Herbrechtingen / Günter Trittner Bei in Aussicht gestellten Kosten von 64,6 Millionen Euro für die Schulbau im Bibris fühlen die Stadträte immer noch einen Kostendruck und suchen nach Auswegen.

Auch wenn das Konzept zur Sanierung und Modernisierung der Schulen im Bibris vom Gemeinderat erst am 12. Dezember beschlossen wird, die Beratung und Fragestunde der Bürger am Donnerstagabend hat gezeigt, dass der Wille zu handeln da ist.

Allerdings hat sich auch gezeigt, dass man im Herbrechtinger Gemeinderat immer wieder gern dazu geneigt ist, Teile des Konzepts infrage zu stellen und das Verfahren somit sogar wieder auf null zu stellen.

Ausgangslage für die Beratung war die über zwei Jahre erarbeitete Konzeptstudie des Fachbüros Campus. Nach der Schreckensbotschaft vom April, dass ein neues Gebäude für alle Schularten 72 Millionen Euro kosten würde, hatte Campus in Absprache mit den Schulen die Raumfläche um 17 Prozent auf 7570 Quadratmeter reduziert, was auch den Verzicht auf eine Aula einschließt. Wachsen werden die Schulen aber trotzdem: von heute 46 000 auf 70 074 Kubikmeter.

Zudem wurde bei der Überarbeitung aus dem einem Gebäude drei: eins für das Buigen-Gymnasium, das bis auf das Skelett entkernt und neu aufgebaut wird, ein Neubau für die Bibris-Grund- und Gemeinschaftsschule und ein weiterer Neubau für Verwaltung, Lehrer und gemeinsame Fachräume beider Schulen.

Die Kosten freilich schrumpfen nicht ganz wie der Raum: Statt 72 Millionen werden 64,6 Millionen Euro erwartet. Alle drei Gebäude sind zweigeschossig geplant. „Wir könnten Ihnen diesen Weg empfehlen,“ meinte Architekt Thorismuth Gaiser, für den mit diesem Konzept der Auftrag an sein Büro erfüllt ist.

Noch offene Fragen

Was aber in vielen Köpfen im Gemeinderat noch gärte, waren die Fragen, ob man nicht noch Kosten senken könnte und nach der Reihenfolge des Baufortgangs. Begonnen werden soll mit der Bibrisschule, weil diese eine akute Raumnot hat. Doch das Buigen-Gymnasium ist in einem baulich schlechteren Zustand. Eine Vielzahl der Fenster sei schon gar nicht mehr zu öffnen, war zu hören. Verwaltung und das Büro Campus plädieren aber weiter für einen Start mit der Bibrisschule, da sich das Buigen-Gymnasium räumlich eher behelfen könne. Ab 2024 ist hier an eine Sanierung zu denken.

Eine mehrfach aufgebrachte Überlegung um Kosten zu senken zielte darauf, die neue Bibrisschule gleich dreistöckig zu bauen oder auf das dritte Gebäude gänzlich zu verzichten. Zwei Argumente standen dagegen. Eins kam vom Architekten: Um das dritte Stockwerk in der Schule sinnvoll zu füllen, müsste das komplette Raumprogramm neu überdacht werden. „Das ist hochkomplex“, warnte Gaiser, „wir geben die Klarheit der Struktur auf.“ Eine Dreigeschossigkeit konnte sich Gaiser aber beim Verwaltungs- und Fachraumtrakt in der Mitte der Gebäude vorstellen. Dieser werden zuletzt gebaut. Dann ließe sich auch noch auf aktuelle Entwicklungen in den Schulen reagieren.

Der zweite Einwand kam von Kämmerer Thomas Diem: Dieser hat bereits die Finanzierung des ersten Bauabschnitts, der 19,3 Millionen Euro kosten soll, in die Finanzplanung bis 2023 aufgenommen. Vier Millionen Euro nimmt die Stadt als Kredit auf, ihre Eigenmittel schmilzt sie von 9,7 auf 1,2 Millionen Euro ab. „Fehlen immer noch zwei Millionen Euro.“ Mit einem dritten Stock aber entstünden Mehrkosten von sieben bis acht Millionen Euro, die zusätzlich zu finanzieren wären.

Noch eine dritte Frage war im Raum: Warum nicht auch das Buigen-Gymnasium neu gebaut werde. Schließlich seien Sanierungen immer ein Risiko. Gaiser versicherte, das die Tragkonstruktion des Gebäudes vollkommen in Ordnung sei. Da die Schule „bis auf den Beton“ völlig entkernt werde, sei mit Überraschungen nicht zu rechnen.

Was die Frage nach dem finanziellen Aufwand für die Bildungseinrichtungen anbetrifft und der von Stadträtin Susanne Niesel geäußerten Sorge, danach als Stadt vielleicht mit leeren Händen dazustehen, hatte Bürgermeister Daniel Vogt seine eigene Auffassung: Wir schaffen Werte. Die junge Generation wird dafür Verständnis haben.“ Wobei auch dieses galt: „Die Summe ist eine sehr hohe.“

Holz könnte als nachhaltiger Baustoff für die Neubauten durchaus infrage kommen.