Herbrechtingen / Elena Kretschmer Bei der ersten offiziellen Fragerunde beantworteten die neun Bürgermeisterkandidaten den Menschen in der vollbesetzten Oskar-Mozer-Halle insgesamt 14 Fragen.

Die Vorgaben waren ganz klar: Fragen durften nur Wahlberechtigte. Sie mussten zunächst ihren eigenen Namen nennen und hatten anschließend eine Minute Zeit, um ihre Frage an alle neun Bürgermeisterkandidaten zu stellen.

Diese wiederum hatten jeweils zwei Minuten, um zu antworten. Beigeordneter Thomas Diem, Moderator des Abends, ging davon aus, dass Andreas Koptisch, Beate Häring, Dennis Picknik, Florian Sapper, Uwe Schmidt, Helmut Rein, Annette Rabausch, Ralf Walter und Daniel Vogt nicht mehr als sechs bis neun Fragen schaffen würden. Doch er sollte sich täuschen.

Die Themen der am Ende 14 Fragen reichten von der politischen Einstellung der Kandidaten über den Wohnungsbau, die Ärzteversorgung, das Ehrenamt und den öffentlichen Nahverkehr bis hin zur (Um-)Nutzung bestimmter Areale. Die erste Frage, bei der die Meinungen etwas auseinander gingen, war die von Reinhard Walloschke. Er wollte wissen, ob die Kandidaten es handhaben würden wie der jetzige Amtsinhaber Dr. Bernd Sipple und sich weder einer Partei anschließen noch in den Kreistag einziehen.

Kein Nein zum Kreistag

Während Häring, Picknick, Sapper, Schmidt und Rabausch es kategorisch ablehnten, „Diener mehrerer Herren“ zu sein, wie Walloschke es ausgedrückt hatte, waren es vor allem Vogt und Koptisch, die etwas einlenkten.

Beide betonten, in jedem Fall parteilos bleiben zu wollen. „Aber den Kreistag würde ich nicht ausschließen“, sagte Vogt, „weil es einfach wichtig ist, viel mitzukriegen.“ Koptisch argumentierte: „Man kann dort viel an Mehrwert und Optionen rausholen, sollte aber vorher gut überlegen, ob es Sinn macht.“

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Es kristallisierte sich außerdem heraus, dass in Sachen Wohnungsbau und Stellplatz-Mindestvorgaben alle neun offen und diskussionsbereit wären. Hier spielte Fragesteller Wilfried Haut, Geschäftsführer der Kreisbau, gezielt auf die Zwei-Stellplätze-Regelung des Gemeinderates im Amselweg an. Insbesondere in kniffligeren Fällen wie diesem würden als neuer Rathauschef alle viel Wert auf ein kollegiales Miteinander auf Augenhöhe legen. Was das Thema Sauberkeit in der Stadt angeht, versprach jeder ein schnelles Handeln und, nicht nur in diesem Bereich, das Ehrenamt besser zu unterstützen – sei es finanziell oder durch Ansprechpartner in der Verwaltung.

Und wie steht’s um den Humor?

Martin Bültge lockerte die Runde etwas auf, indem er fragte, wie es die Kandidaten mit dem Humor hielten. Annette Rabausch rühmte sich damit, als gebürtige Badenerin für jeden Spaß zu haben zu sein. Walter erzählte kurzerhand seinen Lieblingswitz, den Sapper bis er an der Reihe war, seiner Aussage zufolge wohl schon wieder vergessen hatte, denn: „Ich liebe Witze, kann sie mir aber nicht merken.“

Häring lacht am allerliebsten über sich selbst, und laut Rein braucht es in Herbrechtingen erstmal einen Platz, an dem „die Leute zusammenkommen und sich die schmutzigsten Witze erzählen“.

Ernster wurde es wieder, als es um die Ärzteversorgung ging. Die Frage war, wie die Kandidaten junge Ärzte dazu bewegen würden, sich in Herbrechtingen niederzulassen. Einig waren sich alle – egal ob mit Ärztehaus oder medizinischem Versorgungszentrum –, dass man mehr Anreize hinsichtlich Infrastruktur und Bauplätzen schaffen müsse. Walter regte an, jungen Menschen das Medizinstudium zu finanzieren, mit der Bedingung, dass sie sich hinterher in Herbrechtingen niederlassen. Vogt zielte ebenfalls auf die jungen Ärzte ab: „Wir müssen bei den Studenten ansetzen und sie für Praktika vor Ort anwerben.“

Bunt gestreute Themen

Keine schnelle und praktikable Lösung fiel den Kandidaten ein, um die Lange Straße für Radfahrer nachzurüsten. Einen Ausbau des Radwege-Netzes würden hingegen alle befürworten. Wenn es um den Flächenverbrauch geht, sieht keiner der neun die Notwendigkeit, für neue Industrieansiedlungen ein riesengroßes Waldgebiet wie unlängst am Rinderberg abzuholzen. Das ehemalige Liegelind-Areal würden die meisten von ihnen wohl für ein neues Wohnquartier nutzen. „Da hilft nur der Abriss und dann Platz schaffen für eine neue Bebauung“, sagte Schmidt entschieden. Sapper regte indes noch an, Parkflächen doch auch mal in die Höhe zu bauen.

Etwa ein Drittel der rund 850 Menschen im Publikum harrte bis zum Schluss aus, um einen vollumfänglichen ersten Eindruck zu erhalten. Denn der bleibt.