Herbrechtingen / Elena Kretschmer Seit Oktober gibt die gebürtige Australierin an der Musikschule Herbrechtingen acht Kindern Schlagzeug- Unterricht. Das macht die 31-Jährige zweisprachig.

Zuerst auf die Oberschenkel patschen, danach auf dem Bauch trommeln. „Wie können wir denn noch mit unserem Körper Musik machen?“, fragt Percussion-Lehrerin Anna Zeltzer mit leichtem englischen Akzent in die Runde. Bei drei ihrer sieben Schüler (die zwischen sieben und acht Jahre alt sind) schnellt sofort der Arm in die Höhe. „Schnipsen“, sagt Elias. „Schnalzen“, schlägt Laura vor. „Was ist denn schnalzen?“, erkundigt sich ihre Lehrerin. Laura macht es vor und erzeugt durch eine rasche Bewegung mit ihrer Zunge einen kurzen, knallenden Laut. „Aaah, jetzt weiß ich das auch“, sagt die 31-Jährige schmunzelnd. Also: zweimal patschen, dreimal auf den Bauch trommeln, einmal schnipsen, zweimal schnalzen. Die Schlagzeuglehrerin macht es vor, die Kinder machen es nach.

Anna Zeltzer ist gebürtige Australierin, hat Musik studiert, genauer gesagt an der University of Sydney ihren Bachelor gemacht und an der Hochschule für Musik in Würzburg sowie an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Mannheim noch zwei Master draufgesetzt. Außerdem ist sie schon jahrelang als freischaffende Musikerin tätig und lebt seit 2011 in Deutschland.

Ein lange gereifter Gedanke

Die Idee, Kinder musikalisch und bilingual zu unterrichten, geisterte schon länger in ihrem Kopf herum: „Ich bin Musikerin und habe lange Englisch unterrichtet. Es gibt so viele Parallelen zwischen dem Sprachenlernen und dem Musizierenlernen, da liegt es doch nah, beides miteinander zu verbinden.“

Ihr Vorhaben schlug sie auch ihrer Chefin an der Musikschule Herbrechtingen vor, doch die bat sie zunächst um Geduld. Erst als die Mutter eines ihrer Schüler auf Zeltzer zukam und fragte, ob sie ihrem Kind nicht Englisch-Nachhilfe geben könnte, war der richtige Zeitpunkt gekommen. Sie schilderte der Mama und den anderen Eltern ihren Gedanken, künftig zweisprachigen Trommel-Unterricht zu geben. „Alle fanden das gut und dann haben wir's so langsam nebenbei eingebracht. Wir haben uns aber geeinigt, dass die Musik die Hauptsache sein soll“, erläutert Zeltzer.

Für den englischsprachigen Teil ist übrigens Mister Mouse zuständig: eine kleine Stoffmaus in grüner Uniform mit einer gelb-roten Trommel. Spielerisch setzt Zeltzer das Tierchen gleich zu Beginn der Stunde ein. „Sind denn heute alle da?“, will sie wissen. „Nein“, lautet die Antwort der Kinder, denn eines von ihnen ist krank. „Und wer fehlt noch?“ Stille. Zeltzer zieht Mister Mouse aus ihrer Tasche. Und weil Mister Mouse nur Englisch kann, geht es auch auf Englisch weiter. „Mister Mouse is happy to see you“, sagt sie. Dann geht sie reihum und fragt: „Who is Marvin?“ Sie zeigt auf eines der Kinder, die anderen erwidern: „No!“ Zeltzer läuft weiter. „Is this Marvin?“ „Yes!“ Das macht sie, bis Mister Mouse alle erkannt hat.

Zeltzers Konzept ist simpel: „Es geht um musikalische Früherziehung, aber auch darum, ein Instrument richtig zu lernen, also um die Grundkonzepte der Musik, die Kontrolle über laut und leise, darum, Musik zu machen und zu erleben und eine Verbindung zwischen Hören und Tun aufzubauen.“ Und das in Verbindung mit Sprache ist für sie „das Geilste überhaupt“, freut sie sich.

Für jede Stunde hat sie einen groben Plan, den sie aber immer offen lässt: „Ich bin sehr flexibel. Wenn es plötzlich draußen schneit, machen wir auch mal spontan was zum Thema Schnee.“ Aber es wird stets 45 Minuten lang geübt: Schlagzeug, Bongos, Vibraphon, Pauken, Rasseln. Sämtliche Instrumente stehen ihr im Pavillon der Wartbergschule zur Verfügung.

Farben üben

An die verteilen sich jetzt auch die Kinder. „Keine Angst, wir wechseln durch“, sagt Zeltzer gleich zu Beginn. Dann dirigiert sie. Das haben die Kinder schon gelernt. Mit freudestrahlenden Gesichtern trommeln sie herum, versuchen, auf die Zeichen ihrer Lehrerin zu achten. Es gelingt nicht immer, aber wenn, dann gibt es ein Lob. Schließlich kommt noch einmal Mister Mouse zum Einsatz. Er hat Zeltzer ins Ohr geflüstert, dass er Farben lernen möchte, also teilt Zeltzer jedem Instrument eine Farbe zu: „Bon-gos blue. Pau-ken pink. Ras-seln red. Schlag-zeug green.“ Im Takt geht es reihum, bis alles sitzt.

Von Sydney nach Herbrechtingen

2011 kam Anna Zeltzer wegen ihres Studiums aus ihrer australischen Heimatstadt Sydney nach Deutschland. „Ich hatte noch nicht genug gelernt und wollte meine Fähigkeiten erweitern“, sagt sie. Doch wo? „Ich wusste, ich will ins Ausland, aber Deutschland war nicht der Plan. Hier bin ich hängen geblieben.“

Einmal im Jahr fliegt die 31-Jährige zurück nach Sydney. Ansonsten lebt sie seit zwei Jahren zusammen mit ihrem Mann in Ulm. Der ist übrigens auch Australier und als Solo-Posaunist fest am Theater in Ulm beschäftigt, wo Anna Zeltzer auch immer wieder aushilft, wenn mal wieder Verstärkung fürs Schlagzeug gebraucht wird.

Neben dem Unterricht an der Musikschule Herbrechtingen ist Zeltzer auch für den Musikverein Blaustein/Herrlingen tätig, leitet eine Schulband und ein Jugendblasorchester.