Wenn man so will, war Herbrechtingen bislang Glückspielhochburg im Landkreis Heidenheim. Eine Million Euro hatte die Stadtverwaltung im Jahr 2020 an Einnahmen aus der Vergnügungssteuer für die 13.000 Einwohner zählende Gemeinde erwartet. Geldbringer waren im wesentlichen das Casino Merkur bei der Autofahrzufahrt und das Casino Astoria am Grundweg.

Formal eigene Einheiten

Seit Anfang dieses Jahres ist die Welt eine andere. Der Glücksspielstaatsvertrag gilt nach Ablauf von Übergangsfristen seither auch im Land Baden-Württemberg. Und damit trat ein Verbundverbot in Kraft. Auf dieses System hatten aber Merkur und Astoria bislang gesetzt.

Beide Betreiber hatten je sechs Spielstätten in einem Gebäude konzentriert, die mit eigenem Zugang ausgestattet, formal als eigenständige Einheiten galten. Entsprechend hatten beide Betreiber je sechs Linzenzen bei der Stadtverwaltung beantragt, die auch genehmigt wurden. Damit konnten sie 72 Spielgeräte betreiben.

Seit der Übertragung des Verbundsverbots ins Landesglückspielgesetz darf es solche verdichteten Spielstätten nicht mehr geben. Die Folge: Merkur und Astoria führen seither nur noch ein Casino mit je zwölf Automaten.

Knappe Entscheidung

Dabei war für die Gauselmann-Gruppe, die für ihr Merkur-Casino an der A 7 ein eigenes Gebäude errichtet hat, die Fortführung einer solcherart verkleinerten Spielstätte bereits eine knappe Entscheidung. Betriebswirtschaftlich, so Pressesprecher Mario Hoffmeister, rechne sich das Casino nur noch, weil man den nicht mehr benötigten Platz an die neue Betreiber des im selben Gebäude ansässigen Bowling-Centers habe vermieten können.

Auch die Stadtverwaltung musste ihre Rechnung mit der Vergnügungssteuer neu aufmachen. Für das Jahr 2021 hatte Kämmerer und Beigeordneter Thomas Diem noch 850.000 Euro an Einnahmen vorgesehen, für das laufende Jahr stehen 400.000 Euro im Etat und für 2023 nur noch 250.000 Euro.

Netz an Bildung zu engmaschig

Perspektiven für weitere Glückspieletablissements gibt es in Herbrechtingen nicht. Zumindest in der Innenstadt, weiß Julia Baamann, die Fachbereichsleiterin Ordnung und Soziales im Rathaus, sei dies ausgeschlossen. Denn nicht nur untereinandern, sondern auch zu Schulen und Kindergarten müssen Spielhallen einen Mindestabstand von 500 Meter halten. In Herbrechtingen ist aber dafür das Netz an Bildungseinrichtungen zu engmaschig.

Gesetzlicher Abstand zwischen Spielstätten Wie geht es weiter mit den Herbrechtinger Casinos?

Herbrechtingen