die Musik auf. Die südländischen Rhythmen und Veronicas Strahlen rücken die Halle sofort ein ganzes Stück näher an den Äquator heran. „Pass auf“, ruft sie den Jungs zu und legt los: „Seitlich, Mitte, seitlich, Mitte, eins, zwei, drei, vier, mitmachen“. Ihre Hüfte schwingt nach rechts, nach links, die Arme hoch, der Oberkörper beugt sich zur Seite, nach vorne, die schwarzen Haare fallen wild über ihre Schultern. Atemberaubend sieht das aus.

Und die Jungs passen auf. Sehr sogar. „Salsa nach hinten“, ruft die Trainerin. Salsa? Die Jungs tun so, als wüssten sie, was dieses Kommando für ihre Füße bedeutet. „Rechts hinten, Mitte, links hinten. Mambo!“ Mambo? Egal. Die Fußballer versuchen, die Bewegungen der Trainerin zu imitieren. Doch gleichgültig, was sie auch tun - ihr Zumba erinnert immer irgendwie an Fußball. Außer an den Stellen, an denen sie mit den Hüften schwingen und ihre Schultern schütteln. Dann sieht es nach Flashmob aus. Der guten Stimmung, die inzwischen im Team herrscht, tut das aber keinen Abbruch.

Die Mannschaft bemüht sich

Veronica Alva de Pramme hat eine erstaunlich kraftvolle Stimme, gut zu hören trotz der lauten Musik. Egal, wie sie sich bewegt, sie sieht immer sportlich und attraktiv aus. Zumba - das sprüht bei Veronica vor Leidenschaft, Temperament, Musik, Gefühl und Lebensfreude.

Die Mannschaft bemüht sich und das Fitnesstraining zeigt Wirkung. Rund eine halbe Stunde später sind die Bewegungen weicher, die Gesichter verschwitzt. Dehnungsübungen runden das Programm ab. Am Ende sind sich alle einig: „Es hat Spaß gemacht“, bestätigen sie der Trainerin – und laden sie ein, noch einmal zu kommen.