Bissingen / Melanie Schiele Dass der Ort sich inzwischen zu einer „kleinen Faschingshochburg“ entwickelt hat, ist dem Sportverein zu verdanken. Dieser scheut auch bei der Umsetzung des diesjährigen Mottos keine Mühe.

Acht Tage lang wird in der Bissinger Mehrweckhalle gesägt, gehämmert und geschmückt. Diese wird sich bis kommenden Samstag, wenn der Sportverein die Faschingssaison einläutet, in die wohl berühmteste Straße des Hamburger Vergnügungs- und Rotlichtviertels verwandeln: die Reeperbahn. „Die Glückseligkeit von St. Pauli soll in Bissingen Einzug halten“, sagt Markus Weidle, Vorsitzender des ausrichtenden Fußballfördervereins SV Bissingen. Mit allem, was dazugehört, wie Neonschilder, Schwarzlicht und Pomp. Außerdem soll eine der insgesamt vier Bars dem berüchtigten Lokal „Zur Ritze“ nachempfunden werden.

„Wir versuchen, jedes Motto so perfekt wie möglich umzusetzen“, so Weidle. Der Aufwand, der hierfür betrieben wird, ist jedes Mal enorm. Bereits im Oktober hat sich das 15-köpfige Faschingsgremium getroffen, um über das Thema abzustimmen. Die Wahl für 2020 fiel auf „Reeperbahn – die rote Meile“. Vergangenes Jahr wurden die Besucher in einen magischen Zauberwald versetzt, davor reisten sie in die Zukunft.

Umfangreiche Bastelarbeiten

Damit die Feiernden in eine andere Welt eintauchen können, sind umfangreiche Bastelarbeiten nötig. Dabei steht das Bühnenbild in der großen Halle im Fokus. Heuer wird ein Etablissement nachgebaut. „Die einzelnen Elemente werden zum Großteil zwischen den Jahren vorbereitet und in der Woche vor der Veranstaltung in einer Art Baukastenprinzip zusammengesetzt“, erklärt der Vorsitzende. Man müsse so viel Zeit einplanen, da alles in Handarbeit entstehe, so Weidle.

Viel Energie wird auch in die Dekoration der Bars gesteckt – Stichwort Kondomautomat. Die Detailverliebtheit der Bissinger macht selbst vor den Toiletten nicht halt. Das stille Örtchen ist ganz und gar nicht still. Es wird entsprechende Musik, zum Beispiel „Reeperbahn“ von Udo Lindenberg, zu hören sein. Sogar das Essen wird dem Motto angepasst. Bestellen kann man Kiez-Burger und Currywurst. „Ein bisschen verrückt sind wir schon“, gibt der Bissinger lachend zu.

Motivierte Einwohner

Und sehr engagiert. An den Aufbautagen sind bis zu 30 ehrenamtliche Helfer dabei, darunter auch gelernte Schreiner. „Die Arbeiten starten gegen 17.30 Uhr und gehen schon mal bis 22.30 Uhr.“ Doch mit dem Auf- und Abbau ist es nicht getan, es müssen auch Schichten unter anderem in der Küche und im Ausschank übernommen werden. „Während des gesamten Faschings helfen etwa 230 Freiwillige. Manche nehmen sich extra Urlaub“, so Weidle und betont, dass dieser Einsatz für einen solch kleinen Ort besonders ist. Den Fasching gebe es in Bissingen nur, weil es so viele motivierte Einwohner habe.

Der ganze Fleiß wird belohnt. In den vergangenen Jahren waren die Eintrittskarten restlos ausverkauft. Um der Nachfrage gerecht zu werden, gibt es mittlerweile vier Veranstaltungen. Zum Haupt-, Kinder- und Ü-30-Fasching ist der Kehraus am Faschingsdienstag hinzugekommen. „Bissingen hat sich zu einer kleinen Faschingshochburg entwickelt“, sagt Markus Weidle stolz.