Herbrechtingen / Günter Trittner Die Technischen Werke Herbrechtingen wollen die regionale Energiewende fordern. Dazu dient die neue Fotovoltaikanlage auf der Bibrishalle. Geschäftsführer Marc Gräßle sieht weitere Ausbaumöglichkeiten.

Die 1090 Module auf dem Dach sind nicht zu sehen. Was sie leisten, wird auf zwei Monitore im Foyer und in der Mensa der neuen Bibrishalle übertragen. 90 Tonnen CO2 haben die Technischen Werke Herbrechtingen seit Januar der Umwelt dank ihrer neuen Fotovoltaikanlage bereits erspart. Diesen Beitrag gegen den Klimawandel möchte Geschäftsführer Marc Gräßle gern noch vertiefen.

Seit Jahresbeginn vertreibt das Versorgungsunternehmen unter der Marke THW-Strom-Regio ökologisch und regional erzeugten Strom. „Die Bürger können Strom vom Dach der Bibrishalle beziehen“, macht Gräßle deutlich, wie eng dabei Region verstanden wird.

Aus zwei Quellen

Auch die zweite Quelle für die Öko-Energie ist nicht weit entfernt: die Wasserkraftanlage an der Mühlstraße. Sie trägt die Grundlast und sorgt dafür, dass rund um die Uhr Energie zur Verfügung steht. Einen Cent Aufpreis zahlt der Kunde pro Kilowattstunde. Gut 300 Haushalte können nach Gräßles Übersicht mit dem Regio-Strom versorgt werden. Exakter lässt sich es nicht fassen, da die Leistung der FV-Anlage abhängig von der Sonneneinstrahlung ist. 300 000 Kilowattstunden Ausbeute sollten es pro Jahr aber schon sein.

Mehrkosten wegen Unterkonstruktion

330 000 Euro haben die TWH in die FV-Anlage investiert. Die zwei Felder nutzen die Dachfläche maximal aus. Freie Räume gibt es nur an zu schattigen Stellen und aus Rücksicht auf die Dachlast. Um das Gewicht der Module weiträumig zu verteilen, wurde eine extra breite Unterkonstruktion gewählt. „Das hat zu Mehrkosten geführt“, erläutert Gräßle. Orientiert sind die beiden Felder in Nord-Süd- und in Ost-West-Richtung, Der Anstellwinkel liegt bei flachen 13 Prozent.

In Sachen Regio-Strom ist für Gräßle mit dem Wasserkraftwerk und der FV-Anlage noch nicht das letzte Wort gesprochen. Erstens hat man noch Ausbaupläne bei den Fotovoltaikanlagen, zum anderen würde man gern bestehende Großanlagen als Dienstleister übernehmen. „Es ist dies die beste Möglichkeit, eine regionale Energiewende voranzutreiben.“

Nachfrage noch verhalten

Eigene Anlagen wollen die TWH auf dem Dach des städtischen Bauhofs und beim Pumpwerk auf dem Wartberg bauen. Beim letzten Objekt soll der Strom den Betrieb der Pumpen übernehmen. Unter den sechs FV-Anlagen der THW ist eine auf einem Mehrfamilienhaus montiert. Hier haben die TWH in der Form eines Contractings die gesamte Energieversorgung des Hauses übernommen. Die Nachfrage nach dem Regio-Strom bezeichnet Gräßle als ausbaubar. In den nächsten Monaten soll das Marketing intensiviert werden.

Die THW – ein kleiner Überblick

Die Technischen Werke datieren ihre Anfänge auf das Jahr 1898, als am Stockbrunnen die  erste öffentliche Wasserversorgung eingerichtet wurde. Vor 90 Jahren entstand hier die heutige Pumpstation.

Seit 2013 sind die Technischen Werke Vollversorger. In diesem Jahr wurde mit dem Stromvertrieb begonnen. Die TWH liefern ihren Kunden zudem Erdgas, Wasser und Fernwärme.

Seit 2008 betreiben sie das Freizeitbad Jurawell in eigener Regie und seit 2004 bewirtschaften sie die Tiefgarage unter dem Buigen-Center. Rund 40 Mitarbeiter sind für die TWH tätig, die Umsatzerlöse liegen derzeit bei 12 Millionen Euro.

Das Trinkwasser-Netz ist 195 Kilometer lang. Rund 4000 Haushalte werden versorgt. Das Netz für die Fernwärme ist 12,8 Kilometer lang und bedient an die 100 Kunden. Das Stromnetz umfasst 255 Kilometer und das Erdgasnetz 140.