Über die künftigen Generationen wird in politischen Debatten oft gesprochen, im Herbrechtinger Stadtentwicklungsprozess haben die jungen Menschen aus der Kernstadt und den Teilorten dagegen breiten Raum für die Beteiligung erhalten. Im Rahmen der Bürgerversammlung in der Bibrishalle wurden am vergangenen Dienstag auch die Ergebnisse dieser Jugendbeteiligung vorgestellt. Ganz zentral: Viele Teenager halten sich zwar gerne in Herbrechtingen auf, manche Orte gefallen ihnen aber gar nicht.

Beteiligt haben sich rund 100 Jugendliche zwischen zwölf und 17 Jahren, die zu diesem Zeitpunkt in die Klassen 7 bis 10 des Buigen-Gymnasiums und der Bibrisschule gingen.

Der Herbrechtinger Stadtgarten ist ein Lieblingsort

Als Lieblingsorte nannten die Befragten etwa den Stadtgarten, das Bibrissportzentrum, den Bereich um den Stockbrunnen oder auch den Bahnhof. Auch die Wälder rund um die Stadt oder das Eselsburger Tal sind den Ergebnissen zufolge attraktive Orte für jungen Herbrechtingerinnen und Herbrechtinger.

Das bedeutet allerdings nicht, dass sie all diese Orte auch gleich behaglich finden. Oberster Kritikpunkt ist der Bahnhof. Das Umfeld sei wenig ansprechend, Jugendliche berichteten von Obdachlosen oder Menschen, die dort Drogen verkauften oder konsumierten. Auch die Unterführung beim Stadtpark erscheint manchen Jugendlichen als regelrecht unheimlich. Dieser Ort ist laut Silke Mittnacht vom Stuttgarter Stadtplanungsbüro Reschl aber auch ein Beispiel dafür, wie mit relativ geringen Mitteln Verbesserung erzielt werden könnte.

Eine Rutsche fürs Jurawell?

Im Jurawell wünschten sich die Befragten ein Außenbecken und mehr Angebote wie etwa eine Rutsche. Unter den Wünschen der Jugendlichen fand sich aber auch „eine Polizeistelle, die nicht um 17 Uhr zumacht“.

Das Jugendhaus tauchte bei den Lieblingsorten der Jugendlichen nicht auf. Kritikpunkte waren ein fehlender Außenbereich und die mangelnde Internetversorgung. Gewünscht wurden erweiterte Öffnungszeiten für das Jugendhaus, vor allem am Wochenende, und eine ansprechendere Außengestaltung. „Es sieht immer aus, als wäre keiner da“, notierte jemand in der Jugendbeteiligung.

Um die Akzeptanz zu verbessern, regten die Schülerinnen und Schüler an, im Jugendhaus mehr künstlerische Aktivitäten anzubieten und mehr Möglichkeiten für Mädchen zu schaffen. Mehrere Teilnehmende bekundeten, noch nie im Jugendhaus gewesen zu sein, weil das Angebot sie nicht anspreche. Das Jungendhaus als solches wurde allerdings nicht in Frage gestellt.

Mehr Beteiligung an politischen Prozessen

Deutlich wurde in den vorgestellten Ergebnissen auch, dass sich junge Menschen rund um den Buigen gerne öfter in die politischen Prozesse der Stadt einbringen würden. Das Jugend-Hearing, das bereits zum Skatepark Vohenstein stattgefunden hat, hat den Jugendlichen gefallen, sie können sich aber auch einen Jugendgemeinderat oder regelmäßige Infoveranstaltungen zu aktuellen Jugendthemen vorstellen. Sie erhoffen sich außerdem mehr Informationen zu Ferienjobangeboten oder Möglichkeiten der Berufsausbildung.

Ganz ähnlich wie die älteren Bürgerinnen und Bürger wünschen sich die Jugendlichen quasi einen Neustart für das Buigen-Center. Genannt wurden Markenläden ebenso wie Fastfood-Geschäfte oder generell günstige Angebote fürs Mittagessen. Aber auch einen Club, ein Kino oder andere Freizeitangebote würden sie im Buigen-Center begrüßen. Den Rathausplatz davor finden etliche der Befragten farblos, sie schlugen eine Graffiti-Wand ebenso vor wie mehr Grün oder einen neuen Anstrich fürs Rathaus.