Bolheim / Günter Trittner Im Karst der Albhochfläche sind Hülben ein wichtiger Wasserspeicher. Im Wald dienen sie den Tieren als Tränke und sind Heimat für seltene Lebewesen. Die verlandeten Hülben in Bolheim wurden von Laub befreit und sollen wieder ökologische Oasen sein.

„Ich habe sie zuerst gar nicht gefunden“, gesteht Karin Baur. Und das liegt nicht daran, dass die Forstfachfrau aus Bartholomä erst seit Kurzem die Revierleitung im Herbrechtinger Forst innehat. Die gesuchte Kühtau-Hülbe im Scheiterhau oberhalb von Bolheim war fast völlig verschlammt. Und dabei hat sie stattliche Ausmaße.

Doch das Laub, das über die Jahre zahlreiche Buchen, Weiden und andere Laubbäume auf dem Gewässer verteilt haben, haben die Hülbe, die einen Durchmesser von gut 30 Metern hat, auf einen kleinen Tümpel schrumpfen lassen. „Da hat sich gut zehn oder 20 Jahre niemand mehr darum gekümmert“, vermutet Baur.

Das hat sich nun in dieser Woche geändert. Baur hat sich zum Ziel genommen, verlandete Hülben im Stadtwald wieder in einen ordentlichen Zustand zu bringen. Für kommendes Jahr hat sie schon eine weitere im Auge.

Die einzigen Stillgewässer

Auf der karstigen Albfläche sind Hülben das einzige Stillgewässer. Sie bilden sich in Mulden, in denen Tonschichten verhindern, dass das Wasser versickert. Sie wurden auch künstlich als Viehtränke angelegt. Ob die Kühtau-Hülbe von Menschenhand geformt wurde oder natürlich entstanden ist, kann laut Baur heute nicht mehr festgestellt werden. „Auf jeden Fall ist sie sehr alt.“ Die umstehenden Fichten schätzt sie auf 80 Jahre.

Das Besondere an dieser Hülbe ist, dass sie ein kleines Torfmoor einschließt. So steht es in der Biotop-Kartei und so kann man es auch vor Ort feststellen. Die Weiden im Becken wachsen auf einer kleinen schwimmenden Insel. Entsprechend vorsichtig fährt Peter Schupp, der für die Amerdinger Firma Kurt Weiß seit Jahren für die Hülbenpflege im Einsatz ist, die breite Baggerschaufel aus, mit der er die Laubmasse aus dem Wasser zieht. „Er darf nicht die Tonschicht am Boden zerstören, denn dann ist die Hülbe undicht“, sagt Baur.

Eine Hülbe ist eine Tränke für die Tiere des Waldes. An ihr suhlen sich die Wildschweine. Sie ist auch ein Biotop mit einer ihr eigentümlichen Fauna und Flora. Das können Frösche, Kröten, Molche, Libellen sein, das können Binsen und Seggen sein. „Es ist eine ökologische Nische.“ Damit die Kühtau-Hülbe eine solche bleibt, hat Baur fünf mächtige Buchen am Ufer fällen lassen, um den Laubeintrag zu hindern. Eine ortsbildprägende Linde bleibt stehen und auch der schon stark von Pilzen befallene Baum, der im Wasser wurzelt. „Das ist Totholz.“ Auch mit dem Laub, das ausgebaggert wird, nimmt man es genau. Es wird so weit von der Hülbe entfernt deponiert, dass die Nährstoffe nicht mehr eingeschwemmt werden können, aber so nah, dass mit ausgebaggerte Kleintiere ihren Weg ins Wasser zurückfinden.

Hülbe zum Durchlaufen

Deutlich kleiner ist eine Hülbe im nur wenige hundert Meter entfernten Rothau. Dieser war aber völlig verlandet. „Man konnte durchlaufen.“ Inzwischen ist sie bis auf die Tonschicht ausgeräumt. „Wenn es jetzt regnet oder schneit, wäre das schön.“ Baur hofft, dass sich das Becken bis Frühjahr wieder füllt. Ansonsten kann man die Hülbe getrost sich selbst überlassen: „Man braucht hier nichts pflanzen, nur Geduld.“

440 Hülben gibt es im Landkreis

Ungefähr 440 Hülben sind im Landkreis bekannt. Zum Teil handelt sich sich auch um Gruben, die in früheren Zeiten beim Abbau von Bohnerz einstanden sind.

Im Jahr 2018 hat die im Landratsamt angesiedelte Forstverwaltung gleich 23 Hülben einer Pflege unterzogen. In den Bereichen Küpfendorf, Königsbronn, Zang, Stubental, Mergelstetten, Ochsenberg und Dettingen wurden sie so hergerichtet, dass sie wieder ökologische Oasen sind. gt