Herbrechtingen / Elena Kretschmer Aus dem Herbrechtinger Mittelaltermarkt soll ab dem kommenden Jahr ein historischer Markt werden, um damit noch mehr Menschen anzusprechen und das Angebot zu erweitern.

Mäuseroulette, kämpfende Ritter und Fleischlappen – Dinge, die den Herbrechtinger Mittelaltermarkt seit seiner ersten Ausgabe im Jahr 2013 ausgemacht haben. Das werden sie auch weiterhin, allerdings in reduzierter Form. Denn in Zukunft soll der Markt im Klosterareal nicht mehr allein im Zeichen des Mittelalters stehen, sondern geschichtlich erweitert werden. „Wir wollen das Angebot ausdehnen und damit noch mehr Menschen ansprechen“, erklärte Kirstin Bosch vom Fachbereich Schule, Sport und Kultur in der jüngsten Gemeinderatssitzung.

Um dieses Vorhaben schon beim kommenden Termin am 20. und 21. Juni 2020 umsetzen zu können, hat sich eine Interessengemeinschaft zur Weiterentwicklung des Marktes gebildet. Sie setzt sich aus Pfarrer Michael Rau, Gerhard Krämer vom Heimatverein, Stadtrat Peter Koptisch sowie Erika Arnold, Silvia Steinberger-Kohn, Eva Hopfenziz, Ilona Benesch und Hauptorganisatorin Karin Bay zusammen. „Als großer Keltenfan hat sich Pfarrer Rau angeboten, sich um die Präsentation der keltischen Historie zu kümmern und Stände, Workshops, Musik und weitere Programmpunkte zu finden“, erläuterte Bosch.

Buigenmännle und Künstler

Außerdem könnte sich, so Bosch weiter, Gerhard Krämer vom Heimatverein vorstellen, die Sage des Buigenmännleins oder die der Steinernen Jungfrauen als Schauspiel aufzuführen. Nach wie vor blieben die Württemberger Ritter, die Bogenschützen sowie einige Lageristengruppen und mittelalterliche Händler Teil des Marktes. Auch sei angedacht, den Garten der Fachschule in die Konzeption einzubeziehen, um weitere Künstler anzuwerben.

Für die Formation der Interessengemeinschaft gab es großes Lob von Stadtrat Martin Müller, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler: „Das ist eine tolle Sache. Und wenn dadurch eines unserer Aushängeschilder noch attraktiver wird, dann kann man das nur unterstützen.“ Auch sein Fraktionskollege Matthias Sturm war angetan von der Idee, die Ausrichtung des Markts zu überdenken, merkte aber an: „Ich würde mir wünschen, dass sich das Marketing deutlich verbessert, dass die Bürger früher informiert werden und mehr Werbung geschaltet wird.“ Das sei bei jährlichen Kosten zwischen lediglich 2000 und 3000 Euro für die Veranstaltung durchaus noch drin.

Ums Geld ging es auch Peter Gentner (ebenfalls Freie Wähler), der wissen wollte, ob im Zuge der Umgestaltung denn auch die Eintrittspreise angepasst würden. Bosch teilte mit, dass eine Erhöhung nicht angedacht sei und man weiterhin 3,50 Euro für Erwachsene, 1,50 Euro für Kinder und 7 Euro für eine Familienkarte verlangen wolle. Hermann Mader (FW) betonte noch einmal, dass es eine tolle Sache sei, den Markt um Römer, Kelten, Alemannen zu erweitern und dass sich Leute für die Umsetzung gefunden haben. Dass wirklich alle hinter der Umwandlung vom Mittelalter- zum historischen Markt stehen, zeigte sich im einstimmigen Beschluss. Wie genau die Neuausrichtung am Ende aussieht, wird sich zeigen.

Die Legende vom Buigenmännle

Teil des neuen historischen Marktes soll auch ein Schauspiel zur Sage um das Herbrechtinger Buigenmännle werden. Die Legende hat der Heimatverein jüngst aufgezeichnet. Sie handelt von einem kleinen, weißhaarigen und zotteligen Kerl mit Eiszapfen in seinem Rauschebart. Nächtens hatte es einen Hirten auf dem Buigen erschreckt. Ein Kamerad des Jungen, der zum Lager mitgekommen war, konnte das Buigenmännle aber in die Flucht schlagen, das sich dabei unter Wehklagen in eine feurige Kugel verwandelt haben soll. ek