Bei den Faschingsgruppen werden runde Geburtstage und „normale“ Jubiläen – wie etwa das 25-Jährige – nicht groß bedacht, anders sieht es hingegen bei Schnapszahlen aus. Warum die Zahlen bestehend aus mehreren gleichen Ziffern eine solche Bedeutung für die Narren haben?

Dieselben Nummern sollen die Gleichheit unter ihnen hervorheben, heißt es. Die Herbrechtinger Buiga-Hexen haben heuer gleich dreifachen Grund zu feiern, denn es gibt sie bereits seit 33 Jahren.

Zum Schnapszahl-Geburtstag gab‘s eine Torte.
Zum Schnapszahl-Geburtstag gab‘s eine Torte.
© Foto: Buiga-Hexa

Das Narrenjubiläum wurde kürzlich in der Turn- und Festhalle in Bolheim mit geladenen Gästen begangen. Alle zwölf Narrengruppen der Kreisvereinigung waren zu diesem besonderen Festabend eingeladen, darunter die Panscherhexen aus Giengen und die Wasserratza Hex – die zweite Hexengruppe im Ort. Insgesamt haben 180 Hästräger mitgefeiert, wie Andreas und Marion Wieczorek erzählen. Er ist seit der Vereinsgründung im April 2010 Vorsitzender bei den Buiga-Hexa, seine Frau ist Häswartin und schon länger dabei. Aber nicht von Anfang an. Ursprünglich waren die Buiga-Hexa eine reine Frauengruppe, zu der sich Übungsleiterinnen der TSV im Jahr 1990 zusammengeschlossen hatten. Seitdem die Hexen ein eingetragener Verein sind, werden auch Männer und die eigenen Kinder aufgenommen.

30 Mitglieder

„Wir sind froh, dass Corona in diesem Jahr keine große Rolle mehr spielt. So konnten wir’s beim Jubiläum richtig krachen lassen“, so Andreas Wieczorek und seine Frau ergänzt: „Es war eine rundum gelungene Veranstaltung.“ Von den Gästen habe man lobende Worte vernommen, dass man „mit den paar Leuten“ so ein Event auf die Beine stellen könne. Alle 30 Mitglieder sollen bei der Planung sowie beim Auf- und Abbau fleißig mit angepackt haben.

Männer und Frauen, jung und schon etwas älter: Die Buiga-Hexa sind ein bunter Haufen. Andreas Wieczorek (hintere Reihe, Dritter von links) ist seit der Vereinsgründung im Jahr 2010 Vorsitzender. Seine Frau Marion (vorne liegend) ist Häswartin und schon länger eine Buiga-Hex.
Männer und Frauen, jung und schon etwas älter: Die Buiga-Hexa sind ein bunter Haufen. Andreas Wieczorek (hintere Reihe, Dritter von links) ist seit der Vereinsgründung im Jahr 2010 Vorsitzender. Seine Frau Marion (vorne liegend) ist Häswartin und schon länger eine Buiga-Hex.
© Foto: Buiga-Hexa

Damit man die eigene Jubiläumsfeier auch genießen konnte und nicht arbeiten musste, haben die Buiga-Hexa einige Helferinnen und Helfer aus dem Familien- und Freundeskreis gewinnen können, die etwa die Bewirtung übernommen haben. Ein bisschen schweißtreibend wurde es dann doch: Beim 33. Geburtstag selbst auf der Bühne der Turn- und Festhalle zu stehen und den letzten Auftritt zu gestalten, haben sich die Tanzhexen unter den Buiga-Hexa nicht nehmen lassen.

„Bei uns ist das Tanzen allerdings freiwillig“, betont der Vorsitzende. Es gebe auch „nur“ sogenannte Laufhexen, die sich etwa auf die Teilnahme an Umzügen beschränkten. Die Buiga-Hexa verstehen unter Tanzen auch Tanzen. Manche Hexengruppen würden in ihre Choreographien noch Akrobatik integrieren, das sei bei ihnen nicht der Fall.

Die Buiga-Hexa beim Rathaussturm im Jahr 2009.
Die Buiga-Hexa beim Rathaussturm im Jahr 2009.
© Foto: rei/Archiv

Laut Marion Wieczorek ist es gar nicht so einfach, sich im Häs zu bewegen, geschweige denn zu tanzen, und leicht ist es ebenfalls nicht. Denn zum Häs, so nennt man das Narrenkostüm, gehört die Maske – die sogenannte Larve – und deren Sichtfeld ist eingeschränkt und deren Gewicht auf Dauer schwer.

