Es schwirrt und rauscht in der Luft, dass es eine Freude ist. Zumindest für Daniel und und Christina Bücheler. Und nicht weniger für Ulrich Trittler. Der Sprecher des Herbrechtinger Naturschutzbundes ist auf den Ugenhof gekommen, um dem Ehepaar, das seit Jahresbeginn dort die Reitaanlage und Pferdepension leitet, die Nabu-Medaille für ein schwalbenfreundliches Haus zu übergeben.

Schwalbenidyll: Ugenhof bei Bolheim erhält Auszeichnung des Naturschutzbundes

Bildergalerie Schwalbenidyll: Ugenhof bei Bolheim erhält Auszeichnung des Naturschutzbundes

200 Schwalben auf der Stromleitung

Das Wort Haus ist im Fall Büchele etwas zu klein gegriffen. Denn die Schwalben beleben die ganzen Stallungen. Daniel Bücheler hat einmal den Versuch unternommen, den Bestand zu zählen. Allein auf den drei Kabeln der Stromleitung, die den Hof überspannt, saßen 200 Tiere.

Zuhause bei Büchelers sind Mehlschwalben und Rauchschwalben. Die Rauchschwalben, die in Höhlen gebrütet haben, legen ihre Nester im Gebäude an, die Mehlschwalben, welche einst ihre Eier an Felsen ausgebrütet haben, bauen ihre Nester an den Außenmauern unter den Dachvvorsprüngen. 1500 kleine Lehmkügelchen stecken in so einem Nest, hat Trittler nachgelesen, der angesichts des Verhaltens der Schwalben auf dem Ugenhof aber auch Abstriche bei den geltenden Lehrmeinungen machen muss. Denn hier sind einige Mehlschwalben in den Stall Haus geschlüpft, und haben dort ihre Nester auf Brettern unter der Decke gebaut. Wie auch immer, die Verhältnisse, die Trittler auf dem Ugenhof für die Schwalben vorfindet, seien vorbildlich. „Ich bin richtig begeistert“. Dazu gehört auch, wie Daniel Bücheler berichten kann, dass die Schwalben in einem naheliegenden Graben bei der Koppel immer Wasser finden.

Ehre gilt auch den Vorbesitzern

Geradezu zum Schwalbenidyll wird der Ugenhof, weil auch der benachbarte Bio-Bauernhof der Familien Bihlmaier sich um diese Vögel kümmert und seinerseits bereits die Auszeichnung des Nabu für ein schwalbenfreundliches Haus erhalten hat. Für die Reitanlage wollen Daniel und Christina Bücheler diese Ehre aber nicht für sich allein annehmen. Sie führten nur fort, was die Vorbesitzer Wolfgang und Carin Ziegler für den Erhalt des Bestands der Schwalben getan haben.

Gefährdet, so Trittler, seien die Schwalben einmal den wachsenden Insektenschwund, aber auch, weil sie an vielen Orten und auch in der Landwirtschaft nicht mehr gelitten seien. „Es gibt immer mehr unverständige Menschen“, bedauert Trittler, der aber weiß, dass gerade bei Rauchschwalben, die in den Ställen brüten, es für Landwirte auch berechtigte hygienische Bedenken geben kann. Der Kot der Tiere ist auch in den Stallungen der Reitanlage Ugenhof nicht zu übersehen.

Mehr Schwalben – weniger Mücken

Doch bei der Familie Bücheler, bei der auch Hunde und Katzen ein Zuhause haben, stört man sich nicht daran, dass ab und zu eine Extra-Reinigung ansteht. Hat doch die Zahl der Schwalben auch Auswirkungen auf die Zahl oft unerwünschter Insekten. „Dafür haben wir weniger Mücken“, lacht Christina Bücheler. Fluginsekten sind die Hauptspeise der Schwalben. Wenn es dunkel wird übernehmen diese Aufgabe auf dem Hof dann die Fledermäuse.

Auch der Haussperling fühlt sich auf dem Ugenhof wohl. Was Trittler nicht wundert angesichts des Angebots an Hafer und Pferdemist. Gerade aber der so bekannte Haussperling, so Trittler, habe den höchsten Bestandsverlust zu verzeichnen.

Anstrengungen in Bissingen

Auch in Bissingen bemüht man sich Schwalben Unterkunft zu bieten. Auf Anregung von Bissinger Bürgern hin möchte die Stadtverwaltung am Ortseingang ein Haus für Mehlschwalben mit 44 Nistplätzen aufstellen. Dafür wurde ein Zuschuss beim Landschaftserhaltungsverband beantragt, der aber bisher nicht beschieden ist. Am 3. März, so Beigeordneter Thomas Diem, habe man den letzten Kontakt mit dem Verband gehabt. Die Stadt hatte auch bereits Angebote eingeholt, um die Ausgaben für ein Schwalbenhaus besser taxieren zu können. Zwischen 10.000 und 17.000 Euro, so Diem, seien verlangt worden. Das Aufstellen eines Schwalbenhauses wird auch deswegen aufwendig, weil die Plattform mit den Nistplätzen vier Meter über dem Boden liegen soll. Damit, so Diem, wolle man ausschließen, dass die Vögel beim An- und Abflug mit einem Kfz kollidieren können.