Heidenheim / Andreas Uitz 55 Euro muss ab Montag jeder zahlen, der dabei erwischt wird, wie er Zigarettenkippen, Kaugummis oder anderen Kleinmüll in der Heidenheimer Innenstadt auf die Straße wirft.

Rund 80 Tonnen Müll haben die Mitarbeiter der Städtischen Betriebe im vergangenen Jahr aufgesammelt – auf der Straße. Das ist in etwa die Hälfte der Menge, die aus öffentlichen Abfalleimern entsorgt wurde. Daran ist ersichtlich, wie viel Müll die Menschen in der Stadt einfach gedankenlos fallen lassen. Doch nicht nur, dass das Stadtbild verschandelt wird, hinzu kommen auch noch die Kosten, die der Stadt, also der Allgemeinheit, entstehen. Denn für die Tonne Müll, die die Stadt beim Kreisabfallwirtschaftsbetrieb anliefert, müssen 220 Euro bezahlt werden. Kein Wunder, dass ab jetzt härter gegen Müllsünder durchgegriffen werden soll.

Vermüllung soll vermieden werden

Das Problem ist keine Heidenheimer Besonderheit. In der Diskussion um die Vermüllung der Umwelt hat Bundesumweltministerin Svenja Schulze den Vorschlag eingebracht, dass sich die Hersteller von Einwegartikeln wie Kaffeebechern und Zigaretten an den Kosten beteiligen sollen, die deren Entsorgung aus dem öffentlichen Raum verursachen. Die Mitarbeiter der Städtischen Betriebe sind tagtäglich unterwegs, um eine Vermüllung der Stadt zu vermeiden.

Umfangreicher Bußgeldkatalog

Was viele der Zeitgenossen, die ihren Müll achtlos auf die Straße werfen, nicht bedenken: Dieses Verhalten kann ganz schön teuer werden. Denn im Bußgeldkatalog des Landes Baden-Württemberg sind derartige Ordnungswidrigkeiten definiert und mit Geldbußen belegt. So kann beispielsweise das Wegwerfen von Gebrauchsgegenständen aus Papier, Pappe, Plastik oder Metall mit einer Geldbuße zwischen 50 und 250 Euro belangt werden. Das betrifft auch Zigarettenkippen, Kaugummis und die allgegenwärtigen Kaffeebecher. Das Wegwerfen von scharfkantigen, ätzenden und schneidenden Gegenständen, dazu gehören auch Glasflaschen, kann mit 100 bis 800 Euro belangt werden.

Bußgeldkatalog gibt den Rahmen vor

Dieser Bußgeldkatalog soll den Kommunen einen Rahmen geben. Wie hoch die Geldbußen tatsächlich ausfallen, kann jede Stadt und Gemeinde selbst festlegen. In Heidenheim hat man sich dazu entschlossen, dies in Form einer internen Weisung zu tun. Die dient auch den Mitarbeitern des Kommunalen Ordnungsdienstes als Grundlage. Darin ist unter anderem festgelegt, dass das Verwarngeld für weggeworfene Zigarettenkippen, Essensreste und anderen Müll wie Kaffeebecher bei 55 Euro liegt. Ebenso viel kostet es, einen Kaugummi fallen zu lassen. „Wir haben den Betrag so gewählt, weil ab 60 Euro automatisch ein Bußgeldverfahren eingeleitet werden muss, das zusätzlich 28,50 an Bearbeitungsgebühr kostet“, erklärt der städtische Pressesprecher Wolfgang Heinecker. Wer eine Glasflasche zerbricht, muss deutlich tiefer in die Tasche greifen: Das Bußgeld hierfür liegt in Heidenheim bei 100 Euro.

Ab Montag wird kontrolliert

Doch was hilf all dies, wenn die interne Weisung nicht angewendet wird? Bislang jedenfalls war das kaum der Fall. Doch das soll sich ändern. Ab kommender Woche nämlich achten die Mitarbeiter der Polizeibehörde besonders darauf, ob etwas auf die Straße geworfen wird und verhängen auch gleich Verwarngelder.

Schon die vergangenen Tage waren Mitarbeiter des kommunalen Ordnungsdiestes in Zivil in der Innenstadt unterwegs. Sie haben Passanten, die Zigarettenkippen weggeworfen haben, verwarnt – allerdings noch ohne ein Verwarnungsgeld zu kassieren. „Die Menschen sollen sensibilisiert und darauf aufmerksam gemacht werden, dass es jede Menge Mülleimer und Aschenbecher gib“, sagt Heinecker.

Zahlreiche Mülleimer in der Innenstadt

Denn allein im Bereich der Innenstadt stehen insgesamt 13 herkömmliche Mülleimer mit einem Fassungsvolumen von 60 Litern, die zweimal täglich geleert werden. Hinzu kommen fünf große Unterflurbehälter mit je 750 Litern Fassungsvermögen, die einmal wöchentlich geleert werden. Außerdem gibt es noch neun der neuen roten Pressmülleimer, die 600 Liter fassen und alle zwei Wochen geleert werden müssen.

Reinigung kostet viel Geld

Die Reinigung der Innenstadt lässt sich die Verwaltung auch einiges kosten: Im Budget der Städtischen Betriebe für die Innenstadt wurden im vergangenen Jahr 250 000 Euro verbraucht. Darin enthalten sind die Kosten für das Personal, die Fahrzeuge und Maschinen. In diesem Budget sind die Handreinigung, die Leerung der Abfallbehälter, die Beseitigung von Unkraut und Grobmüll, die Reinigung der Gehwege, die Beseitigung von Tierkörpern und das Ausbringen von Rattengift im Kanalnetz eingeschlossen.

27 Müllgefäße in der Innenstadt

Eine mangelnde Anzahl an Mülleimern dürfte kaum der Grund für den Müll auf den Straßen der Innenstadt sein. Denn alles in allem stehen in diesem Bereich insgesamt 27 Müllgefäße.

Die inzwischen neun roten Behältnisse, in denen der Müll gleich gepresst wird, werden alle zwei Wochen geleert – bei Bedarf auch öfter. Denn wenn sie voll sind, melden sie das automatisch an den Verwaltung.

Die fünf großen Unterflur-Behälter, deren Fassungsvermögen von 750 Litern unterirdisch und damit nicht sichtbar ist, werden einmal pro Woche am Freitag geleert. Zweimal täglich kümmern sich Mitarbeiter de städtischen Betriebe um das Leeren der 13 herkömmlichen Mülleimer in der Innenstadt. ui