Heidenheim / Michael Brendel Im Kreis Heidenheim gibt es Ende Juli 53 Arbeitslose mehr als noch im Juni. Verantwortlich sind dafür verschiedene Gründe.

Zwei Faktoren haben dem Arbeitsmarkt in den vergangenen Wochen besonders zu schaffen gemacht: die übliche Sommerflaute und die Auswirkungen der Corona-Krise. Folge ist ein Anstieg der Arbeitslosenzahlen. Er schließt alle statistisch erfassten Personengruppen ein. Allerdings sind seit Beginn der Pandemie vor allem Jugendliche und junge Erwachsene betroffen.

Ende Juli sind im Bezirk der Agentur für Arbeit (Kreis Heidenheim und Ostalbkreis) 11 121 Männer und Frauen arbeitslos gemeldet. Das sind 280 mehr als im Juni und 3431 mehr als vor einem Jahr.

Mehr Langzeitarbeitslose

Die meisten Arbeitslosen sind mit 3865 (Juni: 3812) in Heidenheim gemeldet. In Schwäbisch Gmünd sind es 3701 (3566), in Aalen 2470 (2385), in Ellwangen 513 (498), in Bopfingen 572 (580). Die Zahl der Langzeitarbeitslosen, die seit mehr als einem Jahr ohne Beschäftigung sind, stieg um 164 auf 2512. Das entspricht einer Quote von 22,6 Prozent.

Die Arbeitslosenquote, bezogen auf alle zivilen Erwerbspersonen, nahm in Ostwürttemberg von 4,3 auf 4,4 Prozent zu. In Heidenheim stieg sie von 5,1 auf 5,2, in Schwäbisch Gmünd von 4,7 auf 4,9, in Aalen von 3,7 auf 3,9, in Ellwangen von 2,0 auf 2,1 Prozent. Einzig in Bopfingen war ein leichter Rückgang zu verzeichnen: von 3,9 auf 3,8 Prozent.

Saisonbedingte Zunahme der Arbeitslosigkeit

Elmar Zillert, Chef der auch für Heidenheim zuständigen Arbeitsagentur in Aalen, sprach am Donnerstag von einem seit Monaten anhaltenden konjunkturellen Anstieg der Arbeitslosigkeit, verursacht durch die Covid-19-Pandemie. Hinzu komme nun eine alljährlich in den Sommermonaten festzustellende und damit saisonbedingte Zunahme: „Die beginnende Urlaubs- und Ferienzeit und die damit einhergehende Zurückhaltung bei der Begründung neuer Arbeitsverhältnisse sowie die endenden Ausbildungsverhältnisse tragen zu diesem Anstieg bei.“

Als erfreulich bezeichnete Zillert, dass der Zuwachs an Arbeitslosen zwischen Juni und Juli diesmal geringer ausgefallen sei als im Vorjahr: Liegt er jetzt bei 2,6 Prozent, so waren es 2019 exakt 5,5 Prozent.

Viele Betriebe zeigten Kurzarbeit an

Dass sich der Arbeitsmarkt vergleichsweise robust zeigt, ist im Wesentlichen auf das Instrument der Kurzarbeit zurückzuführen. Ihm ist zu verdanken, dass die Zahl der Arbeitslosen nicht deutlich höher liegt. In den vergangenen vier Monaten haben im Kreis Heidenheim 1218 Betriebe eine Anzeige auf Kurzarbeitergeld gestellt, im Ostalbkreis waren es 3285.

Das bedeutet: Potenziell von Kurzarbeit betroffen sind im Kreis Heidenheim 19 476 Arbeitnehmer, im Ostalbkreis sogar 52 627. Zusammengerechnet sind das 39 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Ostwürttemberg.

Hilfestellung der Arbeitsagentur im Internet

Auf der Webseite der Bundesagentur für Arbeit (www.arbeitsagentur.de) finden Unternehmen Hilfe rund um Anzeigen zur Kurzarbeit.

Zillert geht davon aus, dass die Arbeitslosenzahlen in den nächsten Monaten weiter steigen werden, allerdings nicht mehr so stark wie im ersten Halbjahr.

Die Zahl der Arbeitslosen in der Region steigt zwar, doch nicht im befürchteten Ausmaß. In Heidenheim ist die Quote unverändert, doch es gibt starke Unterschiede zwischen den Städten in Ostwürttemberg.

Lichtblicke trotz schwieriger Umstände

Nach Einschätzung der Arbeitsagentur gibt es auf dem regionalen Arbeitsmarkt trotz der aktuell schwierigen Rahmenbedingungen auch Lichtblicke. So nahmen im Juli 654 zuvor Arbeitslose eine Arbeit auf – neun Prozent mehr als im Juni.

Der Agentur und den Jobcentern in der Region wurden im Juli 519 zu besetzende Stellen gemeldet. Das sind 36 weniger als im Juni. Bezogen auf das erste Halbjahr 2020 beträgt das Minus 62 Prozent. Den höchsten Stellenrückgang gab es beim verarbeitenden Gewerbe, im Handel und bei der Zeitarbeit.

Überraschend positiv nimmt sich bislang die Lage auf dem Ausbildungsmarkt aus. Aktuell stehen 508 noch unversorgte Bewerber 1414 Ausbildungsstellen gegenüber. Die Arbeitsverwaltung führt das auf die unverändert hohe Ausbildungsbereitschaft der Betriebe zurück. bren