Ritter kämpfen, beim Schmied glüht das Eisen, Papierschöpferinnen stapeln feuchte Lagen, Trommler und Dudelsackpfeifer spielen auf, fein herausgeputzte Tänzerinnen und Tänzer drehen sich in der Mitte des Klostergartens und nebenan köchelt über offenem Feuer in großen Töpfen das Gulasch: Die Premiere des historischen Marktes im Herbrechtinger Kloster konnte sich durchaus sehen lassen.

Konkurrenz der Märkte

Seinen Ursprung hatte das diesjährige Marktgeschehen im Mittelaltermarkt. Bei der Ausrichtung des allerersten Marktes vor 15 Jahren sei die Stadt mit einem Leitgedanken Mittelalter eigentlich schon fast zu spät dran gewesen, erläutert Karin Bay, welche bei der Stadtverwaltung für die Märkte zuständig ist. Konkurrenzveranstaltungen seien damals wie Pilze aus dem Boden geschossen. „Aber wir haben es dann trotzdem gewagt“, erzählt Bay. Denn, „dieses Kloster muss man einfach nutzen, es ist eine so eine schöne Location.“

Der von einer Mauer eingefriedete Klostergarten war denn auch von Besuchern und Schaustellern sehr gut angenommen worden. Recht schnell wurde aus der ursprünglichen Eintages- eine Wochenendveranstaltung. Nach der Pandemie-Zwangspause konnte man nun quasi nahtlos an die Vor-Corona-Zeit anknüpfen. „Die Leute haben alle drauf gewartet, zum Teil haben sie sich sogar selbst gemeldet: Ist wieder etwas, geht was?“, berichtet Karin Bay.

Ohne Kelten und Buigen-Männle

Leider mussten aber einige der geplante Neuerungen, die aus dem Mittelaltermarkt tatsächlich eine epochenübergreifendes Spektakel gemacht hätten, entfallen. Das galt einerseits für die von Pfarrer Michael Rau angedachte Präsentation keltischer Geschichte als auch für das Schauspiel auf Basis der Sage rund um das Herbrechtinger Buigenmännle oder die Hexenverbrennung.

Aber es gab auch so genug zu sehen und zu erleben, insbesondere für Kinder war die Veranstaltung wohl eine spannende und erlebnisreiche Erfahrung. Es gab die Möglichkeit zum Bogen- oder Armbrustschießen, man konnte selber einmal ausprobieren, wie die Herstellung von Papier früher funktionierte, auf einem Esel das aufgebaute Zeltlager umrunden oder den schwer gepanzerten Ritter bei ihren schweißtreibenden Kämpfen zuschauen.

Die Tanzgruppe „Hilares Saltatores“ bot einen Workshop an, bei dem die Besucherinnen und Besucher einen historischen Tanz erlernen konnten.

Am Ende alle zufrieden

Karin Bay war zum Abschluss trotz einiger Absagen zufrieden. „Es war ein sehr schöner Markt. Wir waren eine gute Truppe, wir haben alle ganz gut zusammen gepasst. Das hat sich dann auch auf die Besucherinnen und Besucher übertragen.“ Wenn es nach Bay geht, dann wird der historische Markt Herbrechtingen im nächsten Jahr eine Fortsetzung erfahren. Dann sollen unbedingt weitere Attraktionen geboten werden. „Ich versuche schon, dass ich die Kelten noch bekomme, weil mich das selber reizt“, so Bay.

60 Kilometer Radius

Etwa 1.200 Besucherinnen und Besucher kamen zum historischen Markt beim Herbrechtinger Kloster. Etwa die Hälfte waren nach Schätzung von Marktveranstalterin Karin Bay auswärtige Gäste. Das Einzugsgebiet der Veranstaltung hat einen Radius von ungefähr 50 bis 60 Kilometern. Die Konzepterweiterung der Veranstaltung geht auf eine Initiative der Stadt Herbrechtingen aus dem Jahr 2019 zurück: Um bei der Planung und Gestaltung der verschiedenen Marktattraktionen variabler sein zu können, hatte man damals beschlossen, sich nicht nur auf die Epoche des Mittelalters festlegen zu wollen. Das Budget für den historischen Markt liegt zwischen 4.000 und 5.000 Euro.