Herbrechtingen / Günter Trittner Entlegene Bauernhöfe und Betriebe auf kleinen Gewerbeflächen dürfen hoffen: Der Gemeinderat will auch die letzten unterversorgten Flächen ans Netz anbinden.

Es sind keine kleinen Summen. Im teuersten Fall geht es in Herbrechtingen beim Ausbau des Breitbandnetzes um 71.832 Euro. Dafür gibt es ein Mittelklasseauto mit Vollausstattung – oder einen einzigen Glasfaseranschluss.

Raus aus der digitalen Steinzeit

Wie für weitere Kommunen im Kreis hat die vom Landkreis beauftragte Firma Geo Data für Herbrechtingen untersucht, wie die unterversorgten Bereiche aus ihrer digitalen Steinzeit befreit und sofort die bestmögliche Lösung, einen Hausanschluss ans Glasfaserkabel, erhalten können.

Unter 30 Mbit/s soll es nicht mehr geben

Als unterversorgt gilt ein Übertragungswert unter 30 Mbit/s pro Haushalt oder beim Gewerbe je PC-Arbeitsplatz. Ermittelt wurden von Geo Data in Herbrechtingen 96 unter diesem Wert liegende Anschlüsse, meist Bauernhöfe und kleine Gewerbebereiche. Die Baukosten für das Verlegen der kilometerlangen Leitungen werden auf 6,7 Millionen Euro taxiert.

Die Stadt kostet es nur knapp 800 000 Euro

Von dieser Summe will der Bund an die 90 Prozent übernehmen. An der Stadt bliebe letztlich ein Betrag von 773 923 Euro hängen, sofern diese einen Förderantrag bis Ende dieses Jahres stellt. Dies hat nun der Gemeinderat per einstimmigem Beschluss getan.

Weitere Vorgaben für eine Förderung sind, dass der Baubeginn binnen 18 Monaten erfolgt und das Netz Mitte 2024 fertig ist.

Nur partiell unterversorgte Flächen

Unterversorgte Flächen finden sich in Ortsrandlage bei Bissingen, nördlich Neubolheim, bei der Ziegelei, in Anhausen und den Asbach-Höfen. Beschlossen hat der Gemeinderat ein Gesamtkonzept. Die Planung, wer wann angeschlossen wird, erfolgt erst später. „Das heißt auch nicht, dass wir alles machen müssen“, verdeutlichte Bürgermeister Daniel Vogt. Für Vogt gehört der Breitbandausbau aber zur Daseinsvorsorge. Es wäre ein Fehler, keinen Antrag zu stellen. Auch sollte man kein Gebiet ausnehmen, so der Bürgermeister.

Auch Stadtrat Matthias Sturm (Freie Wähler) betonte, dass für eine Gemeinde ein Glasfasernetz Grundvoraussetzung sei, wenn diese attraktiv bleiben wolle.

Unwägbarkeiten bei den Baukosten

Zwar verwies Nathalie Hess als Vertreterin von Geo Data auf die Erfahrung des Unternehmens beim Taxieren der Kosten für das Verlegen von Leitungen, doch die Verwaltung sah hier Unwägbarkeiten. Landkreisweit, so Dieter Frank, der Leiter des Fachbereichs Bau, käme ein Betrag von 60 bis 70 Millionen Euro für die Aufrüstung der unterversorgten Gebiete zusammen. „Das muss erst einmal verbaut werden in dieser kurzen Zeit.“ Die Baukosten habe da niemand im Griff.

Das Buigen-Gymnasium greift auf die Bundesmittel zu, um für die Schule Tablets und Laptops anzuschaffen. Die Digitalisierung des Unterrichts geht man aber bedachtsam an – man hebt sogar warnend den Finger.

Im Grunde gut versorgt

In der Herbrechtinger Kernstadt ist nahezu flächendeckend eine Versorgung von höher als 50 Mbit/s gegeben. Dies gilt auch für die Teilorte Bolheim und Anhausen. Der kleinste Teilort Hausen hat bereits Glasfaser in jedem Haushalt. Hier waren die Bürger selbst aktiv geworden und nutzten die Gelegenheit zum Verlegen der Leitungen, als die Ortschaft bei der Energieversorgung auf am Ort produziertes Biogas umstellte. Bissingen ist von der SWU Telenet mit Vectoring versorgt – allerdings, so die Verwaltung, mit einer Lightversion.