Herbrechtingen / Günter Trittner Noch acht Hektar freie Fläche gibt es im gemeinsamen Gewerbegebiet von Herbrechtingen und Giengen an der A 7. Die Nachfrage ist da. Die Interessenten suchen aber große Flächen, die der Industriepark nicht mehr bieten kann.

Von „Riesengewinnen“ wollte Thomas Diem als kaufmännischer Geschäftsführer nicht sprechen, aber eine „schwarze Null“ stellte der Herbrechtinger Beigeordnete doch in Aussicht, wenn das letzte Gewerbegrundstück verkauft und der Zweckverband Industriepark A 7 seinen Zweck erfüllt haben wird.

Wie lange das noch dauern könnte, konnte Diem bei der jüngsten Verbandsversammlung nicht vorhersagen. Binnen 20 Jahren haben Herbrechtingen und Giengen über ihren Zweckverband 30 von 38 Hektar Fläche verkauft. 80 000 Quadratmeter sind im Industriepark noch zu haben, aber nicht leicht an den Mann zu bringen.

Große Grundstücke gefragt

Zwar, so Diem, gebe es laufend Anfragen, doch übersteige die verlangte Fläche die Größenordnung, in welcher der Industriepark noch Parzellen zu bieten habe: bis 20 000 Quadratmeter. „Die Logistiker aber wollen 50 000 Quadratmeter.“

30 000 Quadratmeter ließen sich unterhalb der Kentner-Logistikhalle generieren, wenn man die Erschließungsstraße samt Wendemöglichkeit aufgibt. Die planerische Möglichkeit hat sich der Zweckverband nun durch eine Änderung des Bebauungsplans geschaffen. Sie ermöglicht eine Wendestelle oben am Berg.

Diems schwarze Null wird es aber nur geben, wenn die gesamte Restfläche des Industrieparks veräußert werden kann und dies zu Preisen, wie sie heute bezahlt werden. Entgegen kommt dem Zweckverband die Niedrigzinsphase. Vor wenigen Tagen erst konnte ein Kredit über 1,2 Millionen Euro zu 0,04 Prozent Zins aufgenommen werden, der ein altes, teureres Darlehen ablöst. In die Hände spielt dem Zweckverband auch das Geschäftsjahr 2018, dessen vorläufigen Abschluss Diem vorstellte. Statt bei geplanten 415 000 Euro liegt das Gesamtergebnis zwar nur bei gut 45 000 Euro, aber der Schuldenberg konnte von 3,3 auf 2,45 Millionen Euro abgebaut werden und die Rücklagen haben sich leicht auf über eine Million Euro verbessert. Zusätzliche Investitionen fallen nur für die endgültige Zufahrt zum Spielcasino an. 250 000 Euro sind dafür geplant.

„Da lacht das kaufmännische Herz“, freute sich Giengens Oberbürgermeister und Verbandsvorsitzender Dieter Henle über die von Diem vorgestellten Zahlen und auch Hermann Mader meinte für die Herbrechtinger Seite: „Wir sind gut aufgestellt.“

Die Sitzordnung im Herbrechtinger Rathaus bringt es mit sich, dass die Giengener und Herbrechtinger Mitglieder der Verbandsversammlung, allesamt Stadträte in ihren Gemeinden, sich wie Regierung und Opposition im Londoner Unterhaus gegenübersitzen. Dies ließ daran denken, dass Anfang Juni etliche Herbrechtinger Stadträte empört über die Giengener Seite waren, weil diese jenseits der A 7 ein eigenes Gewerbegebiet von 40 Hektar ausweisen will. Entsprechend war eine Änderung des Regionalplans abgelehnt worden. Beim direkten Aufeinandertreffen im Zweckverband war von einem Zwist nichts zu spüren. Die Stimmung war ausgesprochen freundschaftlich.

Der Herbrechtinger Gemeinderat hat den Plänen eines eigenen Industriegebiets an der Autobahn die Zustimmung verweigert. Giengens Oberbürgermeister Dieter Henle zeigt sich darüber „erstaunt und überrascht“.

Die Herbrechtinger Stadträte verweigern geschlossen dem von Giengen an der A7 geplanten Gewerbegebiet die Zustimmung. Sie sehen darin einen falschen Alleingang der Nachbarstadt.

Gutgeheißen wurde vom Gremium einstimmig auch die Modifizierung des Bebauungsplans für den Industriepark. Diese zeichnet die eingetretene Änderung etwa bei der Straßenführung nach und optimiert die Vermarktung der noch unverkauften Flächen. Gehört wurden in der Versammlung die Stellungnahmen der Träger öffentlicher Belange, wobei an einer Stelle der erforderliche Waldabstand von 30 Meter bei einer Fläche, die Herbrechtingen gehört, noch gesichert werden muss. Der Wald war auch kurz Thema in Diems Bericht gewesen. Denn der Verband hat 2018 nicht nur zwei Grundstücke mit zusammen 4300 Quadratmetern verkauft und eines von 2017 rechnerisch verbucht. In dem in der Ergebnisrechnung ausgewiesenen Ertrag von rund 115 000 Euro findet sich auch eine kleine Charge aus im Industriepark geschlagenem und verkauften Holz. Bei Pflegemaßnahmen war Tot- und Käferholz entfernt worden.

In die Änderung des Bebauungsplans, der nun in die öffentliche Auslage kommt, fließt auch ein neues Schallschutzgutachten ein. Das erste aus dem Jahr 2000 war nicht mehr rechtskonform.

Kontingente für Lärm

Die jüngst vorgenommene schalltechnische Berechnung für den Industriepark A 7 hat zum Ziel, dass Anlieger vor zu starkem Lärm geschützt werden. In der sensiblen Zone unter einem Kilometer liegen einige Gebäude im Bereich der Ziegelei, wie auch außerhalb an den Stadträndern von Giengen und Herbrechtingen. Dort betroffen sind im Wohngebiet Kirchhöfe die Schiller-, Böll- und Hölderlinstraße, in Giengen die Hossenriedstraße, der Fasanen-, der Staren-, der Specht- und der Schwalbenweg.

Bei der neuen Berechnung wurden Geräuschkontigente für Betriebe und Anlagen festgesetzt. Damit wird vermieden, dass der erste ansiedelnde Betrieb die Immissionsgrenzen derart ausnutzt, dass die nachfolgenden Betriebe praktisch keine Geräusche mehr machen dürfen. gt