Mathias Ostertag Mit knapp 100 000 Fällen ist der plötzliche Herztod hierzulande die häufigste Todesursache. Auch, weil in Deutschland nur in 15 Prozent der Fälle Laien sofort mit Wiederbelebungsmaßnahmen beginnen, bevor der Rettungsdienst eintrifft. Der DRK-Kreisverband will gegensteuern – unter anderem mit einer App.

Im Ernstfall zählen Sekunden. Erleidet ein Mensch einen Herzstillstand, muss es schnell gehen. Denn pro Minute, die bis zum Beginn einer Reanimation verstreicht, verringert sich die Wahrscheinlichkeit, dass der Betroffene überlebt, um etwa zehn Prozent. Wird dagegen sofort nach einem Herzstillstand mit der Reanimation begonnen, kann in bis zu 50 Prozent der Fälle eine Rückkehr des sogenannten Spontankreislaufes erreicht werden.

Laut einer aktuellen Auswertung des Deutschen Reanimationsregisters der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) kommt die Theorie im praktischen Umgang der Bevölkerung nicht an: Nur in 15 Prozent der Fälle beginnen Laien vor Eintreffen des Rettungsdienstes mit Wiederbelebungsmaßnahmen. In Schweden und Norwegen trauen sich dagegen 60 Prozent der Bevölkerung die lebensrettende Herzdruckmassage zu.

Die alarmierenden Zahlen rufen jetzt den DRK-Kreisverband Heidenheim in Person der Kreisgeschäftsführerin Karen Warnecke-Gehrhardt auf den Plan. „Die Menschen sollen den Mut haben, ohne Angst oder Bedenken Hilfe zu leisten. Wer nicht hilft, macht mehr falsch als derjenige, der etwas tut“, appelliert sie an die Bevölkerung, im Ernstfall nicht wegzuschauen, sondern aktiv Hilfe zu leisten.

Das miserable Ranking Deutschlands im Ländervergleich sei nicht hinnehmbar, sagt Helmut Turba, gemeinsam mit Corinna Maier Ausbilder im DRK und damit verantwortlich für die Erste-Hilfe-Kurse. Bis der Rettungsdienst vor Ort sei, vergingen wertvolle Minuten, weiß der ausgebildete Rettungsassistent Turba auch aus eigener Erfahrung zu berichten. „Wenn niemand etwas tut, bleibt der Menschen ein Pflegefall – oder hat keine Chance mehr.“ Dem Thema Wiederbelebung hat sich Helmut Turba seit vielen Jahren verschrieben. Für den DRK-Kreisverband verantwortet er die Installation von Defibrillatoren im Landkreis Heidenheim. 242 sind es aktuell im Kreis, Turba würde gerne 300 Standorte für Defis haben.

Auch wenn die Geräte inzwischen in fast jedem Flecken des Kreises zu finden sind, wissen viele Menschen trotzdem nicht, wo diese zu finden sind. Seit Anfang dieses Jahres gibt es immerhin eine Übersichtskarte auf Google, die in die Homepage der Heidenheimer Zeitung (www.hz-online.de) integriert ist und einen Großteil der Standorte der kreisweit aufgestellten Defibrillatoren auflistet. Vom weltweit tätigen Unternehmen bis zum kleinen Mittelständler haben sich zahlreiche Firmen eigene Defis angeschafft. Viele Vereine und freiwillige Helfergruppen haben in ihren Vereinsheimen und Rettungswachen Geräte platziert.

Ganz neu ist jetzt auch die Möglichkeit, den nächsten Standort eines Defibrillators via App aufs Smartphone zu holen. Mithilfe des Rot-Kreuz-Kreisverbands Donauwörth gibt es jetzt auf Initiative von Helmut Turba die Möglichkeit, über die App und eine Google-Maps-Karte nicht nur den kürzesten Weg zum nächsten Defi zu finden, sondern aus der App heraus direkt einen Notruf zu starten. „Wir erhoffen uns dadurch, noch mehr Jugendliche zu erreichen. Denn diese sind oft am ehesten auf der Straße unterwegs – und deshalb auch potenzielle Lebensretter“, erklärt Karen Warnecke-Gehrhardt.

Um bei der Reanimation eines Betroffenen alles richtig zu machen, empfiehlt die Ausbilderin Corinna Maier die regelmäßige Auffrischung des Erste-Hilfe-Kurses. „Wer daran regelmäßig teilnimmt, hat weniger Hemmungen, wenn es zum Ernstfall kommt. Und die Teilnahme beschränkt sich ja nur auf ein bis zwei Abende.“

Gerade die lebensrettenden Maßnahmen in drei Schritten könnten dadurch wieder ins Gedächtnis zurückgerufen werden. „Bei der Herzdruckmassage muss man ja eigentlich nur am richtigen Punkt ansetzen – und los geht's“, erklärt sie. Fünf bis sechs Zentimeter tief sollte mitten auf den Brustkorb (bei einer trainierten Person ungefähr zwischen den Brustwarzen) gedrückt werden – das Ganze mindestens 100 Mal pro Minute. Um diese Zahl zu erreichen, empfehlen Maier und Turba, sich am Rhythmus von Liedern wie „Stayin' Alive“ von den Bee Gees, „Rock Your Body“ von Justin Timberlake oder dem Pippi Langstrumpf-Titelsong zu orientieren. „Und das bitte so lange, bis der Rettungsdienst eintrifft. Wer so hilft, kann nichts falsch machen“, sagt Maier.

Info Die Defi-App des DRK-Kreisverbandes ist im Moment nur für das Betriebssystem Android ausgelegt und kann über den Google Play Store heruntergeladen werden. Demnächst soll die App auch für Apple-Geräte verfügbar sein.