Herbrechtingen / Melanie Schiele Senioren gehören zur Risikogruppe. Im Kampf gegen das Coronavirus greift das Karl-Kaipf-Heim daher zu besonderen Maßnahmen. Trotz aller Vorsicht wurde eine Pflegekraft positiv auf das Virus getestet. Wie das Seniorenheim seine Bewohner vor einer Ansteckung schützen will:

Dass sich bisher noch kein Bewohner des Karl-Kaipf-Heimes mit dem Coronavirus infiziert hat, kann man von Glück reden – oder eben von Vorkehrungen. Bereits Ende Februar haben sich die Verantwortlichen der DRK-Pflegedienste, die unter anderem das Herbrechtinger Seniorenheim betreiben, mit Covid-19 auseinandergesetzt und einen Stufenplan erstellt. Das teilt Geschäftsführer Ulrich Herkommer mit. Zuallererst führte man für die Mitarbeiter spezielle Hygiene-Schulungen durch, wie man die Übertragung des Coronavirus eindämmen kann. In einem zweiten Schritt schränkte man den Besuch von Angehörigen ein. Pro Bewohner war nur ein Gast erlaubt und dieser durfte nicht lange bleiben.

Besuch- und Aufnahmestopp

„Als die Fallzahlen im Landkreis anstiegen, war es für uns das Signal, einen kompletten Besuchsstopp zu verhängen. Das war am 15. März“, sagt Ulrich Herkommer. Darin inbegriffen sind auch externe Spezialisten wie Physiotherapeuten oder Logopäden. Außerdem wird bis auf Weiteres keine Tages- und Kurzzeitpflege angeboten, generell werden derzeit keine neuen Senioren aufgenommen.

Nicht nur der Kontakt von außerhalb wurde zurückgefahren, auch innerhalb des Pflegeheimes achtet das DRK darauf, dass so wenig Menschen wie möglich aufeinandertreffen. So wurden alle Gemeinschaftsveranstaltungen wie der wöchentliche Gottesdienst abgesagt und die Bewohner sollen sich nach Möglichkeit nur in ihren Zimmern aufhalten.

Zum Schutz der Mitarbeiter finden die Übergaben zwischen den Schichten nicht mehr im gesamten Team statt. Innerhalb der Schichten ist eine Pflegekraft nur für ein Stockwerk zuständig. Um Begegnungen mit anderen Stationen zu vermeiden, werden unterschiedliche Treppen und Aufzüge benutzt. „Diese Maßnahmen sind wichtig, um den Dienst aufrechterhalten zu können, wenn ein Mitarbeiter infiziert ist oder es im Bekanntenkreis der Mitarbeiter einen Corona-Fall gibt“, so der Geschäftsführer.

Pflegekraft positiv getestet

Trotz aller Vorsicht wurde eine Pflegekraft des Karl-Kaipf-Heimes positiv auf das Virus getestet. „Glücklicherweise waren die Tests der Kollegen und Bewohner negativ.“

Die erkrankte Pflegekraft ging auf Anweisung des Gesundheitsamtes sofort in häusliche Quarantäne und hat bisher auch keinen Kontakt mehr zum Heim.

In einer früheren Version dieses Textes hieß es, dass die besagte Pflegekraft aufgrund einer Sonderregelung trotz der Erkrankung weiterhin mit Schutzkleidung in dem Pflegeheim arbeite. Das ist jedoch falsch: Die erkrankte Pflegekraft arbeitet selbstverständlich nicht trotz Erkrankung weiterhin in dem Seniorenheim, sondern befindet sich in häuslicher Isolation.

Als Kontaktpersonen mussten 25 Heimmitarbeiter in häusliche Quarantäne. Dadurch hatte das Heim einen relevanten Personalmangel. In dieser Lage gestattete das Gesundheitsamts, dass symptomfreie Pflegekräfte ihre Quarantäne verlassen können, um unter Schutzkleidung im Heim mitarbeiten zu können.

Ohne Panik mit der Situation umgehen

Sollte ein Bewohner an dem Virus erkranken, wird mit dem behandelnden Arzt abgestimmt, ob der Patient in die Klinik kommt oder vor Ort isoliert wird. Da sich Senioren schnell mit der Influenza oder einem multiresistenten Keim anstecken können, ist man im Karl-Kaipf-Heim auf Infektionen vorbereitet, auch wenn sich diese nicht mit einer Corona-Pandemie vergleichen lassen. „Wir tun alles dafür, dass dieser Fall nicht eintritt. Bisher haben wir die Lage im Griff, weil wir früh gehandelt haben und unser Personal ohne Panik, dafür mit dem nötigen Respekt mit der Krise umgeht.“

Emotional belastend

Herkommer rechnet damit, dass das Kontaktverbot noch eine Weile andauern wird, was sowohl für die Angehörigen als auch für die Bewohner emotional belastend ist. Daher versuchen die Pflegekräfte, nach Wunsch Telefongespräche mit der Familie zu organisieren. „Ältere Menschen gehören zur Risikogruppe. Sie gilt es im besonderen Maße zu schützen.“ Immerhin erwartet das Pflegeheim in nächster Zeit keinen Engpass bei Schutzkleidung und Desinfektionsmitteln.

Coronavirus im Paul-Gerhardt-Stift Zahl der Infizierten ist deutlich gestiegen

Die Situation im Giengener Seniorenwohnheim Paul-Gerhardt-Stift ist angespannt. Nicht nur unter den Bewohnern gibt es mehr Menschen, die sich mit Covid-19 angesteckt haben.

Weil eine Bewohnerin Symptome aufwies, wurde sie auf Covid-19 getestet. Ergebnis: positiv. Nicht nur sie hatte sich angesteckt. Wie es dazu kam, ist offen.

Drei Pflegeheime, ein Plan

Die DRK-Pflegedienste betreiben neben dem Karl-Kaipf-Heim in Herbrechtingen auch das Altenhilfezentrum in Steinheim sowie das Haus der Pflege in Heidenheim. Der Stufenplan gilt für alle Häuser. Jeden Tag telefoniert die Geschäftsführung die drei Pflegeheime ab, um den Gesundheitszustand zu erfragen.

Auch beim Dienst „Essen auf Rädern“ werden direkte Kontakte vermieden. Die Fahrer stellen die im Karl-Kaipf-Heim gekochten Mahlzeiten vor der Haustür der Senioren ab und müssen Mund- und Handschutz tragen. In den Fahrzeugen stehen Desinfektionsmittel bereit. mel