Herbrechtingen / hz Zum Leserbrief von Prof. Dr. Jörg Knoblauch über Auswirkungen des Corona-Shutdowns

Eine funktionierende Wirtschaft ist die Grundlage von unserem Wohlstand und eine schwere wirtschaftliche Krise verursacht viel Leid. Kein vernünftiger Mensch wird diesem Zusammenhang widersprechen. Wenn Prof. Dr. Knoblauch nun meint, auf diesen trivialen Sachverhalt nochmals hinweisen zu müssen und dies mit weltweiten Beispielen untermauert, dann soll er das tun.

Es ist deshalb zwar richtig was Prof. Dr. Knoblauch sagt, und doch ist es irrelevant für das Thema, um das es letztlich geht. Es geht darum, die verabsolutierte Stellung der Wirtschaft unserer Gesellschaft kritisch zu hinterfragen. Wenn im Namen der Wirtschaft bestes Ackerland in einen Industriepark umgewandelt wird, wenn im Namen der Wirtschaft saftige Wiesen sich in Parkplätze verwandeln und gesunde Wälder proaktiv abgeholzt werden, um irgendwann dem wirtschaftlichen Wachstum zu dienen, dann läuft etwas schief.

Das alles in einer Selbstverständlichkeit, die bedrückend ist, weil dieses Vorgehen als alternativlos dargestellt wird. Es ist deshalb sehr wohl angebracht, von einer „heiligen Kuh Wirtschaft“, zu sprechen. Der Wunsch, solche „heiligen Kühe“ zu schlachten, hat nichts mit Schadenfreude zu tun, sondern mit einem Gespür für eine notwendige Umkehr von ungebremstem Wachstumswahn.

Dem gläubigen Christen Prof. Dr. Knoblauch dürfte diese Aufforderung zur Umkehr nicht unbekannt sein; die Bibel nennt es Buße, sich „von den bösen Werken zu bekehren“. Es gilt darauf zu achten, dass die Wirtschaft dem Menschen dient und nicht umgekehrt. Lebensqualität ist eben mehr als der Erhalt von wirtschaftlichen Wachstum um jeden Preis. Die Corona-Krise rückt dies deutlicher als in normalen Zeiten, wieder neu ins Bewusstsein. Und als Christ sage ich dazu: Gott sei Dank!

Jörg Ehlers, Herbrechtingen