Bolheim / Günter Trittner Vorbei ist die Zeit, in der eine störanfällige Freileitung die Telekommunikation ermöglichte. Die Stadt lässt Anwohner im Glasfaserzeitalter ankommen.

5G sei nicht an jeder Milchkanne nötig. Dieser Spruch von Forschungsministerin Anna Karliczek ist zum geflügelten Wort geworden. In Herbrechtingen hat in den letzten Monaten die Stadt dafür gesorgt, dass dies für den Ugenhof nicht gilt. Pferdepension und die Biolandwirtschaft haben seit dieser Woche das Glasfasernetz direkt im Haus. Die Freude über eine „vernünftige Kommunikation“ ist bei den Anwohnern groß: „Zwei bis drei Monate konnten wir nicht mal telefonieren“, sagt Wolfgang Ziegler, der die Pferdepension mit seiner Frau Claudia betreibt. Der drei Kilometer von Bolheim entfernte Wohnplatz gehört somit zur digitalen Spitze in der Kommune.

Fast ein Alleinstellungsmerkmal

Nur die Häuser im neuen Wohngebiet südlich der Eselsburger Straße und einige Häuser im Hinteren Feld genießen den Vorzug, direkt ihre Daten aus Breitband schicken und von dort beziehen zu können.

Die allerersten Nutzer, die in Herbrechtingen die digitale Zukunft zu ihrer Gegenwart gemacht haben, finden sich wiederum im stark ländlichen Raum. Die Hausener nutzen den Aufbau einer Fernwärmeversorgung durch die Biogasanlage im Ort, um schon 2013 Lehrrohre für das Glasfasernetz mitzuverlegen. Die Glasfasern selbst holten sie von dem Strang in ihr Dorf, der parallel zur Autobahn verläuft.

Auf dem Ugenhof, der im Jahr 1571 als Nachfolger des untergegangenen Ugendorfs auf der Albhochfläche wieder errichtet wurde, ist der Schritt ins Glasfaserzeitalter aber ein noch größerer. Denn bisher sorgte für die Telekommunikation mit der Außenwelt lediglich eine Freileitung der Telekom entlang der Waldkante. Und diese war nach Wissen von Dieter Frank, dem Fachbereichsleiter Bau im Rathaus, häufig genug allein durch Wettereinflüsse gestört. Da nach Aussage von Frank die Telekom keine Erdleitung zum Wohnplatz verlegen wollte, nahm die Stadt das Heft in die Hand.

Gänzlich ohne Zuschüsse des Landes wurde in zwei Etappen ein Lehrrohr vom Rüblinger Hof bis zum Ugenhof gezogen. Die ersten 1,3 Kilometer konnte die Stadtverwaltung sich bei einem Bauvorhaben der Wasserversorgung Ostalb, welche 2016 den Ugenhof an ihre Wasserpipeline Bolheim Gerstetten anschloss. Die zweiten 1,3 Kilometer zum Rüblinger Hof schlagen nun voll auf die Rechnung der Stadt durch.

96 Anschlüsse ans Netz holen

„Heute würden wir einen Zuschuss erhalten“, verweist Frank auf ein Milliarden Euro schweres Förderpaket des Landes, durch das die letzten weißen Flecken im Breitbandnetz getilgt werden sollen. Im Oktober 2019 hat der Herbrechtinger Gemeinderat einstimmig zugestimmt 96 noch schlecht versorgte Anschlüsse ans Glasfaser zu holen. Von den zu erwarteten Kosten in Höhe von 6,7 Millionen Euro übernimmt der Bund 90 Prozent, so dass die Stadt nur gut 770 000 Euro zu tragen hat. Dieses Ausbauprogramm muss bis 2024 abgeschlossen sein.

Entlegene Bauernhöfe und Betriebe auf kleinen Gewerbeflächen dürfen hoffen: Der Gemeinderat will auch die letzten unterversorgten Flächen ans Netz anbinden.