Bissingen / Günter Trittner Seit Juni 2018 ist die Eremitage am Ortsrand von Bissingen wegen Baufälligkeit gesperrt. Nun liegt ein mit dem Denkmalschutz abgestimmtes Sanierungskonzept vor. Baubeginn ist April 2020.

Die Schreckensnachricht datiert auf den Juni 2018. Wegen Baufälligkeit musste die katholische Kirchengemeinde ihre Leonhardskapelle am Ortsrand von Bissingen bis auf Weiteres schließen. Eindringendes Wasser hatte in dem um 1700 errichteten Gebäude derart schwere Schäden an Dachstuhl und Decke bewirkt, dass Handlungszwang hinsichtlich einer Sperrung gegeben war. Stuckelemente und kleine Deckenteile waren bereits auf den Boden gefallen. Die Empore mit dem Harmonium war abgesackt, im Vorraum hatte sich Schimmel gebildet. Für die Decke wurde damals unverzüglich eine Notsicherung eingebaut.

Ein gutes Jahr später kann Gemeindepfarrer und Dekan Sven van Meegen mit einer guten Nachricht aufwarten. In Absprache mit dem Landesdenkmalamt hat der von der Kirchengemeinde beauftragte Architekt Elmar Weber ein Sanierungskonzept ausgearbeitet, das ab April 2020 umgesetzt werden soll.

Eine von drei Eremitagen

Diese Mühe wird auf ein Kirchengebäude verwendet, wie man es heute nur noch sehr selten findet. Bei der Leonhardskapelle mit dem angebauten Wohntrakt handelt es sich um eine Eremitage. Allenfalls drei solcher Einsiedeleien, schätzt Dekan van Meegen, gebe es in der Diözese Rottenburg-Stuttgart.

Bereits um 1400 dürfte an eine Vorgängerkirche an dieser Stelle über dem Lonetal gestanden haben. 1588 wurden Kirche und Eremitage erstmals urkundlich erwähnt. Die heutige Kapelle wurde um 1700 gebaut, das Wohnhaus kam 1790 dazu. Eine Handvoll großer Instandsetzungarbeiten folgte in den nachfolgenden Jahrzehnten, Dach und Turm waren zuletzt 1972 erneuert worden. 2006 folgten noch eine Außenrenovation, bei der man auch versucht hat, die Fundamente weitgehend trocken zu legen.

Die nun folgenden Sanierungsmaßnahmen werden in enger Absprache mit dem Landesamt für Denkmalpflege ausgeführt. Vorrang hat die Erhaltung der alten Bausubstanz. Ausgetauscht werden nur die zerstörten Abschnitte der Bauteile. Die vorbereitenden Untersuchungen waren schon vor vier Jahren begonnen worden, weit vor der im Juni 2018 vorgenommenen Schließung also.

Zu Umbauten wird es zudem im Wohnhaus kommen. Im Erdgeschoss wird eine Sakristei eingebaut sowie ein Hausmeister- und Technikraum und eine barrierefreie Toilette. Im Obergeschoss werden die nicht denkmalgerechten Einbauten entfernt. Eine Nutzung dieser Etage ist in Zukunft jedoch nicht vorgesehen.

Gedenktag ist am 6. November

Der heilige Leonhard war ein Eremit, Klostergründer und Abt aus dem 6. Jahrhundert, der bei Limoges im heutigen Frankreich gelebt haben soll. Er soll zwischen 500 und 560 gelebt und gewirkt haben. Von Leonhard von Noblat ist überliefert, dass er sich um Gefangene gekümmert und diese zu Handwerkern ausgebildet hat. Er gilt als Schutzpatron derer, die in Fesseln liegen. Im ländlichen Bereich bezogen dies die Bauern auch die von ihnen gehaltenen Nutztiere. So wurde er nach der Reformation zum Schutzheiligen der Haustiere. Besonders verehrt wurde Leonhard im bayerischen und österreichischen Raum. Weithin bekannt sind heute noch die Wallfahrtsritte zu Pferd. Sein Gedenktag ist der 6. November. 1588 wurde erstmals Leonhard (damals Lienhard) als Patron der Bissinger Kirche genannt.