Herbrechtingen / Elena Kretschmer Weil Tiere ihr sehr am Herzen liegen, möchte Beate Häring Interessierten die Möglichkeit geben, ihre treuen Gefährten von Diakon Andreas Häußler in Herbrechtingen segnen zu lassen.

Vom Shetlandpony über Schildkröten und Kaninchen bis hin zu Hund, Katze, Maus und Hamster könnte am Sonntag, 15. September, beim ersten Tiersegnungsgottesdienst in Herbrechtingen alles dabei sein. „Wenn es so kommt wie die Leute sagen, wird der Stadtgarten an diesem Tag voller Tiere sein“, ist Organisatorin Beate Häring ermutigt vom bisher erfahrenen Zuspruch. Beim Boule-Platz möchte die Bolheimerin Sitzgelegenheiten aufstellen und einen kleinen Altar für Diakon Andreas Häußler, der den Gottesdienst leiten wird.

„Ich habe sowas vorher noch nie gemacht“, räumt Häußler ein, „aber ich lasse mich darauf ein. Das wird spannend.“ Mit einem in Tiergottesdiensten erfahreneren Pfarrer habe er sich besprochen und sich auch im Internet schlau gemacht, sagt Häußler, „und ansonsten bin ich selber kreativ genug, würde ich sagen“.

Als Grundlage will der Diakon einen Bibeltext nehmen, der Tierhalter anspricht, aber auch alle anderen Gottesdienstbesucher. „Am Ende soll es eine Segnung geben“, so Häußler. „Er wird mit Weihwasser von Tier zu Tier gehen und jedes einzelne mit einem Kreuz segnen, ohne die Tiere dabei anzufassen“, beschreibt Häring die Zeremonie.

Zum Wohl der Tiere

Auf die Idee, einen Tiersegnungsgottesdienst in Herbrechtingen abzuhalten, hat Beate Häring ihre Liebe zu Tieren gebracht. „Ich hatte früher selber Hunde, Katzen, Beos, Hasen, Enten – eigentlich alles, was man sich vorstellen kann“, berichtet sie. Außerdem habe sie sich ihr Leben lang aktiv für den Tierschutz eingesetzt. Insbesondere zum Heidenheimer Tierheim pflegt die 53-Jährige eine intensive Beziehung. „Mit 14 oder 15 hatte ich das erste Mal mit dem Tierheim zu tun. Da ist mir auf dem Schulhof ein Hund zugelaufen“, so Häring. Sie habe das Tier mit Essen versorgt, ihm ihren Schal als Leine umgelegt und, weil ihre Mutter nicht wollte, dass sie den Hund behält, sei sie letztlich mit ihm zur Polizei gegangen. Die brachte beide ins Tierheim, wo Häring fortan täglicher Gast war, um ihren Schützling zu besuchen.

Bildergalerie Gottesdienst für Hunde, Katze und Hamster

„Auch sonst weiß ich die Arbeit des Tierheims sehr zu schätzen“, sagt Häring. Wenn man etwa ins Krankenhaus müsse, kümmere sich das Tierheim um das Haustier, das sonst allein daheim wäre. Als Häring in Ägypten arbeitete, machte sie sich dort für eine bessere Vogelhaltung auf den Märkten stark, in Deutschland zeigte sie einen Mann an, der seinen Hund mit einem Stock misshandelte und rettete ein Reh vor dem Erschießungstod. „Und ich hab das Tierheim schon immer mit Spendenaktionen unterstützt“. So hat Häring zum Beispiel Massagen gegeben zugunsten des Tierheims oder selbst gebackene Hundekekse auf dem Stadtfest in Heidenheim verkauft.

Der Schlüsselmoment war für die Bolheimerin ein Tiersegnungsgottesdienst im Tierheim: „Das war vor 16 Jahren. Das war so berührend, das kann man gar nicht mit einem normalen Gottesdienst vergleichen.“ Dann habe sie sich überlegt, dass der „schöne Herbrechtinger Stadtgarten viel zu wenig genutzt wird“, und sich mit ihrer Idee an Diakon Häußler gewandt. Beide können sich vorstellen, den Tiergottesdienst jährlich zu wiederholen, wenn dieser gut angenommen wird. Essen und Trinken wird es beim Gottesdienst nicht geben, auch keine Musik. „Wir wollen es beim ersten Mal bewusst ganz schlicht halten“, erklärt Häring. Wenn die Resonanz überzeugend sei, wolle sie im kommenden Jahr eine Schippe drauflegen.

Zu der Veranstaltung am Sonntag, 15. September, ab 14 Uhr ist, so Häring, jeder herzlich willkommen – egal, ob mit oder ohne Tier. „Bei Regen fällt der Tiergottesdienst allerdings aus“, so Häring. Dauern wird er in etwa eine Stunde.

Zwei wichtige Vertreter in Sachen Tierschutz

Als Tierschützerin und -liebhaberin wünscht sich Beate Häring, dass Franz von Assisi und Albert Schweitzer in der Predigt erwähnt werden. Der heilige Franziskus beispielsweise erweiterte die christliche Nächstenliebe auf alle Wesen der Natur. Er predigte Tieren, wobei seine „Vogelpredigt“ die bekannteste sein dürfte. Zahlreich sind zudem die Erzählungen, wie er Tiere vor der Schlachtung oder anderen Todesbedrohungen rettete. Albert Schweitzer gehört zu den wichtigsten Denkern der Tierschutzbewegung. Seine Lehre von der Ehrfurcht vor dem Leben schließt den Respekt vor allen Tieren selbstverständlich ein.