Heidenheim / Catrin Weykopf Der in den Seewiesen gestrandete Zirkus möchte sein Programm wieder aufnehmen und weiterreisen. Damit das klappt, bräuchten die Zirkusleute kleinere Auftritte und dadurch Einnahmen. Dankbar sind sie aber schon jetzt über die große Hilfsbereitschaft. Und die kommt nun sogar vom Kreistierschutzverein.

Heidenheim als Winterquartier – das hatte die Spindlers nicht geplant oder gewollt. Seit Anfang November campiert die Familie in den Seewiesen. Wohnwagen und Tiergehege stehen dort dicht zusammen. Viel Platz ist nicht – aber immerhin so viel, dass Ponys, Kamele und Ziegen Auslauf haben. Die Tiere werden vom Amtstierarzt regelmäßig begutachtet, es geht ihnen augenscheinlich gut. Sie fressen vor sich hin, sie haben eine dicke Matte Einstreu und reagieren neugierig auf jeden Besucher. Den Menschen indes geht es weniger gut. Eine schlechte Saison und eine Motorpanne führten dazu, dass die Familie plötzlich in Heidenheim festsaß.

„Wir haben uns mit der Situation abgefunden“, sagt Familienvater Stephan Spindler. „Aber klar ist auch: Wir wollen so schnell wie möglich wieder auftreten und Geld verdienen.“ Das müssen die Spindlers auch, denn lange können sie nicht mehr in den Seewiesen bleiben. Nachdem an Weihnachten der Zirkus eigene Generator kaputt ging, beschloss die Familie zudem, sich Strom legen zu lassen. Damit waren die übrigen finanziellen Reserven auch noch angegriffen.

Kleine Auftritte - dringend benötigt

„Acht bis zehn kleine Auftritte mit Kleintieren und Artistik in Schulen und Kindergärten, das würde uns jetzt helfen“, sagt Spindler, der spätestens Ende Februar wieder in die Hauptsaison starten will. Vorher habe es keinen Zweck, sagt er. „Denn die Gemeinden geben ihre Festplätze vorher nicht frei.“

Ohne Auftritte aber wird es immer schwieriger, das Futter für die Tiere und die laufenden Kosten zu bezahlen. Beim Futter allerdings bekam die Familie bereits viel Hilfe: Nicht nur Anwohner haben Brot und Obst vorbei gebracht – auch der Kreistierschutzverein hilft. Und das obwohl, wie der Vorsitzende Stefan Hitzler sagt, „wir die Haltung von Zirkustieren ganz klar und eindeutig ablehnen.“ Das Team der Tierschützer brachte dennoch bereits ein Dutzend große Ballen Stroh und Heu vorbei. „Weil es bei der zwischenzeitlichen Kälte einfach bitter nötig war“, rechtfertigt Hitzler. „Da muss man sich einfach der Realität stellen – ob wir das gut finden oder nicht.“ Das oberste Ziel sei es, dass die Tiere bei Kälte und Nässe warm stehen, so der Tierschützer. „Das Dilemma, in dem wir als Verein dabei stecken, muss da hinten anstehen.“

Helfen trotz Anfeindungen

Trotz Anfeindungen, denen sich Hitzler deswegen ausgesetzt sieht, hat er sich inzwischen durchgerungen, auch Geld zu sammeln und hat hierzu ein Spendenprojekt auf dem HZ-Portal „Unsere Hilfe zählt“ gestartet. Dort möchte der finanziell selber stets klamme Verein einige hundert Euro sammeln, um zusätzlich Futter für die Spindlers kaufen zu können. Denn die Tiere brauchen neben Stroh auch Hafer, Rübenschnitze und andere Vitaminkost. Genau dieses Futter aber lässt sich schlecht lagern und muss nachgekauft werden – bei Bedarf und nicht auf Vorrat.

Zirkusmann Spindler erklärt: „Ich muss das in Tonnen aufheben, damit es trocken bleibt. Wenn ich zu viel Futter auf einmal habe, kann ich es schlecht lagern.“ Schwierig sei es schon jetzt, wenn ihm Passanten zu viel oder die falschen Sachen bringen. „Man ist ja so dankbar und will niemanden vor den Kopf stoßen.“ Nur bittet er auch, die Tiere keinesfalls einfach vom Zaun aus zu füttern. „Wenn sie das Falsche bekommen, werden sie krank.“

Davon abgesehen aber ist Spindler „einfach nur begeistert“, über die viele Hilfe, die seiner Familie in Heidenheim zuteil wurde. Eine seiner Töchter bekräftigt ihn darin. Sie ist 16 und gehe auf die Westschule, berichtet sie. „Und ich will da jetzt unbedingt meinen Abschluss machen. Es gefällt mir da gut.“

Auf www.unsere-hilfe-zaehlt.de kann für Futter gespendet werden. Kontakt zum Zirkus ist möglich unter Telefon 0179.1955025.

Der Kreistierschutzverein sammelt außerdem Spenden für die Sanierung der Außen-Hundezwinger im Kreistierheim. Wer hierfür spenden möchte, kann dies hier tun.