Das Krautgartengebiet Viehweide in Bolheim sorgt offenbar vielfach für Frust. Im Bauausschuss sparte man am vergangenen Donnerstag jedenfalls weder seitens der Verwaltung noch in den Reihen der Ausschussmitglieder mit Kritik an einem Baubestand, der zumindest als „Wildwuchs“ empfunden wird. Daran will man etwas ändern.

Das Gebiet im Bolheimer Nordosten umfasst 390 Parzellen, von denen der Großteil zwischen 120 und 180 Quadratmeter groß ist. Dort gilt, so Michael Bruch vom Herbrechtinger Baurechtsamt, bis heute die Regelung, dass nur sogenannte Geschirrhütten errichtet werden dürfen, höchstens mit einem Volumen von 15 Kubikmetern, ohne Fenster, ohne überdachte Terrassen oder Feuerstätten. Selbst Gewächshäuser sind dort nicht zulässig.

13 Sondergebiete in Herbrechtingen

Die Realität wie Bruch sie darlegte, sieht vielfach anders aus. Auf etlichen Grundstücken finden sich Hütten mit gewisser Aufenthaltsqualität, Kinderspielgeräte, Swimmingpools, aber auch Bauschutt oder gelagertes Brennholz – alles nicht im Sinne des Krautgartengedankens. Es habe in der Vergangenheit zahlreiche und teils massive Beschwerden über die Nutzung des Gebiets gegeben.

Die Viehweide zählt zu den Sondergebieten. Insgesamt 13 solcher Zonen gibt es in Herbrechtingen und seinen Teilorten, darunter auch Wochenendhaus- oder Gartenhausgebiete. Probleme mit Nutzung, die über das genehmigte Maß hinausgeht, gibt es offenbar fast überall.

Daher hat die Stadtverwaltung nun vorgeschlagen, die Viehweide exemplarisch zu untersuchen. Auf Basis der Erfahrungen, die man dabei gewinnen will, soll dann der Blick auch auf die anderen Sondergebiete gerichtet werden. Der Ausschuss folgte diesem Vorschlag einstimmig. Im ersten Schritt soll das Baurechtsamt alle Grundstückseigentümer anschreiben und Informationen über die Gebäudegrößen, Einfriedungen oder vorliegende Genehmigungen einfordern. Danach soll sich der Gemeinderat damit befassen, wie weiter zu verfahren sei.

Hütten legalisieren?

Dabei ist nach den Worten von Michael Wiedenmann von der FWV-Fraktion auch denkbar, der Viehweide schlicht einen anderen Status zu verleihen, der zumindest den Großteil der vorhandenen Bauten quasi legalisieren würde. Diese Möglichkeit bestätigte Michael Bruch, eine solche Entscheidung müsse aber der Rat nach einer gründlichen Bestandsaufnahme treffen.

Manfred Strauß von der CDU verschaffte seinem Ärger Luft: „Wir haben das schon oft diskutiert, das ist ein Schandfleck und jeder tut, was er will.“ Die Stadt müsse herausfinden, ob die Eigentümer überhaupt noch Interesse an der Nutzung hätten. Strauß warf zudem auf, die Fläche sei womöglich „wohnbaumäßig“ zu nutzen. Im Entwurf des künftigen Regionalplans ist die Viehweide mit angrenzenden Flächen tatsächlich auch für mögliche Wohnbebauung vorgesehen. Es gebe bislang aber keine weitergehenden Planungen, betonte Bürgermeister Daniel Vogt.

Legt sich das Bauamt selbst lahm?

„Wollen wir das Fass wirklich aufmachen?“, fragte hingegen Dieter Mathes (CDU), der befürchtete, eine umfassende Untersuchung werde das Bauamt „lahmlegen“. Mathes bezweifelte zudem, dass man sich in der Bürgerschaft vorrangig an zu groß gebauten Hütten reibe. Problematisch sei vielmehr, wenn in dem Gebiet lautstark gefeiert werde.

„Wir werden getrieben von der Unverschämtheit der Leute, alle machen, was sie wollen“, schimpfte wiederum Annette Rabausch (FWV). Die „Ära der Krautgärten“ ist nach ihrer Ansicht ohnehin vorbei: „Was die Leute wollen, ist ein Auszeitort, wo sie der Zierkirsche beim Blühen zuschauen.“

Walter Fuchslocher von der SPD befürwortete die Bestandsaufnahme ausdrücklich. Welche Entscheidung man daraus dann ableite, könne das Gremium dann reiflich diskutieren.

Der Begriff Geschirrhütte ist vor allem im Süddeutschen geläufig. Darunter werden kleine Hütten verstanden, die lediglich zur Aufbewahrung von Gartengeräten dienen. Sie dürfen keinen Aufenthaltsraum, keine Toilette oder Heizung aufweisen. Oftmals wird sogar vorgeschrieben, dass solche Hütten lediglich aus einer einfachen Holzkonstruktion mit einer Bretterschalung gebaut sein dürfen.