Wolfgang Reimer versteht etwas von Landwirtschaft. Der Präsident des Regierungspräsidiums Stuttgart ist diplomierter Agrar-Ingenieur und hat 1985 einen Hof in Gaildorf-Reippersberg übernommen. Aufgrund der beruflichen Beanspruchung von Reimer wird dieser derzeit wesentlich von seiner Ehefrau betrieben: nach Bioland-Regeln. Insofern sind Komplimente, die Reimer Landwirten ausstellt, mehr als nur Höflichkeiten eines Gastes.

40-minütiger Rundgang

Als Gast war der Regierungspräsident am Ende eines langen Arbeitstags im Landkreis Heidenheim zum neuen Hofladen und zum landwirtschaftlichen Betrieb der Hofgemeinschaft Biotal nach Eselsburg gekommen. „Echt toll“, diese beiden Worte hoher Anerkennung waren beim 40-minütigen Rundgang mehrfach zu hören.

Seit 1987 ein Biobetrieb

Sie galten den Anstrengungen der Hofgemeinschaft, die seit 1987 nach den biologischen Anbaumethoden und den Vorgaben zur Tierhaltung von Bioland wirtschaftet und sie galten im besonderen dem weithin einmaligen Hofladen, den die Hofgemeinschaft in fünf Jahren Bauzeit mit eigenen Kräften und örtlich vorhandenen Rohstoffen erstellt hat.

Einzigartig und klimaneutral Das Strohhaus in Eselsburg ist fertig

Herbrechtingen

Ein Beispiel an Nachhaltigkeit und auch in seinem Warensortiment ein „Hofladen de luxe“, wie Reimer bemerkte. Ein „Vorzeigebetrieb“, so Landrat Peter Polta.

Café und Laden ergänzen sich

5000 Besucher waren vor einem Jahr am Eröffnungswochenende des Hofladens gekommen. Und an Kunden und Gästen im Laden und im angeschlossenen Café fehlt es auch heute nicht. Christoph Bosch, einer aus der jüngeren Generation der Hofgemeinschaft, hat die Beobachtung gemacht, dass gerade das Café Besucher in den Laden führt, die sonst nicht in ein Biogeschäft gegangen wären.

Trend geht zu Bio – besonders in Herbrechtingen

Aber auch sonst ist Bosch, der auch Mitglied des Kreistags ist, überzeugt, dass der Trend zu Bio geht. Selbst Landwirte, die eine Umstellung ihrer Höfe immer abgelehnt hätten, dächten jetzt um. Die Akteure der Biomuster-Region, dieses Ausbauprogramms für die ökologische Landwirtschaft, das jetzt für den Landkreis verlängert wurde, werden sich jedenfalls weiter für dieses Ziel einsetzen. Johanna Böll, deren Sprecherin wusste die Zahlen: Zwölf Prozent der Höfe im Landkreis werden derzeit nach Bio-Vorgaben betrieben, in Herbrechtingen sind es
22 Prozent.

Hohe Lebensqualität im Kreis

„Hier lässt es sich herrlich leben“, dieses Wort von Reimer galt nicht nur dem Eselsburger Tal, es war auf den Landkreis gemünzt. Noch vor Jahr und Tag hatte die Brenzregion vor allem mit schlechten Sozialdaten von sich reden gemacht, man fühlte sich sogar als rote Laterne unter den Landkreisen. Heute lautet die Bewertung zumindest bei Wolfgang Reimer: „Klein, aber oho.“ Wobei der Regierungspräsident betont haben will, dass generell im gesamten Bundesland der ländliche Raum gut an die Zentren angebunden sei. „Bei uns ist niemand abgehängt.“