Herbrechtingen / Marita Kasischke Gute Musik, gute Texte, gute Stimmung: Das Trio „Hundling“ aus Giesing brachte am Freitagabend lässige Grooves ins Kloster Herbrechtingen.

Beim Stichwort „Bayrische Musik“ ist die Steel Guitar sicher nicht der erste Gedanke. Genau die aber gehört zum Trio „Hundling“, das am Freitagabend einen Hauch von „A bissl was geht immer“ und von „Münchner Geschichten“ ins Kloster Herbrechtingen brachte.

Aber was heißt „a bissl“ und was heißt München! Aus Giesing stammen die drei Musiker, und ihre Musik hat so gar nichts mit bayerischer Folklore oder Brauchtümelei zu tun. „Wir mussten uns die Band sichern, bevor sie zu teuer wird“, so Harald Uherek vom Verein Kultur im Kloster zur Begrüßung der rund 75 Zuhörer. Ausgezeichnet ist die Band obendrein zuhauf: Top 20 der deutschen Liedermacher 2017, Walther-von-der-Vogelweide-Preis 2017, Nominierung für den Förderpreis der Liederbestenliste 2018 – um nur einige der Preise zu nennen.

Steel Guitar und bayerische Texte

Und in der Tat war das Publikum schon nach wenigen Takten überzeugt: Die Steel Guitar lässt Spuren von Nashville aufkommen, das Piano verleiht kosmopolitisches Flair und so interessant wie die Instrumentierung sind auch die Texte, die da in Form von Reggae, Country, Folkrock, Blues oder Liedermachermanier serviert werden.

Sie erzählen von Geschichten, die das Leben schreibt, ganz wurscht, wo es sich nun abspielt. Sie erzählen vom „Brezn-König von Kanada“, von der schönsten Liebeserklärung, die ein Mann seiner Liebsten machen kann, nämlich Kuchen mitzubringen, vom Musik-Business mit all seinen Forderungen, von denen Phil Höcketstaller, Sänger und kreativer Kopf des Trios, irgendwann so die Nase voll hatte, dass er bloß noch „Musi für sei Gspusi“ machen möchte.

Schade wäre es drum, denn das Publikum hatte so viel Freude an diesen lässigen Grooves, denen man die bayerische Heimat so gar nicht anmerkt, und an den Texten, die im schönsten bayerischen Dialekt daherkommen. Und obwohl das Publikum weder Lieder noch Texte kannte, sang es reichlich mit an diesem Abend, unaufgefordert, aus purer Lust und ansteckender Freude, die „Hundling“ da mühelos verbreitete.

Fast keine Coverlieder

Die mitreißenden Rhythmen tun ihr Übriges: Klaus Reichardt an der Steel Guitar und Sebastian Osthold am Piano bereiten mit ihrer Begleitung und mit ihren Soli ein solides Fundament für Phil Höcketstallers Stimme und Texte, und allesamt wandeln sie damit auf den Pfaden von Bob Marley, Peter Tosh, J. J. Cale, Tom Petty. Das sind die Impulsgeber für die Musik, denn gecovert wird nicht bei „Hundling“, sämtliche Lieder stammen aus der eigenen Feder, schön gewürzt mit auch schwarzem Humor, aber auch feinsinnig und mit Tiefgang.

Eine Coverversion gibt es aber doch an diesem Abend: Der „Hintertupfinger Dorfwirt“ ist des Trios Antwort auf „Hotel California“, der irgendwo bei Furth im Wald, und zwar ganz hinterm Wald, psychedelische Drogen wie Schweinsbraten mit Semmelknödeln serviert. Die haben es ganz offensichtlich in sich: Denn schon das Zuhören ließ das Publikum mitschwingen und mitsingen – wie so häufig an diesem Abend, an dem die Schwaben ihre sprichwörtliche Zurückhaltung zugunsten jener Lebensfreude aufgaben, die den bayerischen Nachbarn zu eigen ist. Um es mit dem legendären „Tscharlie“ aus den „Münchner Geschichten“ zu sagen: An diesem Abend war „ois Chicago“, und es ist ganz sicher kein Zufall, dass auch die CD von „Hundling“ diesen Titel trägt und das gleichnamige Lied das Konzert eröffnete.

Wobei „ois Chicago“ ja in der Tscharlie-Sprache einfach nur „alles in Ordnung“ bedeutet. Als Steigerungsform wird mal „ois Herbrechtingen“ vorgeschlagen, wo sich die Band wie mehrfach bekundet „sauwohl“ fühlte. Und das Publikum auch, so wie es aus sich herausging. Und das will was heißen: Für Schwaben gilt ja eher „da muss scho viel komma“ als „a bissl was geht immer“.

Wie geht’s weiter im Kloster?

Der Förderverein Kultur im Kloster Herbrechtingen hat nach dem Trio „Hundling“ am 5. Juli ein Konzert mit Paul Lawall & The Dukes of Rhythm geplant. Neben Paul Lawall (Gitarre) gehören Michael Aures (Schlagzeug), Alex Schultz (Gitarre) und Mike Walter (Bass) zur Band.