Heimaturlaub stand im vergangenen Jahr wegen der Corona-Pandemie hoch im Kurs. Ein beliebtes Ausflugsziel war das Eselsburger Tal, das wohl nie zuvor Touristen in diesem Ausmaß aus dem Landkreis und zum Teil weit darüber hinaus anzog.

Freizeitvergnügen mit negativen Auswirkungen

Ein Großteil von ihnen kam mit dem Ziel, auf der Brenz Boot zu fahren und anderen Wassersport zu betreiben. Was zunächst nach einem harmlosen Zeitvertreib klingt, hat jedoch negative Auswirkungen auf die Brenz und die im Naturschutzgebiet vorhandenen wertvollen Lebensräume. Dort sind seltene und teilweise in ihrem Bestand bedrohte Tier- und Pflanzenarten zuhause. Um diese zu schützen, waren bereits seit 2013 gewerbliche Bootsfahrten nicht mehr gestattet.

Angesichts der stark gestiegenen Besucherzahlen hat das Landratsamt als Untere Naturschutzbehörde nun eine Rechtsverordnung erlassen, die auch die freizeitliche Nutzung der Brenz im Eselsburger Tal einschränkt. Hierfür stimmte sich die Kreisverwaltung mit dem Regierungspräsidium als Obere Naturschutzbehörde und der Stadt Herbrechtingen ab und hörte die betroffenen Verbände an.

Das gilt ab dem 1. April im Eselsburger Tal

Die Brenz zwischen Bolheim (Sportanlagen) und Herbrechtingen (Heimatmuseum) ist in der Hauptbrutzeit vom 1. April bis 15. Juli für sämtliche Wasserfahrzeuge und für das Baden gesperrt.

Vom 16. Juli bis 30. September ist dies an Samstagen und Sonntagen der Fall. Darüber hinaus sind die Alt- und Nebenarmbereiche der Brenz für sämtliche Aktivitäten ganzjährig tabu. Der Ein- und Ausstieg ist nur an den gekennzeichneten Stellen zulässig. Künftig ist der Einstieg nur noch am Parkplatz Anhausen und in Eselsburg bei der Gaststätte Talschenke möglich. Letztgenannte ist zugleich ein Ausstieg. Bei der Bindsteinmühle darf weiterhin umgestiegen werden. Letzter Ausstieg ist in Herbrechtingen kurz vor dem Heimatmuseum. Somit darf der beliebte Einstieg an der Bolheimer Sportanlage nicht länger genutzt werden.

Diese Verordnung ist nicht nur im Sinne des Naturschutzes, sondern auch der Einheimischen, die vom Brenztourismus direkt betroffen sind. Allen voran die Anwohner des Bolheimer Sportplatzes. Es wurde von einem hohen Verkehrsaufkommen in der engen Zufahrtsstraße berichtet, von Lärm und illegaler Müllentsorgung. Manche Besucher urinierten sogar an private Hecken, die durch die Harnsäure eingingen. Und dies obwohl man die Toiletten im nahegelegenen SV-Vereinsheim gegen eine geringe Gebühr benutzen durfte.

Vogt: „Guter Kompromiss“

„Dies ist nun ein guter Kompromiss zwischen den Belangen des Naturschutzes und allen Nutzern des Eselsburger Tals. Wir können nämlich keine Regelung verlangen, die uns anders behandelt als Auswärtige“, äußerte sich Bürgermeister Daniel Vogt in der jüngsten Sitzung des Gemeinderates dazu. Der Herbrechtinger Rathauschef sei dankbar, dass sich das Landratsamt diesem Thema angenommen habe.

Zu kontrollieren, ob die Verordnung auch eingehalten wird, obliegt dem Ordnungsamt der Stadt Herbrechtingen. Allerdings erhält die Kommune hierfür finanzielle Unterstützung vom Regierungspräsidium. Die Außendienst-Mitarbeiter werden verstärkt den Sommer über im Einsatz sein, so Julia Baamann. Der Fachbereichsleiterin Ordnung und Soziales zufolge werden noch Hinweistafeln angebracht, die über die neuen Regeln informieren.

Massentourismus auf der Brenz Im Eselsburger Tal stauen sich die Kanus

Bolheim/Eselsburg

Allen Schildern zum Trotz: Reiten ist erlaubt


Das Regierungspräsidium hat in allen Naturschutzgebieten, somit auch im Eselsburger Tal, neue Info-Tafeln aufgestellt, die aufklären sollen, welche Aktivitäten erlaubt sind und welche nicht. Bei der Gestaltung ist dem RP jedoch ein Fehler unterlaufen, denn unter den untersagten Aktivitäten ist auch das Reiten aufgeführt. „Reiten ist auf ausgewiesenen Wegen im Naturschutzgebiet nach wie vor erlaubt“, so Julia Baaman vom Fachbereich Ordnung und Soziales der Stadtverwaltung. Das RP habe ihr zugesagt, die Schilder entsprechend zu korrigieren.