Herbrechtingen / Elena Kretschmer In einer außerordentlichen Hauptversammlung haben die Mitglieder des Herbrechtinger Obst- und Gartenbauvereins hitzig darüber diskutiert, ob und in welcher Form das Bauvorhaben sinnvoll ist.

Bauen oder nicht bauen? Das war bei der außerordentlichen Hauptversammlung des Obst- und Gartenbauvereins Herbrechtingen die ganz große Frage. Konkret ging es darum, in naher Zukunft ein Vereinsheim auf dem Gelände des Lehrgartens zu errichten. Das Treffen hatte die Vorstandschaft eigens anberaumt, um endlich Nägel mit Köpfen zu machen.

Denn bereits bei der regulären Hauptversammlung im Februar hatte man das Thema vertagt, nachdem ein Angebot wegen zu hoher Kosten von der Mehrheit der Mitglieder abgelehnt worden war. „Deshalb haben wir nach Alternativen gesucht und die wollen wir euch heute vorstellen“, sagte der Vorsitzende Thomas Knoll bei seiner Begrüßung im „Grünen Baum“.

Container oder Blockhütte?

Sein Vorschlag war eine mit Metallelementen verstärkte Containerhütte, 4,80 auf 6 Meter groß, die auf einem Punkt- oder Streifenfundament errichtet wird. „Wenn wir sie in Weiß nehmen, ist es 3000 Euro billiger“, erklärte er den 25 anwesenden Mitgliedern. Die Kosten für diese Variante würden sich mit Transport, Fundament, Aufstellen, Spülmaschine etc. auf rund 19 500 Euro belaufen.

Da die Farbe auf leichtes Missfallen stieß, äußerte er die Idee, das Haus von den Graffiti-Künstlern verschönern zu lassen, die schon an der alten Bibrishalle zu Gange waren. So könne man auch das Vereinslogo anbringen. Er regte an, Crowd Funding für die Finanzierung in Betracht zu ziehen und riet dazu, schnell eine Entscheidung zu treffen. Schließlich sei die Firma Weiß momentan noch vor Ort, die ihnen bei den Erdarbeiten helfen würde. „Die Lieferzeit beträgt zwei Monate und wenn wir es heuer noch nutzen wollen, sollten wir das heute beschließen“, fügte Knoll hinzu.

Vorschlag Nummer zwei kam von Kassierer Hanns-Helmut Kübler. Er plädierte für eine 8,50 auf 6 Meter große Blockhütte aus nordischer Kiefer. Mit einem Grundpreis von 10 000 Euro wäre diese unwesentlich günstiger als Knolls Vorschlag. Man müsste sie allerdings selber aufbauen und hätte keine zwei Jahre Garantie, dafür mehr Fläche. Kosten für diese Variante: etwa 21 600 Euro.

Nachdem die Mitglieder zunächst eifrig über die Frage diskutiert hatten, ob die Toiletten jeweils behindertengerecht und groß genug seien, kam relativ schnell die Frage nach den Finanzen auf. Knoll wusste, dass etwa 29 000 Euro in der Kasse sind und die Einnahmen 2018 bei etwa 2200 Euro lagen. Doch das schien nicht genug. „Wenn wir die genauen Finanzen nicht kennen, können wir das heute nicht beschließen“, äußerte Horst Ebert eindringlich. Es gebe schlichtweg noch zu viele Fragezeichen.

Zudem wurde der Vorwurf laut, dass nicht jedes Mitglied per Post zur außerordentlichen Versammlung geladen wurde. Knoll versicherte, dass mit der Ausschreibung in der Buigen-Rundschau alles korrekt vonstatten gegangen sei. Ebert hakte nach, ob überhaupt ein Beschluss vorliege, dass das Bauvorhaben an diesem Abend beschlossen wird. Schriftführerin Elisabeth Haag klärte auf, dass dieser am Montag, 22. Juli, gefasst worden war.

Angeprangert wurde außerdem, dass alles zu schwammig sei – zumal man eigentlich nur über eine Variante entscheiden wollte und plötzlich eine zweite ins Spiel gekommen war. Während sich die einen darum sorgten, wie man die ganzen Geräte in der Hütte unterbringt, machten sich andere darüber Gedanken, ob es in der Containerhütte im Sommer nicht zu heiß wird. Der geringe Zuschuss der Stadt von 700 Euro wurde ebenfalls bemängelt, doch Knoll relativierte, dass das so üblich sei.

Trotz hitziger Diskussionen wurde am Ende über Knolls Container-Variante abgestimmt. Da eine geheime Wahl gewünscht wurde, musste jeder „ja“ oder „nein“ auf einen Zettel schreiben. Enthaltungen wurden als ein Nein gewertet. Am Ende stimmten elf Mitglieder für Ja und zwölf für Nein. Fader Beigeschmack: Zwei Mitglieder waren zur Abstimmung nicht im Raum und wurden ausgeschlossen. Matthias Jörg beschwerte sich: „Meine Frau und ich mussten bedienen. Das ist doch nicht fair.“

Noch ein Versuch für eine Entscheidung

Obwohl sich die Mitglieder bei der außerordentlichen Sitzung gegen den Bau des Vereinsheims entschieden haben, ist das Thema noch nicht vom Tisch. Bei der nächsten Hauptversammlung im Februar soll alles nochmal aufgerollt werden, dann mit konkreten Zahlen. ek