Landkreis / Klaus-Dieter Kirschner Die Bürgermeister Matthias Kraut und Marcus Bremer stellen sich hinter ihre Landwirte und sprechen sich für Untersuchungen der unterirdischen Wasserströme aus.

Weil 97 Prozent des Landkreises Heidenheim Wasserschutzgebiet sind, haben nahezu alle Gemeinden massive Einschränkungen bei der Ausweisung neuer Gewerbeflächen oder Wohngebiete zu verkraften. Einmal mehr ging es beim 89. Bayerisch-Württembergischen Kommunalstammtisch um die Nitratbelastung im Grundwasser und auch darum, wie man die Probleme in den Griff bekommt. Dies auch vor dem Hintergrund, dass der Kreis Heidenheim Biomusterregion ist und der ökologische Landbau besonderen Stellenwert hat.

Heidenheims Vize-Landrat Peter Polta hatte in der Runde dazu vorgetragen. Dillingens Landrat Leo Schrell war insofern fein raus, weil es im Bayerischen diese flächige Ausweisung von Schutzgebieten nicht gibt, aber sehr wohl beiderseits der Donau auch keiner schalten und walten kann, wie er will. Die Problemgebiete sind die Wasserfassungen im Egautal und im Donauried-Hürbe-Abschnitt.

„Seit 2018 ist das Egautal wieder Problemgebiet“, erklärte Polta und sagte auch: „Wir im ländlichen Raum fördern gutes Trinkwasser aus der Tiefe, und der Ballungsraum genießt es.“

Dischingens Bürgermeister Alfons Jakl erinnerte daran, dass die Buchbrunnenquelle bei Ballmertshofen schon einmal Problemgebiet gewesen sei: „Jetzt sind wir es wieder. 15 Millionen Kubikmeter Trinkwasser holt die Landeswasserversorgung hier pro Jahr aus der Tiefe. Und dafür bekommen wir nicht einmal einen finanziellen Ausgleich.“ Insgesamt seien es weit mehr als 100 Millionen Kubikmeter, die der Zweckverband Landeswasserversorgung (LW) in Ostwürttemberg und im Donautal entnehme.

Der Niederstotzinger Bürgermeister Marcus Bremer stimmte seinem Vorredner zu, wonach die ortsansässigen Landwirte die Nitratbelastung niemals allein erzeugen würden. Niederstotzingen sei Gründungsmitglied der LW. Die Fassung 1 versorgte Hunderttausende von Menschen. Die Neuansiedlung von Firmen oder Neubaugebiete seien wegen der Ausdehnung der Schutzgebiete kaum mehr möglich. Die Probleme kämen von der Alb, sagte Bremer unter Hinweis auf bekannte Wasserströme aus dem Karst. Das Ganze müsse untersucht werden.

„Hoftorbilanz“ gefordert

Für seine Gemeinde sagte Sontheims Bürgermeister Matthias Kraut, dass sie nicht Mitglied im Zweckverband sei, dennoch aber die Fesseln genauso spüre wie andere Kommunen. Auch Kraut befürwortete eine Klärung und Bewertung der unterirdischen Wasserströme.

Eine „Hoftorbilanz“ wurde in diesem Zusammenhang verlangt. Das heißt, anhand der Daten, was rein- und was aus einem Bauernhof rausgeht, ließe sich der Nitrateintrag hochrechnen. Im Übrigen würden die Bauern sich doch eher umweltbewusster verhalten, als manche ihnen vorwerfen.

Landrat Schrell sprach kurz die Sorgen und Nöte an, die die Gemüsebauern und die Wasserversorger im vorigen, superheißen Sommer hatten. Hermaringens Bürgermeister Jürgen Mailänder kam noch auf ein anderes Problem zu sprechen, das sich so in Bayern nicht stellt: In Baden-Württemberg darf ein Wasserversorger den Landwirten keine Entschädigungen bezahlen.

Der regelmäßige Kommunalstammtisch

Beim Bayerisch-Württembergischen Kommunalstammtisch ist keine Zeit für Kartenspiel und schräge Witze oder Small Talk. Unter dem Vorsitz der jeweiligen Landräte aus den Kreisen Dillingen und Heidenheim treffen sich die Oberhäupter der Kommunen, die beiderseits der württembergisch-bayerischen Landesgrenze liegen.

Gemeinsame Interessen berührende Themen werden bei einem Essen besprochen. Oder es wird gegenseitig abgefragt, wie welche Probleme gelöst werden oder wie das mit den Zuschüssen im jeweiligen Bundesland aussieht. Beschlüsse im üblichen Sinne, die bindend wären, werden keine gefasst. Sehr wohl aber wurden schon Resolutionen an die große Politik formuliert.