Herbrechtingen / Melanie Schiele Trauerfeiern sind weiterhin möglich. Eine Bestatterin erklärt am Beispiel einer Beerdigung in Herbrechtingen, was sich für die Hinterbliebenen ändert.

Das Telefon im Bestattungsunternehmen von Verena Leibersberger steht derzeit nicht still. Der Grund: Die Hinterbliebenen sind verunsichert und befürchten, dass die Trauerfeiern ihrer Geliebten aufgrund der Coronakrise wie so viele Veranstaltungen abgesagt werden. Doch Verena Leibersberger, die bis zur Trennung von ihrem Mann vor zwei Jahren das gleichnamige Bestattungsunternehmen in Herbrechtingen führte und sich nun mit ihrem eigenen Institut in Schnaitheim selbstständig machte, kann beruhigen: „Trauerfeiern finden statt.“ Wie am Donnerstag in Herbrechtingen. Allerdings musste der Rahmen den geänderten Bedingungen angepasst werden, so die Bestatterin und Trauerbegleiterin. Das trifft auch auf alle künftigen Trauerfeiern zu.

Diese werden nicht in, sondern vor der Aussegnungshalle am jeweiligen Friedhof abgehalten. Dort stellt die zuständige Friedhofsverwaltung Sitzmöglichkeiten für die nächsten Angehörigen sowie die älteren und schwächeren Gäste bereit. „Die weiteren Anwesenden müssen stehen bleiben“, sagt Verena Leibersberger.

Keine Umarmungen

Da die Trauerfeiern ausschließlich im Freien sind, empfiehlt die Bestatterin, sich wettergerecht anzuziehen. Außerdem muss ein Abstand zwischen den Trauernden von 1,5 Metern gewahrt werden, um die Gefahr einer Infizierung mit dem Coronavirus zu reduzieren. „Deshalb sind Beileidsbekundungen in Form von Umarmungen oder Händeschütteln leider tabu.“

Statt den üblichen Kondolenzbüchern werden Briefkästen aufgestellt, in die Gäste ihre Trauerkarten werfen können, um der betroffenen Familie ihre Anteilnahme auszudrücken. „Aus Gründen der Vorsicht sollten Angehörige diese Karten ausschließlich mit Handschuhen öffnen.“

Trauergespräche im kleinen Kreis

Nicht nur der Ablauf der Feiern hat sich geändert, auch die Trauergespräche im Vorfeld. Stirbt eine Person, findet das Gespräch nach wie vor entweder im Privathaus oder im Bestattungsinstitut statt. „Allerdings können maximal zwei bis drei enge Verwandte daran teilnehmen“, erklärt Leibersberger. Die Zahl der Kontakte soll dadurch auf ein Minimum beschränkt werden.

Ganz anders verhält es sich, wenn ein Angehöriger oder der Verstorbene selbst nachweislich am Coronavirus erkrankt ist beziehungsweise war. Dann unterhält sich die Trauerbegleiterin telefonisch oder via Videotelefonie mit den Hinterbliebenen und klärt alle nötigen Details zur Beerdigung ab.

In diesem Fall plädiert Verena Leibersberger dafür, offen mit dem Bestattungsunternehmen zu sprechen. Der betroffenen Familie dürfe eine Infizierung nicht peinlich sein und sie brauche sich auch nicht dafür zu schämen. „Keiner kann etwas dafür, sich mit dem Virus angesteckt zu haben. Doch die Information ist wichtig, um eine weitere Verbreitung zu vermeiden.“

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