Herbrechtingen / Hans-Peter Leitenberger Ob Deutsch, Italienisch oder Englisch, ob Rock, Folk oder Balladen - Vielfalt ist ihr Programm: „Olimpia & the Diners“ spielten am Wochenende im Kloster Herbrechtingen.

„Wir zünden jetzt die zweite Stufe unseres Jubiläumstreibsatzes“, begrüßte Harald Uherek vom Verein „Kultur im Kloster“ am Samstagabend freudestrahlend die etwa 80 Besucher im Karlssaal des Herbrechtinger Klosters. Seit 25 Jahren gibt es den rührigen Verein, dem es immer gelang, ein besonderes Programm zu bieten. Mit dem fulminanten Liederabend mit „Olimpia &the Diners“ bewiesen die Kulturschaffenden erneut eine glückliche Hand.

Waschechte Europäerin

Olimpia Casa, in Geislingen geboren, die Eltern aus Sizilien und Neapel, sang Italienisch wie Deutsch und moderierte mit schwäbischem Zungenschlag. Eine waschechte Europäerin sozusagen. Gitarrist und Ehemann Timo Deininger lieferte saftige Licks, Bassist Friedrich Kienle setzte markante Akzente und Martin Sauer zeigte Deftiges wie Duftiges an den Drums.

Die Gruppe bot weitgehend Selbstgemachtes mit einer Lässigkeit und Sangesfreude, die mitriss. „Kleiner Vogel Menschlichkeit“ erklang bei Casas kraftvoller Altstimme als Appell ohne moralischen Zeigefinger. Nur Verschiedenartigkeit mache reich, hieß es da, und Religion wie Glaube seien keine Gründe, sich zu bekriegen. Aktueller könnte es kaum gehen.

Wohltuend waren die herrliche Melodik und die aufwühlenden Harmonien, dazu der federnde Rhythmus, die italienische Mischung aus Leidenschaft und Melancholie, gespickt mit viel Humor und Lebensfreude. Das Temperamentbündel Olimpia Casa bot nicht nur intelligente Texte. Ihre Melodien strömten in eingängigen Harmonien und deftiger Rhythmik.

Bei „Malinconia“ wurde es orientalisch mit sitar-ähnlichen Figuren auf Tim Deiningers Gitarre. Die furiosen Steigerungen erwiesen sich als Schwerarbeit für den Drummer, der jedoch souverän agierte. Sein ganzes Können als Gitarrist zeigte Timo Deininger bei einem mediterranen „Sundance“ mit fetzigen Läufen und perkussiven Krachern.

Sie habe noch nie in „eine Schublade gepasst“, sagte die Sängerin – und machte einfach „Musik, auf die ich Lust habe“. Ihre stimmliche Substanz und Strahlkraft sowie die schöpferische Fantasie, die in ihren eigenen Melodien und Texten herausklang, begeisterten über fast drei Stunden ohne Durchhänger.

Mit „Der letzte Stein“ widmete Olimpia Casa ein ergreifendes Stück den vielen Kindern, die misshandelt werden. Die „Kraft deiner Hiebe zu verwandeln in Mut“ kam fast wütend, aber auch entwaffnend.

„Olimpia & the Diners“ feierten ebenso wie der Verein Kultur im Kloster ihr 25-jähriges Bestehen, der 2013 geborene Sohn der Sängerin inspirierte sie zum passenden Song: Leicht rockig war da die Rede vom „Leben, als wäre es der letzte Tag, als ob es kein Morgen gibt“. Ganz im Sinne von Olimpia Casa klang es nicht nach Resignation, sondern rebellisch und fordernd.

Selbstironisch erklang die Zugabe zum Ende des Konzerts. Mit „seichten Texten“ verdiene sie ihre Millionen und: „Ich bin famos im Liedermacherklonen“. Dies gelang der Sängerin mitsamt den „Diners“ jedoch meisterlich. „Was mich glücklich macht, ist Musizieren“ kam es in einem autobiographisch geprägten Stück ganz am Schluss. Das Zuhören löste jedenfalls enorme Glücksgefühle aus.