Herbrechtingen / Günter Trittner Die Herbrechtinger Stadträte verweigern geschlossen dem von Giengen an der A7 geplanten Gewerbegebiet die Zustimmung. Sie sehen darin einen falschen Alleingang der Nachbarstadt.

Die Herbrechtinger Stadträte sind geschlossen gegen den von der Nachbarstadt Giengen geplanten eigenen Industriepark an der A 7. Zwischen Enttäuschung und Empörung schwankte die Stimmung,  als vergangene Woche der Gemeinderat Stellung zum Regionalplan Ostwürttemberg beziehen sollte, in dem das im Endausbau 40 Hektar große Gewerbeareal eingetragen wird.

Keine sachlichen Einwände

Beigeordneter Thomas Diem wies eingangs der Debatte darauf hin, dass es aus Sicht der Verwaltung keine sachlichen Einwendungen gegen das Giengener Ansinnen gebe, aber Diem wusste auch, dass die Stimmung der Stadträte eine andere war. Diese fühlten sich, wie Manfred Strauß, der Sprecher der CDU-Fraktion, formulierte, regelrecht „abgespeist“ von den Giengenern. „Wir müssen dagegen sein“, gab Strauß die Richtung vor. Stadtrat Peter Aufleger sprach gar von einem „schändlichen Verhalten“ der Giengener. Oberbürgermeister Dieter Henle werde nun alle Interessenten für seinen Park abwerben wollen.

Nicht gegenseitig Konkurrenz machen

Strauß war nicht der Einzige, der an die „bisher gemeinsame Geschichte“ beider Städte in Sachen Industriepark erinnerte. Stadtrat Hermann Mader (Freie Wähler) untterstrich, dass man gerade im ländlichen Raum die Gemeinschaft suchen müsse. Man konkurriere ja nicht gegeneinander, sondern gegen Metropolen wie Stuttgart oder Ulm. „Wir brauchen das Miteinander.“ Ob der angepeilte Alleingang der Giengener eine kluge Entscheidung sei, werde erst die Zukunft zeigen.

Noch acht Hektar freie Fläche

Strauß wie Mader wiesen darauf hin, dass selbst nach 20 Jahren der gemeinsame Industriepark immer noch über acht Hektar freie Fläche verfüge. Auch dies war für Strauß ein weiterer Grund, warum es keine Zustimmung zu den neuen Plänen geben könne. Erst müssten diese verkauft sein. Peter Buck (CDU) sah die Zeit für Herbrechtingen gekommen, seine eigenen Interessen zu schützen. Laut Diem verfügt die Stadt nur noch über 39 000 Quadratmeter im Längenfeld.

Anrecht auf Namen

SPD-Stadtrat Thilo Eckermann hielt eine „moralische Entrüstung“ für überflüssig. „Giengen hat den Park gekriegt, dem werden wir uns stellen müssen.“ Was Eckermann den Nachbarn aber nicht zugestehen will, ist die Verwendung des Namens Giengener Industriepark für die neue Fläche. „Das ist zu nah an unserem Begriff Industriepark A 7.“ Für Annette Raubausch (Freie Wähler) war grundsätzlich zu klären, wie die Zusammenarbeit mit Giengen überhaupt noch funktionieren solle. „Die Voraussetzungen dafür sind nicht mehr gegeben.“ Jörg Ehlers (SPD) störte sich daran, dass wertvolles Ackerland für die Gewerbefläche geopfert werde. Giengen plane, als ob es ein seit 30 Jahren wachsendes Umweltbewusstsein gar nicht gebe. „Das ist ein rückwärtiges Denken gegen die Umwelt und gegen Herbrechtingen.“ „So nicht“, assistierte SPD-Fraktionssprecher Walter Fuchslocher.

Mader-Appell: zu neuer Nähe finden

Hermann Mader war dies ein Zuviel an Spaltung. Er riet dazu, einen Koordinierungsausschuss zu gründen, damit Herbrechtingen und Giengen zu einer neuen Nähe finden. „Die Giengener werden sich bei uns melden“, vermutete Diem nach all den Äußerungen.

Beeinflussen können die Herbrechtinger Stadträte den Gang der Entscheidung so gut wie nicht. Denn die Verbandsversammlung der Region hat schon im Juli vergangenen Jahres die Pläne zu einem Giengener Industriepark gutgeheißen. „Die Erweiterung des Gewerbegebietes an der A 7 ist städtebaulich und raumplanerisch sinnvoll.“

Einstimmig aus der Taufe gehoben

Am 24. Oktober 1997 wurde der Zweckverband Industriepark A7 aus der Taufe gehoben. Die Gemeinderäte von Giengen und Herbrechtingen votierten einstimmig für die Erschließung einer 45 Hektar großen Fläche an der Autobahn für ein gemeinsames Gewerbegebiet. Ansiedeln wollte man produzierendes Gewerbe, Dienstleistungen und Industrie. Verfolgt wurde auch eine Idee nach dem Vorbild des Industrieparks Aurach bei Nürnberg. Gedacht war an einen Autohof samt Markthalle, in der eine Art Bauernmarkt eingerichtet werden sollte. Derzeit sind im Industriepark 17 Unternehmen ansässig. Flächenmäßig dominiert die Logistikbranche. gt