Herbrechtingen / Günter Trittner Schulleiter Dr. Daniel Budka überraschte mit einer neuen Vision für die Schule im Bibris, hinter der alle seine Kollegen stehen.

Was bringt das neue Jahr? Gebracht hat es bereits eine Überraschung. Und zwar für die Kommunalpolitik und dies in Sachen Schulsanierung. Im Namen aller Herbrechtinger Schulleiter plädierte Dr. Daniel Budka für den Neubau eines einzigen Gebäudes, welches das Buigen-Gymnasium, die Bibris-Grund- und Gemeinschaftssschule und die Pistoriusschule aufnehmen soll.

Keine Übergangslösungen erforderlich

Vorgetragen hat der Leiter der Pistoriusschule diese Vision eines „Hauses für alle Schulen“ beim Neujahrsempfang der christlichen Konfessionen und der Stadtverwaltung im Gemeindesaal von St. Bonifatius. Platziert werden sollte laut Budka der Neubau entlang der Brunnenstraße.

Somit würden keine Übergangslösungen erforderlich, da alle Schulen bis zur Fertigstellung der zentralen Schule weiter in Betrieb bleiben könnten.

Neue Variante soll nur 40 Millionen Euro kosten

Bisher ist nach den Planungen des Büros Campus vorgesehen, zwei neue Gebäude zu errichten und das Buigen-Gymnasium zu sanieren. Dieses soll dazu komplett entkernt werden. Budka ging davon aus, dass ein zentrales Gebäude 40 Millionen Euro kosten werde. Die bisherige Variante mit drei Gebäuden ist auf 64 Millionen Euro veranschlagt.

Das Verlegen der Schule an die Brunnenstraße würde laut Budka eine Sichtachse vom Stadtgarten bis ins Eselsburger Tal ermöglichen, da die bestehenden Schulgebäude abgerissen würden. Von den Schülern sei der Fußweg von der neuen Schule zu den Sportstunden und der Mensa in der Bibrishalle gut zu bewältigen.

Jetzt darüber diskutieren

Budka hatte diesen Vorschlag als „Neujahrswunsch“ in die gut besuchte Veranstaltung eingebracht. Er verband dies mit der Bitte, darüber zu diskutieren, „gerne auch kontrovers“. Bei den Schulleitern gebe es eine klare Haltung.

Mit diesem Vorschlag war Budka beim Neujahrsempfang ein Coup gelungen. Bürgermeister Daniel Vogt, der zum ersten Mal bei dieser traditionsreichen Veranstaltung mit ökumenischem Gottesdienst und anschließenden Empfang war, versicherte, dass die Stadt bemüht sei, für die Modernisierung der Schulen im Bibris die beste Lösung zu finden. „Wir machen es uns nicht leicht.“ In der Kommunalpolitik seien die Schulen und die Kinderbetreuung das wichtigste Thema.

Bürgermeister Vogt wohnt jetzt in Bissingen

Bekanntgeben konnte Vogt, dass er und seine Lebenspartnerin inzwischen in Bissingen eine Wohnung gefunden haben. „Wir sind angekommen.“

Sicher war sich Vogt, dass man dieses Jahr viel für die Weiterentwicklung der Stadt tun könne. Ziel sei es, für die gesamte Bevölkerung gute Lebensperspektiven zu schaffen. „Herbrechtingen soll ein guter Ort für alle sein.“ In Sachen Hundesteuer versprach Vogt Aufklärung im Amtsblatt. An die Adresse der Protestierenden gerichtet war sein Satz: „Nur dagegen sein, bringt uns nicht weiter.“

Veränderte Sicht auf die Stadt

Dagegen war auch Wolfgang Geiger einmal gewesen: gegen Herbrechtingen. Beim Neujahrsempfang schilderte der Vorsitzende des evangelischen Kirchengemeinderats, wie er zu einer veränderten Sicht auf die Stadt gekommen sei, in der er seit 70 Jahren lebe, mit der er aber auch gehadert habe, nicht immer zufrieden gewesen sei. Früher habe er sich darauf fokussiert, was in Herbrechtingen fehle, was andere Städte mehr hätten. „Ich habe nicht mehr gesehen was ist.“ Heute aber schaue er bewusst darauf, was die Stadt zu bieten habe. Und das sei jede Menge. Dieses positive Denken erfülle ihn jetzt mit Dankbarkeit.

„Versöhntes Miteinander“

Auch das Zusammenkommen der christlichen Konfessionen und Kirchen in Herbrechtingen ist für Geiger ein Geschehen, das zum Gemeinwohl beitrage. Geiger sprach von einem „versöhnten Miteinander“.

Bei in Aussicht gestellten Kosten von 64,6 Millionen Euro für den Schulbau im Bibris fühlen die Stadträte immer noch einen Kostendruck und suchen nach Auswegen.

Kursschwenk bei Verwaltung und Gemeinderat: Ein kompletter Neubau für alle Schularten ist vom Tisch. Geplant ist, dass das Buigen-Gymnasium saniert wird. Grund- und Gemeinschaftsschule erhalten neue Gebäude. Das macht das Bauen billiger und flexibler.

Zwei Konzeptstudien wurden in der jüngsten Sitzung des Herbrechtinger Gemeinderats vorgestellt. Da beide das Budget sprengen, soll es nun eine dritte geben.

Weg zu einer erneuerten Kirche

Für die katholischen Christen steht am 22 März die Kirchengemeinde- und Pastoralratswahl an. Dieter Knolmar, der zweite Vorsitzende des katholischen Kirchengemeinderats, machte Mut. „Die Kirche braucht Menschen, die sich einbringen, die mitgestalten und Verantwortung übernehmen.“ Freilich, die Wirklichkeit, in der leere Kirchenbänke bei den Gottesdiensten Alltag sind, könnte Anlass zu Pessimismus geben. Gibt es schon eine Gottesfinsternis, fragte Knolmar, oder ist es gar die Kirche, die zwischen Gott und den Menschen steht? Bei der katholischen Kirche sieht Knolmar durchaus das Bemühen, neue Formen zu finden, um die Menschen anzusprechen. „Die Kirche geht heute neue Wege.“ Aber nur in der Gemeinsamkeit lasse sich die Kirche erneuern. gt