Herbrechtingen / Günter Trittner Pfarrerin Gabriele Walcher-Quast verlässt nach gut sieben Jahren Herbrechtingen und wird Landesbauernpfarrerin. Man lässt sie nur ungern ziehen.

Ich werde Herbrechtingen in guter Erinnerung behalten“, versprach Pfarrerin Gabriele Walcher-Quast bei ihrer Verabschiedung am Sonntag im Pfarrgarten. Siebeneinhalb Jahre war Walcher-Quast geschäftsführende Pfarrerin für die evangelischen Christen in der Stadt gewesen, eine Zeit, die nach holprigem Auftakt für sie eine glückliche war. „Die Gemeinde ist mir ans Herz gewachsen.“ Die Visitation im vergangenen Jahr habe ihr in einem besonderen Maß deutlich gemacht, wie die Gemeinde lebt und blüht. „Das nehme ich mit, die Buntheit, die einen belebt.“

Holpriger Start

Walcher-Quast kam aber auch auf die Zeit zu sprechen als sie im Februar 2010 die Nachfolge von Wilfried Scholl angetreten hatte, der bis dato 25 Jahre evangelischer Pfarrer in Herbrechtingen gewesen war. „Ich wollte bewusst niemand verletzen. Wo es passiert ist, da bitte ich um Verzeihung.“ Bürgermeister Dr. Bernd Sipple führte das Fremdeln in der ersten Zeit mehr auf eine hiesige Eigenheit zurück. „Wir Schwaben knuddeln nicht gleich am Gartenzaun. “

Walcher-Quast wird Leiterin der Heimvolkshochschule Hohebuch und Landesbauernpfarrerin. Der Tag des Abschieds war auch einer, ihr die besten Wünsche für die Zukunft auszusprechen. Im Pfarrgarten hatte sich eine ganze Reihe Redner aufgereiht, die, wie es Wolfgang Geiger, der zweite Vorsitzende des Kirchengemeinderats, erläuterte, alle Facetten des seelsorgerischen Wirkens von Walcher-Quast illustrieren sollten. „Sie waren immer authentisch, Sie haben sich nie verbiegen lassen“, wandte sich Bürgermeister Sipple als Vertreter der weltlichen Gemeinde an Walcher-Quast, welcher der scheidenden Pfarrerin auch dieses nachrief: „Wir haben Sie lieb gewonnen.“

Dieter Knolmar wünschte in Vertretung des katholischen Dekans Sven van Meegen alles Gute und viel Erfolg bei ihrer neuen Aufgabe. Als Geschenk hatte er ein Bild des Malerpfarrers Sieger Köder mitgebracht. „Stärker als alle Macht des Bösen ist die Liebe.“

Andreas Häußler rühmte namens des Freundeskreises Asyl das große Engagement der Pfarrerin für die Flüchtlinge: „Sie hat geholfen, sie ist zu den Familien gegangen, hat sie zu den Ämtern begleitet.“ Diese Hilfsbereitschaft von Walcher-Quast als Diakonie-Pfarrerin bestätigte auch Franz Rosenkranz, der Geschäftsführer des Diakonischen Werks. „Sie war ein unglaublich sicherer Fels. Immer wenn ich sie brauchte, was sie da.“ Bärbel Gekeler als Leiterin der Ökumenischen Sozialstation Heidenheimer Land dankte Walcher-Quast, dass sie mitgewirkt habe, neue Strukturen in dieser Organisation zu schaffen. „Sie stehen hinter der Sozialstation und ihren Aufgaben.“

Direktorin Beate Sorg-Pleitner dankte namens der Evangelischen Fachschule für Sozialpädagogik für die „verlässliche und hilfsbereite Nachbarschaft“ und überreichte ein vieldeutiges Fensterleder, welches geeignet sei, klare Sicht zu schaffen, aber als dickes Fell auch helfe, dass nicht alles so persönlich trifft.

Wolfgang Geiger verlas für den Kirchengemeinderat ein Gedicht, das Elmar Ludewig zum Abschied der Pfarrerin verfasst hatte, und Pfarrer Andreas Kammer ging als Vertreter des Distrikts auf die wehen Momente des Abschiednehmens ein. „Ein neuer Aufbruch ist nicht immer einfach.“

„Unterwegs unter Gottes freiem Himmel“ hatte Walcher-Quast als Motto für den Abschied gewählt. Trotz dräuender Wolken hatte man wie geplant die Abschiedsfeier nach dem Gottesdienst im Pfarrgarten abgehalten. Ob nun Gott seinen Schirm über die freie Fläche gehalten hat? Geregnet hat es jedenfalls nicht.