Bis Herbst vergangenen Jahres habe es noch so ausgesehen, als würde 2021 ein sehr gutes Jahr für die Technischen Werke Herbrechtingen werden, so Marc Gräßle, der kaufmännische Geschäftsführer der TWH, bei der Vorstellung des Geschäftsberichtes im Gemeinderat. Dann hätten vor allem die stark steigenden Energiepreise einen Strich durch die Rechnung gemacht, sodass er nun „keinen besonders guten Jahresabschluss“ präsentieren könne. Nichtsdestotrotz kann die TWH einen Gewinnanteil in Höhe von rund 280.000 Euro an die Stadt Herbrechtingen überweisen, die 50 Prozent am Unternehmen hält. Die andere Hälfte gehört den Stadtwerken Ulm. Stadt und TWH sind aus den Vorjahren nun mal andere Zahlen gewohnt. 2020 war diese fast doppelt so hoch mit 563.000 Euro. Einen niedrigeren Gewinnanteil gab es zuletzt im Jahr 2000, als dieser bei 155.000 Euro lag.

Der Grund: Bisher wurde in den sogenannten Versorgungssparten Erdgas, Strom, Trinkwasser, Fernwärme, Telekommunikation und Servicegeschäfte insgesamt meist so gut gewirtschaftet, dass die regelmäßigen Verluste in den sogenannten Stadtsparten Wasserkraftanlage, Rathausgarage und Freizeitbad Jurawell auch aufgrund der steuerlichen Ersparnis mehr als kompensiert wurden. 2021 war diese Strategie nicht mehr so erfolgreich.

Höchster Gasabsatz seit zehn Jahren

Zwar gelang es in einigen Geschäftsbereichen der Versorgung wie beim Strom, Wasser und Fernwärme ein besseres Ergebnis zu erzielen, in anderen Bereichen blieb man jedoch weit hinter den anfänglichen Erwartungen zurück. Etwa beim Gas. Obwohl der Erdgasabsatz mit über 125 Gigawattstunden der höchste gewesen sei seit Gräßle zurückblicken könne – er ist seit 2012 auf diesem Posten – habe die bereits erwähnte Preisentwicklung an den Märkten den Gewinn gedämpft. Gleichzeitig stieg der Verlust in anderen Sparten etwa beim Freizeitbad auf 711.000 Euro. Das Jurawell war wegen der Corona-Pandemie bis 30. Juli 2021 geschlossen. Bis Jahresende zählte man 5258 Sauna- und 23.185 Badegäste, damit kamen 2066 beziehungsweise 6028 Gäste weniger als 2020 in die Sauna- beziehungsweise in die Badelandschaft.

Jahresfehlbetrag: 269.000 Euro

Unterm Strich der Gewinn- und Verlustrechnung steht ein Minus von etwa 269.000 Euro. Im Vorjahr waren es noch 83.000 Euro.

„Sie sind nicht sonderlich zufrieden mit dem Ergebnis, wir sind es auch nicht“, so Hermann Mader (Freie Wähler) an Gräßle gewandt. Der Stadtrat sieht die TWH dennoch gut gerüstet – mit einem stolzen Eigenkapital in Höhe von etwa 15,7 Millionen Euro, „von dem manches privatwirtschaftliche Unternehmen träumen würde“. Er bezeichnete die Versorgungssparte Erdgas als das „Paradepferd“, das trotz der Umstände einen Gewinn von fast 620.000 Euro erwirtschaften konnte, Sorge würde ihm jedoch das Jurawell bereiten. Mader wollte wissen, was in beiden Sparten zu erwarten sei.

Beim Gas sieht der kaufmännische Geschäftsführer die TWH momentan noch gut aufgestellt. „Weil wir nicht heute für morgen einkaufen, sondern weil wir vorausschauend eindecken.“ Im Jahr 2020, als der Börsenpreis noch deutlich niedriger war, habe man große Mengen für 2023 und 2024 gesichert. Dennoch komme man nicht umhin, die gestiegenen Beschaffungspreise an die Kunden weiterzugeben. Allerdings sei die TWH im Vergleich zur Konkurrenz relativ günstig.

In 2022 habe sich der Preisanstieg extrem fortgesetzt. „Wir sprechen von einer Verfünf- bis Verachtfachung der Preise sowohl beim Gas als auch beim Strom.“

Fernwärmenetz als Alternative zum Gas

Für die TWH bedeute dies, noch schneller Geschäftsmodelle entwickeln zu müssen, um Alternativen zum Erdgas bieten zu können. Gräßle sieht eine wichtige Rolle dem Fernwärmenetz zukommen, vor allem in den Bestandsgebieten, wo man nicht wie in den Neubaugebieten so einfach auf Wärmepumpen setzen könne. Derzeit treibt die Stadtverwaltung gemeinsam mit der TWH die Planung des Fernwärmenetzes voran.

Auch beim Jurawell fällt dem Geschäftsführer der Ausblick schwer: In diesem Jahr gab es zwar schon ab April keine coronabedingten Einschränkungen mehr, doch die Zurückhaltung der Besucherinnen und Besucher ist laut Gräßle noch immer spürbar. Hinzukommt das oft schöne Wetter, das die Leute nicht unbedingt ins Hallenbad oder in die Sauna treibe. Noch völlig unklar sei, ob aus Gründen der Versorgungssicherheit der Bevölkerung die Schließung der Bäder angeordnet werde. „Bis dahin machen wir uns Gedanken, wie wir zum Energiesparen beitragen können. Wir können uns vorstellen, ab Herbst die Wassertemperatur ein bis maximal zwei Grad zu senken.“ Die TWH wolle das Jurawell möglichst lange offenhalten, weil es eben kein reines Spaßbad sei, sondern einen öffentlichen Auftrag erfülle, indem es Schwimmunterricht und -kurse ermögliche. Wegen Corona gebe es bereits einen großen Lernrückstand.

Gewinn für die Stadt


Die Stadt Herbrechtingen hat einen Anteil von 50 Prozent an den Technischen Werken Herbrechtingen. Die andere Hälfte gehört den Stadtwerken Ulm. Die Gewinnermittlung für die Stadt Herbrechtingen ist komplex, da sie eigene Sparten im Unternehmen hat, deren Verluste sie selbst decken muss. Auf der positiven Seite stehen die Konzessionsabgabe aus den Versorgungsleistungen der TWH und Steuerersparnisse.