Herbrechtingen / Günter Trittner Beim Leitsystem in der neuen Bibrishalle in Herbrechtingen stießen sich die Stadträte an Wortfeldern aus der Flora und Fauna des Eselsburger Tals, welche die Leitbegriffe an den Wänden umrahmen sollen.

Was hat eine Ringelnatter mit Sport zu tun und was eine Gelbbauchunke oder ein Blesshuhn? Zusammengefügt hat diese Begriffe Hansjörg Brucklacher, dessen Büro für visuelle Kommunikation das Orientierungs- und Leitsystem für die neue Bibrishalle ausarbeitet.

Vier Worte bringen einen weiter

Der Reutlinger setzt dabei bei der ersten Orientierung im Neubau auf die Leitbegriffe Sport, Mensa, Kultur und Turnen, um an den vier Eingängen der Halle gleich die dahinter liegenden Funktionen deutlich zu machen. Übermannshohe Zahlen werden im Inneren die Eingänge zur Dreifeldhalle umrahmen, Piktogramme auf Umkleiden, Sanitärräume oder Treppen verweisen.

Mit drei von diesen Leitbegriffen und der gesamten grafischen Gestaltung waren die Stadträte bei der jüngsten Sitzung des Gemeinderats sehr einverstanden, nicht aber mit den Wortfeldern, mit denen der Designer seine an den Mauern aufgetragenen Leitbegriffe garnieren möchte. Brucklacher hatte diese einem Flyer des Regierungspräsidiums Stuttgart zum Eselsburger Tal entnommen, der die dort vorkommende Flora, Fauna und andere Besonderheiten auflistet.

Kunst und tieferer Zweck

Von einer „künstlerischen Maßnahme“ sprach Dieter Frank, der Fachbereichsleiter Bau im Rathaus. Und davon, dass man sich viele Gedanken gemacht habe. Brucklacher selbst sah in diesen Wort-Wänden einen tieferen Zweck. „Es geht auch um Identität und Verortung.“ Doch Franks Bitte, diese „poetische Umsetzung“ im Kopf sich erst einmal setzen zu lassen, wollte im Gemeinderat so recht niemand folgen.

Bürgermeister fürchtet Missfallen

Thilo Eckermann (SPD) sah zwar darin einen „spannenden Ansatz“, gab im gleichen Atemzug aber zu, sich mit den Bezügen schwerzutun. „Bei Sport denkt man nicht an Ringelnatter.“ „Das ist eher verwundernswert“, schloss sich Martin Müller, der Sprecher der Freien Wähler, an. Dass sein Fraktionskollege Hermann Mader, der Vorsitzende des Fördervereins Eiszeitkunst, eher Mammut und Höhlenlöwe an den Wänden gelesen hätte, kam als Vorschlag nicht ganz überraschend. Aber auch Petra Reis (Freie Wähler) wollte sich nicht so recht auf Brucklachers Begriffe einlassen: „Das Thema ist schwierig.“ Bürgermeister Dr. Bernd Sipple sah diese Verbindungen sogar als geeignet an, Unmut zu stiften. „Sport und Erdkröte, da kommt es zu Missfallen.“

Hansjörg Brucklacher versprach, nochmals eine zweite Runde im Finden der richtigen Worte zu drehen und dabei sollen, wie von Mader gewünscht, die künftigen Nutzer der Halle mitreden dürfen. Zudem sollte nach Auffassung der Stadträte auch der Leitbegriff Turner ersetzt werden. Dieser führt zu den multifunktionalen Räumen im Obergeschoss, wo zwar die Ringer eine feste Übungsstätte haben, aber überhaupt kein Turnen stattfindet. Dafür aber Gymnastik, Singstunden, Bastelabende oder anderes mehr, womit sich Herbrechtinger Vereine hier einbringen.

Leichter fiel dem Designer die Einwilligung in die Ehrenrunde, weil sein Grundkonzept vom Gemeinderat einstimmig gebilligt worden war und die Aufträge zur Ausführung somit vergeben werden können. Ende Juni geht die neue Bibrishalle bereits in Betrieb.

Vieles andere hat gefallen

Gut angekommen ist bei den Stadträten auch der „Anprallschutz“, den Brucklacher für die Glastüren entworfen hat, damit niemand dagegen läuft. In Höhe von 80 Zentimeter und 1,60 Meter laufen Bänder von weißen und schwarzen Linien, welche in ihrer Neigung die Schrägstellung der Säulen des Vordachs aufgreifen und in ein grafisches Muster überführen. Auch der in einer „relevanten Größe“ vorgeschlagene Schriftzug Bibrishalle an der Außenhülle gefiel.