Herbrechtingen / Günter Trittner In den 80er-Jahren war die Jugendarbeit in Herbrechtingen noch beispielgebend für die Jugendarbeit im Kirchenbezirk. Heute gibt es nur noch eine Jungschargruppe. Pfarrer Michael Rau möchte das ändern.

Zehn bis 15 Jugendliche in der Jungschar. Das ist die Jugendarbeit in der evangelischen Kirche in Herbrechtingen. Auf dem Wartberg gibt es gar keine Gruppe. Zu wenig, meint Pfarrer Michael Rau, der weiß, dass es in Herbrechtingen schon mal besser war. „In den 80er-Jahren galt Herbrechtingen als die Hochburg der Jugendarbeit im Kirchenbezirk.“ Auch wenn damals nicht jeder Jugendliche aus religiösen Gründen sich den Gruppen angeschlossen und vielleicht nur eine Möglichkeit gesucht hatte, „rauszukommen“, wie Rau vermutet, so war eben doch eine Anbindung an die Kirchengemeinde gegeben.

Schule lässt den Jugendlichen wenig Spielraum

Einen Grund, warum sich zu wenige Jugendliche für eine Gruppe gewinnen lassen, sieht Rau in der schulischen Belastung. Der Druck auf die Schüler, gute Noten zu bringen, sei sehr hoch. Erst jüngst seien Jungschar-Termine ausgefallen, weil Klassenarbeiten anstanden. „Die Jugendlichen sehen für sich keinen Spielraum.“

Die Jugendarbeit erneut zum Leben bringen möchte Rau in einem Altersbereich, in dem es noch nicht um Schulabschlüsse geht. Gedacht wird an die Teenies, Jugendliche im Alter von 14 und 15 Jahren, die aufgrund der Konfirmation sowieso in engerem Kontakt mit der Kirchengemeinde sind.

Neue Leiter sind gesucht

Damit Jugendgruppen geleitet werden können, bedarf es eines Jugendleiters. Und um diese zu gewinnen, hat Rau einen Abend mit dem Jugendreferenten Jörg Kresse initiiert.

Am Dienstag, 21. Januar, geht es ab 19.30 Uhr im Gemeindezentrum Hohe Wart darum, ein Konzept für eine zeitgemäße Jugendarbeit zu entwickeln. Kresse wird erläutern, wie die Jugend heute tickt.

Kaum Chancen auf einen Profi

Idee der Veranstaltung ist, dass sich Interessierte mit dem Amt eines Jugendleiters anfreunden. Wenig Zuversicht hat Pfarrer Rau, eine professionelle Kraft für Herbrechtingen zu gewinnen. Da gelte die Ostalb als zu wenig attraktiv. „Es ist schwer, jemanden zu finden. Wir haben es versucht.“ Der Neustart der Jugendarbeit, so Rau, werde in jedem Fall eine große Herausforderung.

Zuversichtlich ist der Pfarrer, dass sich unter den Teenies einige finden lassen, die sich einer Gruppe anschließen. „Da gibt es schon welche, die täten gern etwas machen.“

Beispiel Bolheim

Ein gutes Stück weiter ist die evangelische Kirche in Bolheim. Dort hatte die frühere Pfarrerin Hanna Nicolai bereits 2014 die Stelle eines Jugendreferenten ausgeschrieben und vorab über eine Spendenaktion für deren Finanzierung gesorgt, Diakonin Ulrike Kresse übernahm zum 1. September 2015 diese Aufgabe.

Kresses Aufgabe in Bolheim ist nicht das Leiten einer Gruppe. Sie ist vielmehr eine Unterstützung für die ehrenamtlichen Helfer. Denn anders als in Herbrechtingen war und ist das Feld der Jugendarbeit hier gut bestellt. Pfarrerin Daniela Kisser kann vier Gruppen aufzählen: die Jungschar Buben und die Jungschar Mädchen, die Jungschar Light, eine Kindergruppe, welche die Kernzeitbetreuung der Kirchengemeinde in der Buchfeldschule besucht, und die sogenannten Trainees. Das sind Jugendliche, die nach der Konfirmation von Ulrike Kresse geschult werden, Aufgaben in der Gemeinde zu übernehmen, um später selbst eine Jungschar leiten zu können.

Themen, die junge Christen bewegen

Die Trainees richten etwa die Empfänge aus oder bereiten Spiele für Gemeindeabende vor. Alle Jugendlichen gestalten ein- bis zweimal im Jahr einen Gottesdienst, in dem die Themen angesprochen werden, die sie als junge Christen berühren.

Ein Beispiel für Jugendarbeit

Wie Jugendarbeit aussehen kann, sieht man derzeit in Bolheim. Dort wird eine Woche gemeinsamen Lebens vorbereitet, die vom 15. bis 21. März im evangelischen Gemeindehaus stattfinden wird. 25 bis 30 junge Menschen im Alter von 13 bis 25 Jahren werden jeden Tag in dieser Woche gemeinsam verbringen. Jeden Abend ab 18 Uhr wird das Jesus House 20 als Livestream übertragen. Während der Übertragung wird es die Möglichkeit geben, über Handy Fragen zu dem Thema des Abends zu stellen, die dann direkt beantwortet werden. Somit können sich die Jugendlichen aktiv an dem Abend beteiligen.