Herbrechtingen / Günter Trittner Seit 30 Jahren gibt es den Verein der Pontos-Griechen in Herbrechtingen. Groß gefeiert wird das Jubiläum in der Bibrishalle. Am 6. Oktober können Interessierte ins Vereinsheim kommen.

Im Jahr 1989 hat sich in Herbrechtingen unter dem Namen Akrites der Verein der Griechen aus Pontos formiert. Das 30-jährige Bestehen wird nun am 5. und 6. Oktober groß gefeiert. Mit 400 Besuchern in der neuen Bibrishalle rechnet Nondas Kalpakidis, ein Vorstandsmitglied des Vereins.

Aus der Heimat vertrieben

Aber es gibt ein Datum, das sich viel tiefer in das Gedächtnis der Pontos-Griechen eingeprägt hat. 1923 wurde die Volksgruppe von den Türken aus ihrer Heimat an der Küste des Schwarzen Meeres vertrieben. Vorausgegangen waren seit Beginn des Ersten Weltkriegs Jahre der Verfolgung durch das Osmanische Reich. Diese Kultur der Schwarzmeer-Griechen zu bewahren, ihre Trachten, ihre Tänze, ihre zur Lyra gesungenen Lieder, ihre stark dem Altgriechischen verhaftete Sprache, diesem Ziel hat sich der Verein Akrites verschrieben.

Für alle offen

Dieses Bewahren der Tradition darf, so Kalpakidis, nicht als Abgrenzung missverstanden werden. „Wir sind zu 100 Prozent Griechen.“ Und integriert in Herbrechtingen fühlt sich die dritte Generation der meist in den 60er-Jahren angeworbenen Gastarbeiter sowieso. „Wir pflegen Kontakt zu allen und legen viel Wert darauf.“

140 Mitglieder im Verein

Ein Ort der Tradition ist auch das 2006 erbaute Vereinsheim im Vohenstein geworden. Hier treffen sich die 40 Tänzerinnen und Tänzer des 140 Mitglieder zählenden Vereins zum Üben, hier hat die Jugend ihren Platz, hier möchte Kalpakidis sogar eine eigene Bücherei einrichten. Hier hängt auch die große Karte, welche die früheren Wohnorte der Pontos-Griechen am türkischen Ufer des Schwarzen Meers zeigt, hängen Fotos mit den alten Trachten.

Einwanderungswelle aus Griechenland

Während der Sommermonate wird im Vereinsheim sonntags für Besucher auf der überdachten Terrasse auf Holzkohle gegrillt. 80 Prozent der Gäste schätzt Athanasios Kyriakidis, ebenfalls Mitglied im deutlich verjüngten Vorstand des Vereins Akrites, sind Nicht-Griechen. Der Zuspruch sei sehr gut, sagt auch Kalpakidis. „Wir müssen schon etwas bremsen. Wir sind ja kein Restaurant.“ Kyriakidis Eltern sind erst 1991 nach Deutschland und Herbrechtingen gekommen. Im Verein spricht man derzeit von einer weiteren Einwanderungswelle aus Griechenland. „Wir spüren die Krise dort.“ Teils kehrten ehemalige Gastarbeiter aus Griechenland zurück, weil sie in ihrer alten Heimat nicht mehr Fuß fassen könnten, teils führe die wirtschaftliche Situation dazu, dass Griechen ihr Glück wieder in der Ferne suchten.

Größte griechische Gemeinde im Landkreis

In Herbrechtingen ist mit rund 1000 Personen die größte griechische Gemeinde im Landkreis versammelt. Das hat mit den Arbeitgebern Osram und BSH in Giengen zu tun. Auch deswegen hatte man sich für den Bau eines Vereinsheims im Vohenstein entschieden, damit auch die Griechen aus Giengen einen kurzen Weg zum neuen Treff haben.

Nach der Festveranstaltung am 5. Oktober in der neuen Bibrishalle, bei der auch Bürgermeister Daniel Vogt ein Grußwort halten wird und abends die Tänzer auftreten, möchte der Verein am Sonntag, 6. Oktober, allen Interessierten das Vereinsheim vorstellen. Damit alles gut ausschaut, bekommen Haus und der als Lager genutzte Container noch einen neuen Anstrich und entlang des Hauses wird ein Walk of History angelegt. Auf gravierten, im Boden eingelassenen Metallplatten, werden die wichtigsten Jahreszahlen der Vereinsgeschichte verewigt. Auf Griechisch, Deutsch und Englisch.

Investitionen in Kultur

„Wir haben bisher viel in das Gebäude investiert“, meint Kalpakidis, „wir möchten jetzt mehr für die Kultur und die Jugend tun.“ So soll es im Bücherraum eine Leseecke und einen Spielbereich für Kinder geben, Kalpakidis könnte sich im Vereinsheim sogar Lesungen vorstellen. „Dies ist nur der erste Schritt, viele werden noch folgen.“