Bissingen / Günter Trittner Starke Nachfrage nach Ganztagesbetreuung in Bissingen zwingt Gemeinderat zu raschem Handeln.

Es gibt ein Problem und es gibt eine Lösung. Bei seiner jüngsten Sitzung machte der Gemeinderat Nägel mit Köpfen. Die steigende Nachfrage nach Kita-Plätzen in Bissingen wird dadurch gedeckt, dass für Schüler eine eigene Hortgruppe gegründet wird.

Damit löst man zugleich eine bestehende Betreuungsform auf, die Stadträtin Petra Reiss (Freie Wähler), und selbst Leiterin des Evangelischen Kinderzentrums in Herbrechtingen, als pädagogisch fragwürdig ansah. Denn bisher waren die jüngsten Kinder mit zwei Jahren und die Schüler bis 14 Jahre  gemeinsam in einer Ganztagesgruppe untergebracht. „Ich begrüße es sehr, dass diese Altersmischung nun aufgehoben wird“, meinte Reiss.

Fast alle Schüler im Hort

Grundsätzlich zufrieden war Reiss, wie gut die Kindertagesstätte in Bissingen über die Regelgruppe hinaus besucht wird. Joachim Kuhn, im Rathaus für Schulen und Kindergärten zuständig, bestätigte, dass fast 100 Prozent aller Grundschüler in Bissingen in der Ganztagesbetreuung sind.

Den Anstoß zu dieser Neuregelung gab die stark anwachsende Nachfrage nach Kinderbetreuung in Bissingen. So ging zum Jahresbeginn bereits die Regelgruppe (Kinder ab drei Jahre bis zur Einschulung) personell aufgestockt wieder voll in Betrieb, welche zuletzt nur als halbe Gruppe geführt worden war. Mit ihren 28 Plätzen hat sie aber noch Reserven. Im kommenden Jahr stehen noch zehn freie Plätze zur Verfügung, ab September 2020 noch fünf Plätze.

Zuwachs durch das Neubaugebiet

Die Ganztagesgruppe wäre hingegen 2020 hoffnungslos überfüllt. Bereits für September 2019, dem Start des neuen Kindergartenjahrs, zeichne sich ein Minus von sechs Plätzen ab, im September 2020 würden zwölf Plätze fehlen, rechnete Kuhn vor.

Dabei, so Kuhn, müsse man auch das wachsende Neubaugebiet im Auge behalten. Man könne nicht vorhersehen, welche Folgen dies für die Bevölkerungsentwicklung und für Kindergarten und Ganztagesbetreuung habe.

Laut einstimmigem Beschluss des Gemeinderats wird die Ganztagesgruppe in ihrer bisherigen Größe von 20 Plätzen fortgeführt. Ergänzend wird ein Schülerhort mit ebenfalls 20 Plätzen eingerichtet, der aus heutiger Sicht noch Reserven hat. Kuhn ging von neun freien Plätzen im kommenden Kindergartenjahr aus und von sechs freien Plätzen ab September 2020. Der Schülerhort zieht in das Gebäude der Grundschule ein.

Keine zusätzlichen Sachkosten

Für den Betrieb der neuen Hortgruppe entstehen laut Kuhn keine zusätzlichen Sachkosten. Auch Umbauten seien aus heutiger Sicht nicht zu erwarten. Beim Mobiliar greift man auf das in der Schule vorhandene zurück.

Aber es muss Personal eingestellt werden. Vorgesehen sind zwei Fachkräfte, die sich 1,9 Stellen teilen. Erwartet werden jährliche Personalkosten von rund 110 000 Euro.

Kitas und Horte im Stadtgebiet

Im Stadtgebiet von Herbrechtingen gibt es zehn Kindertagesstätten. Davon sind sieben in Herbrechtingen, zwei in Bolheim und eine in Bissingen. Fünf dieser Kitas werden von der evangelischen Kirchengemeinde betrieben, zwei von der katholischen Kirchengemeinde. Eine Kita betreibt die Evangelische Fachschule für Sozialpädagogik, die Bissinger Kita leitet die Stadt und der Waldkindergarten wird vom Verein Maienkäfer getragen.

Für Schulkinder bis zum Alter von 14 Jahren gibt es fünf Horte: im Roten Haus am Bibrisschulzentrum, an der Wartbergschule, im Evangelischen Kinderzentrum, an der Buchfeldschule und in Bissingen.

Der Zuschussbedarf der Stadt für alle Einrichtungen liegt bei 3,7 Millionen Euro.