Herbrechtingen / Günter Trittner Der Verein Akrites feierte sein 30-jähriges Bestehen. Die Wahrung der Tradition und die Integration geht bei den Pontos-Griechen Hand in Hand. Bürgermeister Vogt sprach von einer Bereicherung für die Stadt.

Sie haben eine Heimat im Herzen und sie haben eine Heimat, dort wo sie leben. Die eine ist der frühere griechischen Streifen an der südlichen Schwarzmeerküste, die andere ist Herbrechtingen. Die Erinnerung an die Herkunft und Gegenwart im Schwabenland verbinden die Griechen aus Pontos mit ihren traditionellen Tänzen.

Diese waren denn auch ein Höhepunkt der Feiern zum 30-jährigen Bestehen des Vereins Akrites, in dem sie sich organisiert haben. Die neue Bibrishalle am Festtag und das Vereinsheim im Vohenstein am Tag der offenen Tür waren am Wochenende Orte der Freude und des Stolzes auf beide Heimaten. „Sie bereichern unsere Stadt“, rief Bürgermeister Daniel Vogt der Festversammlung zu, der Verein sei aus dem kulturellen Leben der Stadt nicht mehr wegzudenken.

Mit um die 800 Personen ist die griechische Gemeinde in Herbrechtingen die größte im ganzen Landkreis, der Verein Akrites aus Sicht von Vogt der aktivste. Das Vereinsheim hat man vor 15 Jahren mit eigenen Händen gebaut. „Sie erfahren als Verein hohe Achtung und Anerkennung“, meinte Vogt. Dem guten Teamgeist sei es wohl auch geschuldet, dass der Verein von ehedem 30 Mitglieder auf 140 gewachsen sei, davon 40 Tänzer. Der Verein gebe ein Beispiel dafür, wie es gelinge, die Tradition zu wahren und sich in ein neues Umfeld zu integrieren.

Der von Isaak Sidripoulos geführte Verein sei zu einer Familie geworden, bestätigte Vorstandsmitglied Nondas Kalpakidis, der mit durch das Programm führte. Für das Jubiläum war eigens noch ein Walk of History beim Vereinsheim gestaltet worden, der die Geschichte der Pontos-Griechen widerspiegelt. Am 7. Dezember wollen die Griechen hier zudem eine öffentliche Bibliothek mit Leihverkehr und einem Arbeitsplatz einweihen. Über 1000 Bücher hat der Verein dafür gesammelt.

Für viel Schmunzeln sorgte bei der Festversammlung eine eingespielte Mini-Doku über den Verein, die ihren Ausgang im Eselsburger Tal bei den Steinernen Jungfrauen hat. Auch hier, versicherte Kalpakidis, verspürten die Pontos-Griechen Heimatgefühle.

Der pontische Tanz zur von der gestrichenen Lyra bestimmten Musik ist der Mittelpunkt des Vereinslebens. „Darüber ist der Verein gewachsen“, so Kalpakidis. Jung und Alt formierten sich im offenen Kreistanz, alle sozialen Schichten fänden hier zueinander. In einem weiteren Video sagten die Tänzer, was sie beim Tanz spüren. Er ist körperliche Erfahrung, Freude, Lebensgefühl, historische Wurzel, Philosophie und sogar Glückseligkeit. „Die Türen im Vereinsheim“, so Kalpakidis, „stehen für jedermann offen.“

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