Herbrechtingen / Günter Trittner Ein richtiger Wohnmobilparkplatz? Der könnte Herbrechtingen gut zu Gesicht stehen, meint Beigeordneter Thomas Diem. Pläne gibt es aber nicht.

Wer in die Internet-Portale der Wohnmobilisten schaut, wird schnell bemerken, dass Herbrechtingen in diesen keine unbekannte Größe ist. Vor allem das Naturschutzgebiet Eselsburger Tal lockt. Entsprechend wird auch der Parkplatz über Eselsburg an der alten B 19 als „herrlicher Platz“ beworben, der sich auch zum Übernachten eigne. Die Plattform mein.womo.net weiß von fünf Wohnmobilplätzen dort.

Gleich zehn Parkplätze für Wohnmobile macht die Plattform Camperado auf dem Festplatz am Baumschulenweg aus, dem zweiten Hot Spot für die Wohnmobil-Touristen in Herbrechtingen und ebenfalls am Eingang des Eselsburger Tals gelegen. Gis24-Net weist seine Leser freilich darauf hin, dass ab 7 Uhr morgen mit regem Verkehr auf dem Parkplatz gerechnet werden müsse. Dafür liege dieser unmittelbar an einem Hallenbad mit schöner Sauna.

Nun ist zwar an besagten Orten städtischerseits kein einziger Platz für Wohnmobile reserviert, andererseits ist in Deutschland das einmalige Übernachten auf öffentlichen Straßen im Wohnmobil und Caravan rechtlich grundsätzlich erlaubt, wenn es nicht ausdrücklich verboten ist. Nur wer länger sein rollendes Heim abstellen und darin übernachten möchte, bräuchte eine Genehmigung für diese Sondernutzung. Auch wenn campingähnliches Leben stattfindet, Stühle und Tische aufgestellt oder ein Vorzelt aufgebaut wird, wäre eine Sondernutzungserlaubnis einzuholen.

Wenn man als Kommune also mit Wohnmobil-Touristen sowieso leben muss, ließe sich diese Partnerschaft nicht doch für beide Seiten vorteilhafter gestalten? Vor drei Jahren waren zwei junge Männer mit der „Vision“ eines offiziellen Wohnmobilstellplatzes an die Stadt herangetreten, den diese dann betreiben wollten. Man sei diesem Vorschlag sehr aufgeschlossen gegenübergestanden“, erinnert sich Diem.

Die Stadtverwaltung habe sogar Plätze in der Nähe des Eselsburger Tals auf ihre Tauglichkeit und ihre Anschlussfähigkeit an das Strom- und Wassernetz überprüft. Und dies mit positiven Resultaten. Auch zu einer Verpachtung wäre die Stadt bereit gewesen, doch dann hätten sich die Interessenten schlicht nicht mehr gemeldet.

Seither schlummert die Idee eines offiziellen Stellplatzes in den Schubladen der Verwaltung, die es Diem durchaus wert wäre, ein zweites Mal belebt zu werden. Denn die Caravaner und Wohnmobilisten gelten als reisefreudig und zahlungskräftig. Und ihre Zahl nimmt zu. Zum Jahresbeginn 2015 waren beim Kraftfahr-Bundesamt mit steigender Tendenz 601 161 Caravans registriert. In Baden-Württemberg waren 86 685 Einheiten angemeldet.

Bereits 2010 war der Deutsche Tourismusverband von mehr als einer Million Menschen in Deutschland ausgegangen, die in ihrer Freizeit mit einem Wohnmobil unterwegs sind. Fast 40 Prozent, so das Resultat einer Umfrage, nutzen das Gefährt neben den Urlaubsfahrten noch zu über fünf Kurzreisen im Jahr. „Wohnmobilisten sind überaus reiseaktiv“, heißt es in der Untersuchung.

Was für Herbrechtingen als potenzielles Tourismusziel noch in die Waagschale kommt: Wohnmobilisten gelten als ausgeprägte Individualisten, welche gern abseits des Massentourismus unterwegs sind und dies auch in der Nebensaison. Für Kurzreisen werden Fahrten innerhalb Deutschlands bevorzugt. Und immer lieber werden eigene Stellplätze für Wohnmobile angesteuert, da die schweren und großen Motorhomes vielfach mit den Verhältnissen auf Camping-Plätzen nicht zurecht kommen.

Unterschieden werden im Fachjargon Transitplätze, worunter ein einfacher Stellplatz ohne Komfort und Infrastruktur verstanden wird, der Kurzreiseplatz mit ausgewiesenen Stellplätzen und Strom- und Wasseranschluss, und der Wohnmobilhafen, der über eine gehobene Ausstattung verfügt und nur Wohnmobilen zugänglich ist.