Herbrechtingen / Günter Trittner Wer auch immer im Juni vergangenen Jahres die Bergwachthütte angezündet hat, er hat nicht nur einen Schaden von 15 000 Euro verursacht, er hat die ehrenamtlichen Helfer der Herbrechtinger Bereitschaft auch um die Einnahmen einer ganzen Saison gebracht. Ab Sonntag kann man hier im Eselsburger Tal erstmals wieder Station machen.

Seit 1971 gibt es die Bergwachtbereitschaft in Herbrechtingen, wenige Jahre später wurde die Bindsteinhütte ihr Quartier. Selbst wenn 1994/95 auf der Hohen Wart die Rettungsstation eröffnet wurde, die „Außenstelle“ im Eselsburger Tal bleibt für die 27 Mitglieder zählende Einheit unverzichtbar.

Eine komplette Erste-Hilfe-Ausrüstung ist in dem von der Stadt gepachteten Gebäude eingelagert – und hier ist eben auch der Kiosk. „Wir arbeiten komplett ehrenamtlich“ sagt Klaus Eckert, der vor wenigen Wochen zum neuen Bereitschaftsführer gewählt worden ist. Das heißt, die Einnahmen, welche die Bergwacht mit dem Verkauf von Getränken und einfachen Esswaren am Fuß des Bindsteins erzielt, sind für die Bereitschaft unverzichtbar.

6000 Euro haben die Mitglieder für die Sanierung der angesteckten Hütte vorfinanzieren müssen. „In der Bergwacht steckt auch privates Geld von Mitgliedern drin, damit diese funktioniert“, beschreibt Eckert den besonderen Geist dieser Helfergemeinschaft. 400 Euro pauschal erhält die Bereitschaft für einen Rettungseinsatz – egal wie hoch der Aufwand an Mensch und Material war. Das mag reichen, aber in anderen Fällen reicht es eben auch nicht.

Wie viele Arbeitsstunden nötig waren, um den durch das Feuer völlig zerstörten Verkaufsraum und den komplett verrußten Aufenthaltsraum wieder herzustellen und nutzbar zu machen? „Puh“, seufzt Jugendleiter Armin Fritsche. Zum Durchrechnen sei man noch nicht gekommen. „Aber wir waren oft hier.“ Zuletzt noch am Freitagabend, um die letzten Kleinigkeiten für den Neustart des Hüttenbetriebs zu regeln.

Es hätte im Juni 2015 noch schlimmer kommen können, wissen Eckert und Fritsche, als am frühen Morgen eine Reiterin Alarm schlug, nachdem ihr Pferd auf den Rauch reagiert hatte. Denn im Verkaufsraum befand sich auch eine Gasflasche. Wenn diese Feuer gefangen hätte – bei der Bergwacht mag man nicht daran denken.

Ohne fließend Wasser und ohne Strom sind die gastronomischen Möglichkeiten in der Bindsteinhütte schon technisch eingeschränkt. Aber auch der Wirtschaftskontrolldienst macht klare Vorgaben. In deren Rahmen versuchen die zwei oder drei Mitglieder, welche Hüttendienst haben, den Gästen einen möglichst schönen Aufenthalt zu bereiten. Die Bergwacht betreut auch die benachbarte Grillstätte auf städtischem Grund.

„Wir sind ein kleines Naturschutzgebiet im Naturschutzgebiet“ beschreibt Fritsche den wahrlich schön gelegenen Flecken zwischen dem Bindstein und dem Altwasser der Brenz. Zwei mächtige Birken umschließt das Dach der Bergwachthütte. Gut 100 Personen finden hier an den Tischgarnituren Platz. Schön wäre es aus Sicht von Eckert und Fritsche, wenn der schöne Ort auch als ein solcher bewahrt würde.

Dass dem nicht so ist, beschert der Bergwacht eine große Zahl ganz und gar unbezahlter Einsätze, wenn der Unrat eines ganzen Wochenende wieder aufgeräumt werden muss. Auch nach Jahren des Dienstes kann man dabei immer noch ins Staunen kommen. In flagranti ertappt hat man einen Opa, der um mit den Enkeln grillen zu können, schlicht den metallenen Schuhabstreifer der Hütte zum Grillrost umfunktionieren wollte.

Von Neresheim über Oberkochen und die Gerstetter Alb bis nach Niederstotzingen reicht das Einsatzgebiet der zehnköpfigen Einsatzgruppe der Herbrechtingen Bergwacht. Alarmiert wird diese immer zusammen mit den Kollegen in Heidenheim von der Leitstelle Aalen, wenn Menschen in schwer zugänglichen Stellen verunglückt sind. Jeden Freitagabend ist in der Rettungsstation Schulung.

„Die Bergwacht ist mehr als Klettern“, verweist Eckert auf ein weit gestecktes Aufgabengebiet, das den versierten Umgang mit technischen Hilfsgeräten ebenso einschließt wie profunde Kenntnis in der ersten Hilfe und Wiederbelebung. Einmal im Jahr, so das langjährige Mittel, kommt es auch im Eselsburger Tal zu einem Einsatz.

Armin Fritsche ist seit 1983 Jugendleiter. Es gibt Nachwuchskräfte, welche aber oft, wenn es zum Studium oder einer entfernten Ausbildung geht, die Bereitschaft wieder verlassen. Im Fokus einer verstärkt betriebenen Öffentlichkeitsarbeit stehen nun die 25- bis 40-Jährigen. Von 9.30 bis 19 Uhr kann nun wieder sonntags und feiertags an der Bindsteinhütte auch zu diesem Zweck ein erster Kontakt geknüpft werden.