Dieses Schuljahr hat die Bibrisschule den sukzessiven Wandel von der Grund- und Werkrealschule zur Gemeinschaftsschule eingeleitet. Für die 41 Fünfer stehen zwei Klassenzimmer und zwei Nebenräume zur Verfügung. 35 Stunden haben sie pro Woche Unterricht in der Gemeinschaftsschule, drei Nachmittage eingeschlossen. „Wir sind eine gebundene Ganztagesschule“, sagt Rektor Roland Widmann. Das heißt, die Kinder bleiben an der Schule, essen in der Mensa, und seit Kurzem ist die Betreuung während der Mittagszeit durch Mitarbeiter des Jugendhauses gewährleistet.

Bis das Land einen eigenen Bildungsplan für die neue Schulart erstellt hat, gelten an der Gemeinschaftsschule die Vorgaben für eine Realschule. Anders als dort gibt es aber kein Durchfallen mehr und auch keine Noten – es sei denn, die Eltern wünschten ein Zeugnis wie gehabt. Dafür gibt es andere klare Vorgaben: „Kein Schüler wird zurückgelassen, jedes Kind wird ernst genommen“, sagt Rektor Widmann.

Werner Kobes und Bettina Ehringer stellen sich als Lehrer dieser Aufgabe und sind ihrerseits auch noch Lernende. „Der Zeitaufwand für uns ist viel höher“, sagen beide Pädagogen. Denn damit die Schüler lernen, ihr Lernen selbst zu organisieren, müssen ihre Begleiter viel planen, beobachten und eine helfende Hand haben. Und all dies in „ganz kleinen Schritten.“ Zum Wochenbeginn wird in großer Runde mit allen Schülern besprochen, was zu deren Ende gekonnt sein sollte. Dazwischen gibt es eine Fülle von Übungseinheiten, welche im Lerntagebuch verankert werden. Ob er heute Vormittag Mathematik machen möchte oder doch lieber Deutsch, das entscheidet der Schüler für sich. Gern darf er auch weiter am herbstlichen Igelbild malen. Dennoch, am Ende der Woche sollten hinter den Einheiten Häkchen der Schüler stehen. Erledigt. Aufgabe der Pädagogen bleibt es zu fordern und zu fördern, nachzulegen, wo es not tut, weitere Ziele zu stecken, wenn es schon gut läuft. „Es passiert viel im Gespräch“ erläutert Kobes. Keinesfalls werde auf die Schüler Druck ausgeübt. „Es ist nicht schlimm, wenn die Lerntempi bei den Kindern unterschiedlich sind.“ Geübt werde so lange, bis es geht.

„Die Kinder lernen sich selbst zu organisieren“, kann Ehringer nach diesen ersten Wochen sagen. Wie das geschieht, können auch Eltern über das Lerntagebuch ihres Kindes verfolgen. Dieses offene Protokoll erlaubt ihnen einen bisher nicht gekannten Einblick in den Schulalltag. Sie sehen unmittelbar, wo es bei ihren Kindern klemmt und wo es gut läuft. Eine Hausaufgabenkontrolle entfällt. Denn Hausaufgaben sind in der Gemeinschaftsschule nicht vorgesehen. „Außer die Kinder wollen selbst üben.“

Im Lerntagebuch geht es aber auch ums Sozialverhalten. Die Schüler tragen in einer Zielscheibe ein, wie sie sich sehen: ordentlich, aufmerksam, respektvoll. Die Lehrer setzen ihre Markierungen. „Wir liegen da meist nicht weit auseinander“, hat Ehringer festgestellt. Auch in diesen Teil des Lerntagebuchs haben die Eltern Einsicht.

Beide Lernbegleiter haben Fortbildungsveranstaltungen für den Unterricht an Gemeinschaftsschulen besucht und tun dies auch weiterhin. Aber es gibt noch nicht Erfahrungswerte in Fülle mit der gerade zwei Jahre alten Schulart und diese gelten nur für die ersten Klassenstufen. „Es ist auch für uns Neuland“, betonen Kobes und Ehringer. Aber eines, in dem sie sehr gerne unterwegs sind. Die über allem stehende goldene Regel in ihren Klassen schließt Schüler und Lehrer ein. „Wir fühlen uns hier wohl.“

Mit der technischen Ausstattung und der Möblierung der Gemeinschaftsschule ist Schulleiter Widmann sehr zufrieden. Die Nebenräume zu den Klassenzimmern werden in Bälde ebenfalls zur Verfügung stehen. Mit dem jährlichen Wachstum der Gemeinschaftschule um zwei Klassen sieht Widmann freilich Engpässe bei der Mensa vorher. Erfreulicher ist eine andere Perspektive, die auf der räumlichen Nachbarschaft mit dem Buigen-Gymnasium beruht. Wenn ein Schüler der Gemeinschaftsschule bei seinen Leistungen so glänzt, dass er ein Gymnasiast werden kann, dann braucht er nicht seinen Schulort wechseln, sondern nur ein Klassenzimmer.