Herbrechtingen / Günter Trittner Altheim/Alb, Lange Straße 18. Seit zwei Jahren steht hier das örtliche Schulgebäude leer. Eine Gemeinde ohne Jugend. Doch nicht mehr lang. Am 12. September dieses Jahres öffnet hier die Freie Realschule Altheim. Dass es zu dieser privaten Gründung kommt, daran haben fünf Lehrer einen maßgeblichen Anteil. Allesamt haben sie an der Herbrechtinger Bibrisschule unterrichtet.

Was Anja Österreicher, Wulf Saur, Markus Maier, Bettina Ehringer und Werner Kobes an der Bibrisschule einander näher gebracht hat, war das Gefühl gewesen, dass eine staatliche Schule nicht das Maß aller pädagogischen Anstrengungen sein kann. „Wir hatten richtig gute Ideen“, so Anja Österreicher, aber auch das Gefühl, dass es zu deren Umsetzung die Gründung einer privaten Schule bedürfe. Am privat geführten Albgymnasium Hohenstein holten sich die fünf Lehrer Informationen über den Aufbau und Betrieb solch einer Schule ein. Dorthin war auch Altheims Bürgermeister Andreas Koptisch mit einer Delegation seines Gemeinderats gereist, die ihrerseits mit dem Gedanken einer privaten Schule spielten, seit zum Schuljahresende 2013/14 die Werkrealschule als letzte Schule in der Gemeinde ihren Betrieb eingestellt hatte.

Die Schulleiterin des Albgymnasiums brachte letztlich beide Parteien zusammen und seither herrscht eitel Freude und große Zuversicht. Das pädagogische Konzert der Herbrechtingen hatte nicht nur Bürgermeister Koptisch, der seinerseits familiäre Wurzeln in Herbrechtingen hat, sofort überzeugt, auch der Gemeinderat stimmte im September 2015 einstimmig zu. Aus der Bevölkerung, so Koptisch, höre er nur positive Stimmen. „Wir freuen und diebisch“, strahlt der zufriedene Bürgermeister.

Ohne weltanschauliche Prägung, aber mit pädagogischer Leidenschaft wollen die Herbrechtinger Lehrer ihre Realschule führen. Zusammen mit Bürgermeister Koptisch und seinem Stellvertreter Manfred Scheiffele haben sie einen Trägerverein gegründet, dem das Regierungspräsidium Tübingen inzwischen die Erlaubnis zum Schulbetrieb erteilt hat. Ihren an der Bibrisschule entwickelten Powersport wollen die Herbrechtinger Lehrer in Altheim fortsetzen. Ganz neu in ihrem Konzept ist aber die doppelte Besetzung der Hauptfächer Deutsch, Mathematik und Englisch. In jeder dieser Stunden werden zwei Lehrer anwesend sein. Dieser„Luxus“ ermöglicht nicht nur ein besseres Eingehen auf die maximal 24 Schüler in einer Klasse, damit wird auch sichergestellt, dass im Krankheitsfall eines Lehrers nicht gleich Schulunterricht ausfallen muss. Bewusst hat man sich im dörflichen Umfeld gegen eine Ganztagesschule und gegen Nachmittagsunterricht ausgesprochen. Zweimal die Woche stehen sieben Stunden auf dem Stundenplan. Und: Das Wort Bildungspartnerschaft soll eine andere Wertigkeit bekommen. Betriebe und Schule sollen so weit verzahnt werden, dass selbst nach dem Schulabschluss die Lehrer sich noch bei Bedarf um ihre ehemaligen Schützlinge an ihren Ausbildungsplätzen kümmern. Ansonsten gilt auch an der privaten Realschule der Bildungsplan und die Stundentafel der staatlichen Schulen. Möglich sind Mittlere Reife und Hauptschulabschluss.

Eine dreiviertel Million Euro muss Altheim noch in beide Schulgebäude investieren, damit diese wieder zu einem Lernort werden. Die Gemeinde tut dies frohen Herzens. „Das ist für Altheim ein enormer Schritt.“ Aber die Gemeinde geht diesen nicht unbedacht. 40 Kinder pro Jahrgang gibt es in Altheim und den umliegenden Gemeinde. 85 Prozent davon gehen nach der vierten Klasse nicht auf ein Gymnasium. „Das sollte ein ausreichendes Potenzial sein“, ist Koptisch zuversichtlich. Zudem, als private Realschule, stelle man auch eine Alternative für ein weiteres Einzugsgebiet dar.

Mit drei Lehrern und einer fünften Klasse wird die Schule starten, im Endausbau mit Klasse zehn werden mindestens zwölf Lehrer tätig sein. Mit dem Umzug nach nach Altheim beschreiten die Herbrechtinger Lehrergruppe auch einen Weg, der weg von den großen Bildungszentren in eine überschaubare Schulwelt führt, wo man sich wechselseitig noch mit Namen kennt und grüßt. Tugenden wie Pünktlichkeit und Respekt sollen in der Realschule nicht nur gelehrt, sondern auch gelebt werden.

Um ihre private Schule aufbauen zu können, haben und werden sich die fünf Lehrer aus dem staatlichen Schuldienst beurlauben lassen. Ihren Salär erhalten sie dann vom Trägerverein, der seinerseits auf Zuschüsse vom Land und auch auf Schulgeld der Eltern angewiesen ist. Erst ab dem vierten Jahr springt die volle Landesförderung an. „Wir müssen clever sein“, meint Koptisch. Und Mut gehört wohl auch dazu. „Das haben uns auch unsere früheren Kollegen gesagt“, berichtet Österreicher.

Info: Alle weiteren Informationen unter www. freie-realschule-altheim.de. Am 29. Februar findet ab 17 Uhr in der Schule ein Infoabend statt