Zu Beginn hatten die Buiga-Hexa eine Plastikmaske auf. Im Herbst 2010 beauftragten sie einen Schnitzer aus Unterrombach damit, eine Holzlarve herzustellen. Mit dem entstandenen Rohling werden noch heute mithilfe der Kopierfräse eines Bekannten Masken für neue Mitglieder gefertigt. Den „Feinschliff“ erhalten die Larven im Hause Wieczorek in Herbrechtingen in Handarbeit. Nachdem sie in Wachs eingelassen wurden, werden sie bemalt und anschließend mit schwarzen Haaren und einem roten Kopftuch versehen. Damit die Larve fest und einigermaßen bequem am Kopf sitzt, wird ein starkes Halteband befestigt und das Innere gepolstert.

Rechts der Rohling, links die fertige Larve.
Rechts der Rohling, links die fertige Larve.
© Foto: Melanie Knapp

Bis man eine fertige Larve in Händen hält, fallen also viele Arbeitsschritte und hohe Kosten, circa 300 Euro, für den Verein an (das Häs bleibt Eigentum des Vereins). Daher, und weil während der Saison einige Termine anstehen, muss eine Mitgliedschaft beiderseits wohl überlegt sein. Neue Hexen werden erst aufgenommen, wenn sie mindestens 18 Jahre alt sind – mit Ausnahme des eigenen Nachwuchses – und ein Jahr als sogenannte HIP-Hexe (Hexe in Probe) erfolgreich durchlaufen haben. Dann werden sie zum Start der nächsten Saison, die sich bei den Buiga-Hexa nach der schwäbisch-alemannischen Fasnet richtet und daher am 6. Januar losgeht, beim Häsabstauben getauft und bekommen ihren Hexennamen.

Was den Reiz am Hexen-Dasein für Andreas und Marion Wieczorek, alias Vadder und Paul, ausmacht? Fasnet sei die Zeit im Jahr, in der man einfach mal loslassen, verkleidet und unerkannt Schabernack treiben und dabei den Menschen ein Lächeln ins Gesicht zaubern könne. „Wenn das Publikum mitmacht und lustig drauf ist, macht es großen Spaß“, so Marion Wieczorek. „Hinzukommt, dass wir ein toller Haufen sind.“ Gut gemischt, von Männlein bis Weiblein, von jung bis schon etwas älter.

Die Herbrechtinger Buiga-Hexa beim Faschingssturm in der Heidenheimer Innenstadt im Jahr 2019.
Die Herbrechtinger Buiga-Hexa beim Faschingssturm in der Heidenheimer Innenstadt im Jahr 2019.
© Foto: Christian Thumm/Archiv

Und alle gemeinsam haben sie bis Saisonende an Aschermittwoch, 22. Februar, noch einiges vor: darunter in Herbrechtingen der Rathaussturm am „Gombigen Doschdig“ am 16. Februar ab 15 Uhr im Bürgersaal und der Auftritt beim Wasserratzaball am 18. Februar. Die Buiga-Hexa zieht es auch des Öfteren in den Ostalbkreis, etwa zu den Umzügen in Lippach, Unterkochen, Lauchheim, Pfahlheim und Neresheim.

Faschingsveranstaltungen in der Region Heidenheim im Überblick

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Was haben die Buiga-Hexa an?


Zum Häs der Buiga-Hexa gehört die Larve, ein schwarzes Hemd, ein schwarz-bunter Rock, in den ein Stück vom Urstoff eingenäht ist, eine gelbe Schürze mit schwarzen Punkten, gestreifte Stulpen in den Vereinsfarben rot-schwarz-gelb und eine rote Umhängetasche. Statt der Larve kann man auch das Narrenkäpple aufsetzen. Stulpen und Käpple für die Mitglieder strickt Häswartin Marion Wieczorek selbst. Ihre Aufgabe ist es auch, zu prüfen, ob das Häs korrekt getragen wird, beispielsweise muss die Tasche auf einer bestimmten Seite sein und die Stulpen müssen so angezogen werden, dass der rote Streifen oben ist.