Mit einer Stellungnahme reagiert die Interessengemeinschaft „Flächenverbrauch stoppen, Lebensgrundlagen erhalten“ (IG) auf den Bericht „Hut ab, dass Ihnen das gelungen ist“ (HZ vom 26. September).

Die IG gratuliere der DB Schenker AG zum gelungenen Umzug und zur erfolgreichen Inbetriebnahme des neuen Landverteilzentrums am Standort Herbrechtingen. Die vorgesehene Installation einer Photovoltaik-Anlage sowie E-Ladesäulen, eingebunden in den erklärten Weg des Unternehmens zur Klimaneutralität bis 2040, werde ausdrücklich begrüßt und sei Anlass für die Erwartung, dass die Herbrechtinger Verwaltung die Installation von PV-Anlagen als Standard in den Gewerbegebieten zwingend vorschreibt und dies auch konsequent durchsetzt, heißt es in der Stellungnahme.

Das würde zumindest einen kleinen Ausgleich liefern für den Verlust des vormals im Wiesental reichlich vorhandenen Moorbodens und dessen überragende Fähigkeiten, CO2 und Wasser zu speichern. Allein in dem moorigen Boden unter der von der DB Schenker AG versiegelten Fläche seien mehr als 20.000 Tonnen CO2 gespeichert gewesen, die, nachdem sie nach Bolheim verfrachtet wurden, dort in den nächsten Jahren freigesetzt würden und in die Atmosphäre entweichen. Ganz zu schweigen über die negativen Auswirkungen der großräumigen Flächenversiegelung auf den Grundwasserhaushalt im Wiesental.

Zugvögel seien gefährdet

„Das ist ein ziemlich heftiger Fußabdruck, wobei dieser weniger der DB Schenker AG anzulasten ist, als vielmehr den Herbrechtinger Verantwortlichen, in deren Kalkulation offensichtlich Klima-, Umwelt- und Landschaftsschutz nur von untergeordneter Bedeutung ist. Ohne jegliche Rücksicht wurde zugunsten großzügigster Gewerbeflächen der natürliche Lebensraum von Flora und Fauna im Wiesental bis auf einen kleinen Rest an das angrenzende Giengener Vogelschutzgebiet gedrängt“, so die IG. Die sogenannte Trittstein- also Rastplatz-Funktion für Zugvögel sei bedenklich gefährdet. Selbst wenn im Brenztal Katastrophen wie im Ahrtal nicht zu erwarten seien, komme den natürlichen Feuchtgebieten in Zeiten des allgegenwärtigen Klimawandels erhebliche Bedeutung zu, die außer vielleicht in Herbrechtingen von kaum jemand geleugnet werde.

Ökologisch wertvoller Grund

Die Herbrechtinger Verwaltung habe bis jetzt nicht dargelegt, was per Saldo für die Stadt auf der Habenseite steht. Jedenfalls hätten die Herbrechtinger Bürger jeden der neuen, möglicherweise eher Pendler-Arbeitsplätze, da Schenker von Ulm umgezogen sei, mit dem Verlust von 400 Quadratmeter ökologisch höchst wertvollem Grund „bezahlt“. „Selbst unter der Prämisse, dass die Rückflüsse aus Verkaufserlös, Grund- und Gewerbesteuer sich zumindest finanziell positiv auswirken, ist nicht nachvollziehbar, wie die Inanspruchnahme von vier Hektar Fläche durch die DB Schenker AG in einem ökologisch wertvollen Gebiet zum Erhalt des Lebensstandards in Herbrechtingen beiträgt“, so die IG.

Entgegen der Darstellung von Bürgermeister Vogt liege der Anhörungsentwurf zum Regionalplan 2035 seit 1. September aus, wobei in Herbrechtingen erneut 40.000 Quadratmeter Gewerbefläche im Wiesental (angrenzend an die Firma Hartmann) ohne konkrete Begründung und ohne ersichtlichen Bedarf ausgewiesen seien.

„Für die Interessengemeinschaft ‚Flächenverbrauch stoppen, Lebensgrundlagen erhalten‘ in Herbrechtingen ist dieser erneute, massive Eingriff in die bestehende Umgebung im Wiesental nicht hinnehmbar und sie verlangt deshalb von Gemeinderat und Stadtverwaltung eine verbindliche Festlegung, dass das Landverteilzentrum der DB Schenker AG der Schlusspunkt der Ausweisung von Gewerbeflächen im Wiesental war.“