Bissingen / Günter Trittner Im Frühjahr 2020 soll mit den umfangreichen Arbeiten an der Leonhardskapelle begonnen werden. Es gibt bereits einige edle Spender, die das 700 000 Euro teure Projekt unterstützen.

Auf gut 700 000 Euro ist die Sanierung der Leonhardskapelle am Ortsrand von Bissingen veranschlagt. Lohnt es sich überhaupt, das 1588 erstmals urkundlich erwähnte Kirchengebäude zu retten? Diese von Dekan Sven van Meegen gestellte Frage war nur rhetorisch gemeint. „Wir müssen es“, meinte er als Pfarrer der katholischen Gemeinde. „Denn sonst verlieren wir unsere Geschichte. Und wenn wir unsere Geschichte verlieren, dann verlieren wir uns selbst.“

Bei diesem Appell im Kirchengebäude hatte van Meegen einige Personen an seiner Seite, die ihrerseits die Sanierung tatkräftig unterstützen wollen. Erich Fürst von Waldburg Zeil hatte als stellvertretender Vorsitzender der Denkmalstiftung Baden-Württemberg einen Scheck über 70 000 Euro dabei, Bürgermeister Daniel Vogt konnte einen Bauzuschuss der Stadt in Höhe von 30 000 Euro zusichern.

Geld aus der Glücksspirale

Geldgeber im Hintergrund war Frank Ackermann, der Geschäftsführer der Toto-Lotto-Regionaldirektion Süd-Ost. Auf Landesebene reicht Toto-Lotto jedes Jahr aus den Spielerlösen 28 Millionen Euro an den Denkmalschutz weiter. Die 70 000 Euro für Bissingen stammen aus Losen der Glücksspirale. „Es ist ein Kleinod“, meinte Ackermann, der bei dem kleinen Empfang die einstige Eremitage mit dem 1770 angebauten hausartigen Anbau zum ersten Mal von innen sah. Beeindruckt war auch der Fürst von Waldburg Zeil. Die Stiftung konzentriere ihre Mittel auf Objekte, die schwierig zu erhalten seien, weil sie keinem direkten Zweck mehr dienten, mit denen aber, wenn sie verfallen, Geschichte verloren gehe. Eins, so der Fürst, setze die Stiftung aber voraus, bevor sie Geld gebe. Das Denkmal dürfe nicht allein, also ohne Interessenten an seinem Bestand, sein. „Und das ist hier der Fall.“

Eindringlich hatte Dekan van Meegen vorab geschildert, wie sich in den vergangenen Jahren viele Bissinger Familien für „onsere Kapell“ engagierten, den Turm der Kirche gesichert und andere Sanierungen vorgenommen hatten. „Nur durch sie konnte die Substanz überhaupt erhalten werden.“

Das Urteil bei der letzten vor vier Jahren abgehaltenen Bauschau war aber dennoch ernüchternd gewesen. Architekt Elmar Weber berichtete der kleinen Runde in der Kirche von substanziellen Schäden im Dach. Vereinfacht gesagt: „Es ist wirklich alles kaputt.“ Damit niemand durch bröckelnde Teile Schaden nehmen kann, ist die Kirche seit Monaten geschlossen. Zur Sicherung wurde zudem innen ein Stützgerüst errichtet.

Weber konnte aber auch berichten, dass im Lauf der Jahre alle kirchlichen und weltlichen Stellen der Sanierung zugestimmt und dafür Geld zugesichert haben. „Die Finanzierung steht.“ Im Frühjahr 2020 will Weber mit den Arbeiten beginnen. Binnen neun Monaten sollen sie abgeschlossen sein.

Saniert wird zu Teilen auch der Anbau. Im Erdgeschoss wird eine Sakristei, ein Technikraum und eine barrierearme Toilette eingebaut. Diese ist für den Dekan mit eine Voraussetzung, dass die Kirche nach der Sanierung wieder zu bestimmten Zeiten auch außerhalb von Gottesdiensten öffentlich zugänglich sein kann. Während der Sommermonate seien die Parkplätze bei der Kirche oft belegt, hat van Meegen bemerkt. Die Spaziergänger sollten die Möglichkeit haben, in der Kirche einen offenen Ort für ein Innehalten zu finden.

Mehr Öffentlichkeit in der Kirche heißt aber auch, dass im Innenraum Bilder und Schmuck inventarisiert und auch gesichert werden. „Es ist wichtig, dieses bedeutsame Bauwerk zu erhalten“, bekräftigte Bürgermeister Vogt. Er sei positiv überrascht, dass bereits im Frühjahr mit der Sanierung begonnen werde.

Viele Helfer in der Not gehabt

Die Leonhardskapelle hat in Bissingen immer Freunde gehabt, die sich um das am Ortsrand stehende Gebäude gekümmert und es mit großem handwerklichen Einsatz instand gehalten haben. Mit der nun anstehenden Sanierung wäre das Ehrenamt überfordert. Zu den Helfern zählen die Familien Hotz, Römer, Dörflinger, Wiedenmann, Cebulla, Kilzer, Kling, Fronk, Frischling, Jehle, Baur, Spänle, Laible, Haller, Bregel, Mack und Klein. gt