München / Thomas Zeller Das Landgericht München hat am Donnerstag eine 74-Jährige zu einer langen Haftstrafe verurteilt. Die Frau hatte versucht, ihren Ehemann mit einem vergifteten Kartoffelsalat zu töten.

Das Landgericht München hat eine Rentnerin des Mordversuches und der gefährlichen Körperverletzung für schuldig befunden. Mit der hohen Strafe blieb, der Richter damit nur leicht unter der Forderung der Anklagebehörde, die für zwölf Jahre Haft plädiert hatte. Zu ihren Gunsten wertete das Gericht unter anderem das hohe Alter der Frau. Die Staatsanwaltschaft hatte der Frau vorgeworfen, ihrem Ehemann, Hans L., Frostschutzmittel in den Kartoffelsalat gemischt zu haben. Ihr Mann, ein 82-jähriger gebürtiger Heidenheimer überlebte nur knapp. Nach Ansicht der Ermittler wollte die Frau an sein Erbe.

Am 7. Mai vergangenen Jahres hatte die 74-Jährige das Frostschutzmittel in den Kartoffelsalat des Mannes gemischt. Das Opfer musste sich nach dem Essen mehrmals übergeben und brach im Flur der gemeinsamen Wohnung in München zusammen. Obwohl es dem 82-Jährigen schlecht ging, half ihm die Frau nicht und ging stattdessen ins Bett. Erst eine Freundin, die der Mann anrief, alarmierte schließlich die Rettungskräfte. Daraufhin kam er ins Krankenhaus und überlebte.

Ungefähr eine Woche musste der frühere Siemens-Ingenieur im Klinikum bleiben. Zunächst schöpfte niemand Verdacht, die Diagnose war unklar. Während des Prozesses erklärte die Rechtsmedizinerin nun, dass aufgrund der Symptome eine Vergiftung in Frage käme. Der Verteidiger der Frau führte die Symptome des Opfers auf einen leichten Schlaganfall zurück. Dieser Argumentation folgte das Gericht jedoch nicht. Es sah es als erwiesen an, dass Brigitte L. ihren Mann vergiften wollte.

Tochter gibt entscheidenden Tipp

Auf dem Handy der Frau fanden die Ermittler eine versteckte Liste, die Angaben zur tödlichen Dosierung des Frostschutzmittels enthielten. Nur weil diese Liste fehlerhaft war, sei Hans L. im Verlauf des 7. Mai nicht in München gestorben, argumentierte die Staatsanwaltschaft im Prozess.

Ein Hinweis einer Tochter von Brigitte L. hatte die Ermittlungen schließlich ins Rollen gebracht. Die Mordkommission durchsuchte die Wohnung und nahm die Frau vorläufig fest. Bis zu diesem Zeitpunkt habe sein Mandant, seiner Frau so eine Tat nicht zugetraut, sagt Anwalt Kai Burkhardt von der Münchner Kanzlei von Geldern-Crispendorf.

Bei seiner Aussage konnte sich der Mann nicht mehr erinnern, ob es sich bei dem vergifteten Essen um Kartoffelsalat gehandelt habe. Es könnten auch Maultaschen, oder Tortellini mit Pesto gewesen sein. Allerdings habe sich die 2013 geschlossene Ehe schon länger in der Krise befunden. Seine Frau beschrieb er als außerordentlich dominant. Sie sei im Gegensatz zu ihm allerdings mittellos und daher von ihm finanziell abhängig gewesen.

Nach den Angaben seines Anwalts wollte sich der Mergelstetter bereits 2017 von seiner Frau trennen und habe sie in seinem Testament enterbt. Das habe Brigitte L. bemerkt und sich daraufhin der Scheidung verweigert. Sie habe anscheinend auf den Pflichtteil spekuliert, der im Falle des Todes anfällt, so Burkhardt. Nach dem Urteil gehe der Mann nun aber davon aus, dass das Scheidungsverfahren zügig abgeschlossen werde.

Schon ein Jahr vor der Tat hat die Frau nach Ansicht der Ermittler im Internet nach Tötungsarten gesucht. In ihrem Suchverlauf fand die Polizei Begriffe wie: Wo sitzen die Bremsschläuche?, Wie bringe ich jemanden um, ohne Spuren zu hinterlassen, oder „Wie verwischt man Internet-Spuren?“ Nach ausgiebiger Recherche entschied sich die 74-Jährige dann, dafür eine Flasche mit dem Frostschutzmittel Ethylenglykol zu bestellen.

Die Staatsanwaltschaft hatte der 1944 in Berlin geborenen Frau zudem noch Betrug, Missbrauch von Titeln und Urkundenfälschung vorgeworfen. So habe sie laut Anklageschrift den Titel Diplom-Finanzwirtin verwendet, ohne dazu berechtigt gewesen zu sein. Zudem hatte sie im Internet eine Generalvollmacht heruntergeladen und darauf die Unterschrift ihres Mannes gefälscht.

Beim Prozess wurde Brigitte L. zudem mit weiteren Vorwürfen konfrontiert. Laut der Aussage eines früheren Ehemanns habe sie ihn und einen Freund mit K.o.-Tropfen betäubt. Während der Bewusstlosigkeit der beiden, sei sie ins Lokal des Freundes gefahren, um es nach Geld zu durchsuchen. Das habe die Frau ihm später gestanden. Insgesamt war die 74-Jährige bisher viermal verheiratet.